Frankfurt | Museum Angewandte Kunst

Das Museum versteht sich als ein Möglichkeitsraum und als eine Plattform für die Frage „was angewandte Kunst war, ist und sein kann“. Es wurde als Kunstgewerbemuseum 1877 gegründet und umfasst europäisches sowie ostasiatisches Kunsthandwerk, Kunstgewerbe und Kunst sowie internationales Design. Über die Abteilung, die heute den Namen Buchkunst und Grafik trägt, verfügt es seit 1921. Diese vereinigt die beiden Buchkunstsammlungen der Brüder Michael und Albert Linel, Druckgrafik sowie weitere neu erworbene Bestände vom Mittelalter bis heute. Ihr Umfang beträgt mehr als 28.000 Exponate: kostbare Buchmalerei für das stündliche Gebet, Bibeln aus der frühen Zeit des Drucks mit beweglichen Lettern, Freundschaftsalben aus dreihundert Jahren deutscher Identitätssuche, Schreibmeisterbücher als Beginn von Typografie, Erstausgaben und eine beachtliche Anzahl zeitgenössischer Künstlerbücher. Der Bereich Grafik umspannt Designvorlagen für Kunsthandwerker, Ornamentstiche, Urkunden, Buntpapiere, Kommunikationsdesign, Künstlergrafik und ihre Drucktechniken sowie Plakate mit Schwerpunkt „Kulturwerbung“.

Künstlerbücher

Veronika Schäpers „Sous le Mers“
Gestaltung, Satz, Druck und Einband: Veronika Schäpers, Tokyo 2007
Durs Grünbein: 26°57,3'N, 142°16,8' E
xemplarnummer 33 von 36.
Veronika Schäpers „Sous le Mers“
Gestaltung, Satz, Druck und Einband: Veronika Schäpers, Tokyo 2007
Durs Grünbein: 26°57,3'N, 142°16,8' E
xemplarnummer 33 von 36.

Das reiche Spektrum der Sammlung an Künstlerbüchern erweitert sich kontinuierlich – häufig in Kooperation mit den Künstlern selbst. Dabei spielen der Materialwert und der handwerkliche Aufwand erst in Bezug zur künstlerischen Idee als Buch eine Rolle, so dass ebenso Unikate, kleine Auflagen aber auch Künstlerpublikationen aus hohen Stückzahlen gesammelt werden.  

 

Die im 20. Jahrhundert aufgekommenen Künstlerbücher greifen auf alle Schreib- und Schriftformen sowie Buchtraditionen und ihre technischen Möglichkeiten zurück. Buchkünstler thematisieren das Buch und seine Komponenten als ästhetisch-künstlerisches Ausdrucksmittel immer wieder neu und anders. Künstlerbücher sind ein Bestandteil bildender Kunst und ihrer Fragestellungen. Im Zuge der Moderne und ihrer Ablösung von Kunstgattungen zugunsten einer Erweiterung von Kunstformen gewinnt das Medium Buch die Qualität eines autonomen und mobilen Kunstraums. Alle Elemente des Buchs wie Papier, Buchstaben oder Bindung werden von Künstlern auf ihre Wirksamkeit ausgedeutet und machen es zu einer Erfahrung zwischen  Objekt, Bild, Text, Textur, Skulptur und einer Aufführung. Dabei verlangt das Buch von Seite zu Seite geblättert zu werden, um sich in seiner Größe, Schwere, Viskosität oder Geräuschpalette ganz entfalten zu können. Die Rezeption des Buchs ist an die Erfahrung mittels Handhabung, an den Prozess des körperlich sinnlichen Begreifens gebunden und ist daher mit der Kunstform Performance vergleichbar. Die Buchkunst ist eine grundsätzlich performative Kunstform, da sie sich erst durch die „handgreifliche“ Beteiligung des Betrachters/Lesers/Zuschauers realisiert. Die Ausstellungen des Museums Angewandte Kunst berücksichtigen diesen Umstand und kompensieren die konservatorischen Anforderungen, welche die Bücher wegen ihrer fragilen Materialität haben, mit einem reichen Vermittlungsprogramm und ermöglichen so eine partizipatorische Auseinandersetzung mit den Buchobjekten.

