Möbeldesign und Kunstgewerbe 1900–1930

Entwurf eines Buffetschrankes, 1898/1910, Inv.-Nr. 02.111
Entwurf eines Buffetschrankes, 1898/1910, Inv.-Nr. 02.111

Entwurfszeichnungen von Gertrud Kleinhempel (1875–1948)

Die Designerin Gertrud Kleinhempel (1875 bis 1948) zählt zu den frühen deutschen Entwerferinnen, die bereits um die Jahrhundertwende unter anderem für die Deutschen Werkstätten Hellerau Entwürfe – nicht nur im traditionell weiblich besetzten Bereich der Textilgestaltung, sondern auch im Möbeldesign – anfertigte. In der zeitgenössischen Presse äußerst positiv wahrgenommen, wurde Gertrud Kleinhempel zu einer deutschlandweit erfolgreichen und gefragten Designerin. Ihre Karriere erreichte 1921 ihren Höhepunkt in der Ernennung zur Professorin an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bielefeld, an der sie bereits seit 1907 lehrend tätig war.

Der zeichnerische Nachlass von Gertrud Kleinhempel wurde an der SLUB Dresden digitalisiert und erschlossen und steht ab sofort für die Recherche zur Verfügung. Er umfasst ca. 2.300 Blätter, in denen die ganze Bandbreite ihrer gestalterischen Tätigkeit deutlich wird. Von klassischen Zeichenstudien über Entwürfe für Möbel, Hausrat und Mode reicht die Bandbreite bis hin zu gebrauchsgrafischen Arbeiten.

Zu den Zeichnungen im Katalog von arthistoricum.net

Kunstgewerbe und Design um 1900

Gertrud Kleinhempels Wirken muss im Kontext der Kunstgewerbebewegung des ausgehenden 19. Jahrhundert gesehen werden. Im Zuge einer zunehmend industrialisierten Güterproduktion und des vorherrschenden eklektizistischen Gestaltungstils wurden darin Forderungen nach einer grundlegenden Erneuerung der Produktgestaltung artikuliert. Eine moderne, künstlerisch wertvolle Formensprache und Materialgerechtigkeit sollten das neue Industriedesign bestimmen. Dieser Anspruch fand auch in der Gründung zahlreicher Kunstgewerbeschulen und –museen Ausdruck, die die künstlerische und formensprachliche Bildung der Industriedesigner und Entwerfer z.B. anhand von Mustersammlungen zu fördern suchten.

Entwurfsskizzen zu verschiedenen Möbeln

Möbel- und Wohndesign

Besonders im Bereich des Möbel- und Wohndesigns fielen die Ideen auf fruchtbaren Boden. Dresden entwickelte sich um die Jahrhundertwende zu einem der deutschlandweit führenden Zentren der Kunstgewerbe- und Lebensreformbewegung. Maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt waren Firmen wie die 1898 gegründeten Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst, die sich 1909 in Dresden-Hellerau niederließen, oder auch die Werkstätten für Deutschen Hausrat Theophil Müller, Dresden.

Entwurf eines Schrankes, 1898/1930, Inv.-Nr. 02.135
Entwurf eines Schrankes, 1898/1930, Inv.-Nr. 02.135

Die Deutschen Werkstätten taten sich auch dadurch hervor, dass sie einerseits – dem künstlerischen Ansatz des Industriedesigns konsequent folgend – auf Künstlerentwürfe setzten und die Entwerfer durch Signatur ihrer Arbeiten und faire Gewinnbeteiligung wertschätzten. Andererseits öffneten sie das Betätigungsfeld der künstlerischen Entwurfsarbeit bereits seit den Anfangsjahren auch für Frauen. Neben Gertrud Kleinhempel gibt es eine ganze Reihe an – heute zu Unrecht größtenteils im Schatten ihrer männlichen Kollegen stehenden – Künstlerinnen, die für das Hellerauer Unternehmen arbeiteten.

Schon 1899 wurde Gertrud Kleinhempel gemeinsam mit ihrem Bruder Erich für die künstlerische Mitarbeit an den Deutschen Werkstätten verpflichtet. Bereits ihr erster Auftrag,  der Entwurf einer einfachen Wohnungseinrichtung zum Preis von 800 Mark für die »Volkstümlichen Ausstellung für Haus und Herd« 1899 in Dresden, fand in der zeitgenössischen Presse ein durchweg positives Echo. So war in der »Innendekoration« (Bd. 11 [1900], Februarheft) in der Besprechung der Ausstellung zu lesen, dass sich im »Kleinhempel´schen Wohnzimmer […] viel Gutes [findet]« und sich durch »Schlichtheit des Materials und der Formen [eine] behagliche, künstlerische Wirkung« entfaltet. Insgesamt wurden die Arbeiten Gertrud Kleinhempels in den zeitgenössischen kunstgewerblichen Zeitschriften äußerst wohlwollend besprochen. Auf Zustimmung traf die Einfachheit und »strenge Schlichtheit«, die zum Charakteristikum ihrer Möbelentwürfe wurden.[1]

Zeitgenössische Quellen zu den Arbeiten von Gertrud Kleinhempel

Innendekoration. Mein Heim, mein Stolz. Die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort
Band 11 (1900)Band 13 (1902) / Band 14 (1903) / Band 22 (1911)

Deutsche Kunst und Dekoration. Illustrierte Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst und künstlerisches Frauen-Arbeiten
Band VII (1900/01) / Band VIII (1901) / Band XVI (1905)

Kunstgewerbeblatt. Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a.M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart
Band NF 13 (1902) / Band NF 14 (1903) / Band NF 17 (1905/06) 

Der Kunstwart. Rundschau über alle Gebiete des Schönen. Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben
Band 21,4 (1908) / Band 22,1 (1908) / Band 22,2 (1908)

Moderne Bauformen. Monatshefte für Architektur und Raumkunst
Band 10 (1911)

The Studio. International Art
Band 26 (1902)

L´art décoratif. Revue de l´art ancien et de la vie artistique moderne
Band 2,1 (1899/1900)

International Studio
Band 17 (1902)

Anmerkungen

[1] vgl. Klaus-Peter Arnold, Dresdner Möbel und Wohnungseinrichtungen, in: Gertrud Kleinhempel. Künstlerin zwischen Jugendstil und Moderne, hg. V. Gerhard Renda, Bielefeld 1998, S. 27-33.

 

Seitenredaktion: Simone Fleischer, SLUB Dresden
Kontakt: simone.fleischer@slub-dresden.de
Stand: 02. November 2018

Ausstellung zum Thema
Gegen die Unsichtbarkeit. 
Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau 1898 bis 1938. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Japanisches Palais, 03.11.2018–03.03.2019
Homepage

// Materialien zu den Deutschen Werkstätten Hellerau

Zeitgenössische Firmenprospekte und Werbemateralien der Deutschen Werkstätten Hellerau.

Weiteres Bildmaterial aus dem Bestand der Deutschen Fotothek

Werbeprospekt für die Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst Dresden-Hellerau von Gertrud Kleinhempel, um 1900