Aus der Sammlung des Kunstgelehrten Joseph Heller

Heller zwischen Original und Kopie. Staatsbibliothek Bamberg, HVG 41/147 zwischen I Bb 2 und I Bb 2c
Heller zwischen Original und Kopie. Staatsbibliothek Bamberg, HVG 41/147 zwischen I Bb 2 und I Bb 2c

Von verborgenen Forschungspotenzialen

In Bibliotheken, Archiven und Museen lagern zahlreiche Nachlässe, deren Potenziale für die Forschung bei Weitem nicht ausgeschöpft sind. Oftmals liegt dieser Umstand zuvorderst in ihrer verminderten Sichtbarkeit und erschwerten Zugänglichkeit begründet. Zudem erweckt eine umfangreiche und teils jahrhunderteübergreifende wissenschaftliche Auseinandersetzung, gerade bei beliebten Forschungsgegenständen, den Eindruck längst stringent aufgearbeiteter Quellen.

Die Staatsbibliothek Bamberg bewahrt mit dem gattungsübergreifenden Nachlass des Kunstgelehrten und -sammlers Joseph Heller (1798–1849) ein prädestiniertes Beispiel bislang deutlich zu wenig genutzten Forschungsmaterials.

Digitalisate aus der Sammlung Hellers in den Bamberger Schätzen

Der Nachlass Joseph Hellers in der Staatsbibliothek Bamberg

Schon alleine die Hälfte des heute etwa 90.000 Blätter umfassenden Graphikbestands geht auf das Vermächtnis des Bamberger Privatiers zurück, der bereits zu Lebzeiten enge Verbindungen zur Bibliothek unterhielt und sie in seinem Testament als Alleinerbin einsetzte. Neben seiner vielfältigen Kunstsammlung, auch Glasmalereien, Münzen, Medaillen, Ölgemälde und Druckformen sind darunter, erhielt die damals noch Königliche Bibliothek seinen vollständigen schriftlichen Nachlass und seine etwa 6.000 Bände umfassende Handbibliothek. Hellers ausgeprägter Forscherdrang schlug sich in Letzterer insofern nieder, als dass sie zahlreiche annotierte kunst- und kulturhistorische Bücher sowie Publikationen seiner Hand enthält. Als Ansprechpartner in Bamberg hielt er Verkaufskataloge zahlreicher Auktionatoren und Kunsthändler zur Einsichtnahme für potenzielle Käufer bereit und ließ diese oftmals mit Zuschlagspreisen versehen. Eine wahre Fundgrube des Wissens bildet die Fülle an Briefkonzepten und zugehörigen Antworten, Notizen zu und für Publikationen sowie Übersetzungen fremdsprachiger und Abschriften schwer zugänglicher Werke. Außerdem spiegelt die Korrespondenz Hellers Netzwerk bestehend aus namhaften Verlegern, Kunstsammlern und -händlern vorwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wider.

Besonderheit des Heller‘schen Nachlasses ist die heute noch gattungsübergreifende Geschlossenheit, die – bei näherem Hinsehen – die vom Sammler selbst angelegte Mikrostruktur überliefert.

Bücherzeichen Hellers in Anlehnung an Willibald Pirckheimer. Staatsbibliothek Bamberg, JH.Her.f.5, Titelbl.
Bücherzeichen Hellers in Anlehnung an Willibald Pirckheimer. Staatsbibliothek Bamberg, JH.Her.f.5, Titelbl.

Das DFG-Projekt als Portal (auf dem Weg zur Forschung)

Um die Sammlungsordnung selbst, einzelne Objekte und ihre Verbindungen zueinander der Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar zu machen, startete im Juni 2017 das DFG-Projekt Die Graphiksammlung Joseph Hellers (1798–1849) in der Staatsbibliothek Bamberg – Visualisierung und Vernetzung einer Sammlungsstruktur. Bei der projektspezifischen Tiefenerschließung, die zur Nachbildung des Heller’schen Sammlungsgefüges notwendig ist, fallen fortwährend interessante Forschungsgegenstände ins Auge.

Das Projektteam der Staatsbibliothek Bamberg setzt sich mit dem Themenportal das Ziel, in regelmäßig erscheinenden Schlaglichtern verborgene Forschungspotenziale Aus der Sammlung des Kunstgelehrten Joseph Heller (1798–1849) zu präsentieren und zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Bestand anzuregen.