Struktur und Inhalt des Maltechnik-Notizbuchs

Hans Emmeneggers Maltechnik-Notizbuch hat 188 Seiten. Etwa 30 davon werden von einem «Verzeichnis der Leinwände» beansprucht, in dem der Künstler sein malerisches Schaffen zwischen ca. 1900 und 1924 in 308 Werkeinträgen auflistete. Die Einträge sind fortlaufend nummeriert. Sie geben Auskunft über die jeweilige Werkkategorie («Studie», «Esquisse», «Studie-Esquisse», «Bild», «Pochade» oder «Panneau decoratif»), über den Werktitel, die Masse und die technische Beschaffenheit des jeweiligen Bildträgers. Datierungen lassen sich aus dem Verzeichnis der Leinwände in der Regel nicht ableiten, denn die Reihenfolge der Einträge wurde von anderen, rein praktischen Faktoren bestimmt.
Rund 150 Seiten des Maltechnik-Notizbuchs werden von einer Art Logbuch eingenommen, das Emmenegger zwischen Februar 1901 und Juni 1905 führte. Unter dem jeweiligen Datum und der Nummer des betreffenden Werks dokumentierte er die Arbeitsschritte und die dabei verwendeten Materialien. Oft kommentierte er auch den Erfolg oder Misserfolg seiner Vorgehensweise.
Weitere Seiten benutzte er, um unter der Überschrift «Verschiedenes» Beobachtungen, Verhaltensregeln und Merksätze zu Fragen der Maltechnik und Bildwirkung zu notieren.
Die allerletzte Seite des Maltechnik-Notizbuchs enthält eine Liste der Malfarben, Malmittel, Firnisse und Grundierungsmaterialien, die er im Februar 1901 zusammenstellte, als er mit den Aufzeichnungen begann.
Anders als für seine Tagebücher, in die er hastig und ausschliesslich mit Bleistift zu kritzeln pflegte und die manchmal schwer zu entziffern sind, schrieb er im Maltechnik-Notizbuch stets mit Füllfeder in gut leserlicher Schrift. Seine Logbuch-Einträge wimmeln zwar von Abkürzungen, wie «M.-Fa» (für Mussini-Farben), «Kremsw.» (für Kremserweiss, also Bleiweiss), «Cadm. h.» (für Cadmiumgelb hell) oder «Vib.» (für vernis à retoucher de J. G. Vibert), doch können diese mit ein wenig maltechnologischer Sachkenntnis ohne Weiteres aufgeschlüsselt und transkribiert werden.
Ein Problem, das im Rahmen des Editionsprojekts noch zu lösen ist, ergibt sich aus der scheinbar willkürlichen Verteilung des oben skizzierten Inhalts auf den Notizbuchseiten: Das Verzeichnis der Leinwände beispielsweise beginnt auf den Seiten 185–187, setzt sich fort auf den Seiten 169–177, wechselt auf die Seiten 159–166 und endet auf den Seiten 1–8. Ähnliches gilt für die Einträge zu «Verschiedenes»; sie beginnen auf den Seiten 178–182, setzen sich fort auf den Seiten 167 und 168 und enden auf den Seiten 183 und 184. Die Orientierung ist deshalb schon im realen Notizbuch nicht ganz einfach. Im Digitalisat ist sie noch wesentlich schwieriger, da sich schon auf der ersten digitalisierten Seite unweigerlich die Annahme aufdrängt, die Bilddateien seien falsch angeordnet. Eine kluge Navigationshilfe wird dieses Problem jedoch hoffentlich lösen können.

Schema von Struktur und Inhalt des Maltechnik-Notizbuchs
Schema von Struktur und Inhalt des Maltechnik-Notizbuchs