Dia-Katalog und Diapositivsammlung: "Die Gute Form“

Blitzlichtgerät aus der Blitzgeräte-Reihe „hobby“ der Max Braun oHG Gestaltungsabteilung, 1958
Diapositivsammlung des Rat für Formgebung (Scan: SLUB/ Deutsche Fotothek)
Blitzlichtgerät aus der Blitzgeräte-Reihe „hobby“ der Max Braun oHG Gestaltungsabteilung, 1958
Diapositivsammlung des Rat für Formgebung (Scan: SLUB/ Deutsche Fotothek)

Der Rat für Formgebung sammelte seit Mitte der 1950er Jahren fotografische Zeugnisse beispielhafter Design-Objekte der Moderne des frühen 20. Jahrhunderts und vor allem der Nachkriegszeit in seinem heute historischen Fotoarchiv. Als Teil dieser Sammlung entstand für Lehrzwecke und Ausstellungen eine Diapositiv-Sammlung mit Entwürfen aus Alltag und Konsumwelt, die auch in gedruckter Form im sogenannten Dia-Katalog (Erstausgabe 1962, Ergänzung 1963/64) vorlag. Fotoarchiv und Diapositivsammlung hatten das Ziel, die „Gute Form“ im deutschen Industriedesign durch geeignetes Anschauungsmaterial, das in Ausstellungen und im damals zeitgemäßen Kommunikationsmedium des Dia-Vortrages verbreitet wurde, zu befördern.

Das Fotoarchiv und die Diapositivsammlung des Rat für Formgebung stellen heute eine einzigartige Quelle deutschen Nachkriegsdesigns dar. Manche der im Archiv dokumentierten Objekte gelten inzwischen als Klassiker, andere warten auf ihre Wiederentdeckung. Die wissenschaftliche Erschließung und Digitalisierung der Diapositivsammlung ermöglicht nun die digitale Recherche in über 1.400 Exponaten. Sie können eingesehen, recherchiert und im kunst- oder designhistorischen Kontext referenziert werden. Die in der Bilddatenbank der Deutschen Fotothek einzeln erschlossenen Kleinbilddias sind seitengenau mit den jeweils zugehörigen Abbildungen in der digitalisierten Printausgabe des Diakatalogs verlinkt. Für dieses Projekt kooperierte die Stiftung Deutsches Design Museum mit der SLUB Dresden/Deutsche Fotothek, gefördert von der Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region.

Zur Diapositivsammlung in der Deutschen Fotothek

Der Dia-Katalog. Systematik und Gestaltung

Die Systematik des Dia-Kataloges orientierte sich an der „Deutschen Warenkunde“. Alle Diapositive wurden 30 Produkt- und Materialgruppen zugeordnet. Jedes Motiv und Design-Objekt illustrierte wiederum weitere Untergruppen. Zum „Aufzeigen von Formtendenzen“ wurden, wie es im Vorwort des Dia-Katalog heißt, auch „das mittelmäßige Produkt“ und historische Vorläufer aufgenommen. 

Zum Beispiel: Küchengeräte

Auszug aus Gruppe 6: Küchengeräte und Küchenmaschinen aus Metall (Historische Systematik)
Auszug aus Gruppe 6: Küchengeräte und Küchenmaschinen aus Metall (Historische Systematik)

Die Bildstrecke zeigt einen Ausschnitt aus Gruppe 6: „Küchengeräte und Küchenmaschinen aus Metall“ der historischen Systematik. Als beispielhaft für die moderne und „Gute Form“ wird die Küchenmaschine von 1960/61 als Werksentwurf der AEG und die Küchenmaschine KM 3 des Herstellers Braun (1956) vorgestellt. Historische Vorläufer wie die frühe Form der Kartoffelschälmaschine vom Anfang des 18. Jahrhunderts und eine Kaffeemühle aus den USA (1800) ermöglichen den Vergleich zu früheren Formgebungen. Eine Übersicht von „Haushalts-Motoren“ aus dem Jahr 1901 visualisiert Produkte von AEG im Medium Plakat.

Die „Gute Form“ in Alltag und Konsumwelt

Die Vielfalt der Exponate belegt auch die exemplarische Zusammenschau von Motiven aus den Wirtschaftswunderzeiten. Diese reichen vom Design-Objekt aus Glas bis zum luxuriösen Automobil und spiegeln die Bandbreite vorbildlich gestalteter Industrieprodukte. Das Likörservice C 100 von Gral Glashütte stammt von 1955, die Gießkanne aus Kunststoff wurde 1959 von der Max Richter KG hergestellt. Filigran und funktional zeigt sich die Wandleuchte, ein Produkt der Kontaktgesellschaft von Lüttichau KG (1954). Heute ein legendärer Designklassiker, erschien der Mercedes-Benz 190 SL in den Jahren 1954/55 fast futuristisch.

Um dem obsoleten Medium Dia gerecht zu werden, wurden die Diapositive inklusive ihrer vielfältigen Rahmungen und handgefertigten Konfektionierungen des Bildausschnitts digitalisiert. Ergänzend zum Roh-Scan der Farbdiapositive wurde ein farbkorrigierter Scan angelegt.