Zum Quellenwert annotierter Auktionskataloge für die Forschung

Objekte aus Privatbesitz treten in der Regel nur dann in Erscheinung, wenn sie kurzzeitig im Rahmen von Ausstellungen oder längerfristiger als Dauerleihgaben in öffentlichen Sammlungen und Museen präsentiert werden. Werden sie in der Literatur (wie etwa in Werkverzeichnissen) oder in der Presse nicht erwähnt, so hinterlässt ihre Existenz kaum Spuren – teilweise über Generationen hinweg. Sie werden daher oftmals erst dann sichtbar, wenn sie in den Handel gelangen, und insbesondere dann, wenn sie öffentlich versteigert werden.

Die anlässlich einer Versteigerung publizierten Kataloge enthalten neben Informationen zur Werkidentität (Künstler*in, Titel, Maße, Technik, Zustand, teilweise Abbildung) manchmal auch Hinweise auf frühere Eigentümer*innen. Damit sind sie herausragende Quellen für viele kunsthistorische Forschungsfragen (Provenienzforschung, Werkverzeichnisse, Authentizitätsfragen usw.).

Der hohe Quellenwert von Auktionskatalogen wird durch Annotationen noch einmal deutlich gesteigert. Darunter versteht man Kataloge, die entweder durch Auktionsbesucher*innen oder durch die Mitarbeiter*innen des Auktionshauses selbst mit handschriftlichen Notizen zu Einliefer*innen, Käufer*innen oder Preisen (Schätz-, Limit-, Hammerpreise) angereichert wurden.

Im Falle der hier behandelten Auktionskataloge des Münchner Auktionshauses Hugo Helbing handelt es sich um Exemplare, die Mitarbeiter*innen des Auktionshauses annotiert haben. Die darin enthaltenen Informationen sind deshalb in der Regel vollständig und verlässlich und damit von hoher Relevanz, da Geschäftsunterlagen des Auktionshauses aufgrund von NS-Verfolgung und Kriegszerstörung kaum noch erhalten sind.