Tobias Rehberger - Frankfurter Positionen

Tobias Rehberger - Frankfurter Positionen 2001 - Tobias Rehberger. - Hrsg: Florian Waldvogel; Portikus, Frankfurt am Main, 2001
Broschur, 36 Seiten, Format: Höhe 21,5 cm, Breite 16 cm. - Gestaltung: Tobias Rehberger
ISBN: 3-928071-53-X
 
Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. Mit Mitteln der Ludwig Pfungst-Museums-Stiftung 2013 erworben
Inventarnummer: LNBZ1346
Tobias Rehberger - Frankfurter Positionen 2001 - Tobias Rehberger. - Hrsg: Florian Waldvogel; Portikus, Frankfurt am Main, 2001
Broschur, 36 Seiten, Format: Höhe 21,5 cm, Breite 16 cm. - Gestaltung: Tobias Rehberger
ISBN: 3-928071-53-X

Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. Mit Mitteln der Ludwig Pfungst-Museums-Stiftung 2013 erworben
Inventarnummer: LNBZ1346

„Frankfurter Positionen“ von Tobias Rehberger ist nicht als Katalog im Sinne einer zusammenfassenden Ausstellungsdokumentation zu verstehen. Vielmehr gehört es zum typischen Verfahren dieses Künstlers, seine Ausstellungskataloge zum Bestandteil der Ausstellung und damit zu einem Kunstwerk als Künstlerbuch werden zu lassen.

Die Broschur thematisiert die Werkgruppe „Ads“, die eine Auseinandersetzung des Künstlers mit Werbeplakaten darstellt.  Mit der Serie Ads entwirft  Rehberger in eigenem Auftrag Plakate, mit denen er für Produkte oder Brands wirbt, die er schätzt, mag oder selbst benutzt. Die Plakate werden im öffentlichen Raum „wild“ (ohne Genehmigung und folglich illegal) gehängt und damit ausgestellt. Rehberger deutet so den öffentlichen Raum zu einem Kunstraum und den Bürger zum Besucher um. Gleichzeitig hinterfragt er die Freiheit des öffentlichen Raums, die Freiheit des Künstlers und die des Bürgers heute. Denn indem im öffentlichen Raum die Bebilderung durch Werbeplakate dominiert, sind die Bürger auf die Rolle von Konsumenten reduziert. Die Bebilderung, die wir im öffentlichen Raum vorfinden, ist eine, die Werbegrafiker im Auftrag entsprechender Unternehmen formen. Im Gegenzug beharrt Rehberger mit den Ads auf dem Recht, das er traditionell als freier Künstler hat. Als solcher ist er Autor wirksamer Bildlichkeit und er entscheidet, welche Motive er für bildwürdig erachtet. Dem aktuellen Hoheitsrecht von Wirtschaftsunternehmen auf Bildpräsenz im öffentlichen Raum setzt er dasjenige der freien Kunst entgegen. Zudem verbessert oder kreiert er das Corporate Design der jeweiligen Marke nach seinen Vorstellungen neu. Der Künstler als Verbraucher wird zum Designer, der sich am Erscheinungsbild beteiligt oder es im eigenen Auftrag und nach seinem Dafürhalten optimiert.

Mit seiner Werkgruppe „Ads“ enthebt Rehberger das Plakat  seiner ausschließlich werbenden sowie profitorientierten medialen Funktion, um es zu einem autonomen Kunstwerk zu überformen. Bei dem Künstlerbuch „Frankfurter Positionen“ dient das Cover mit Vor- und Rückseite als Präsentationsfläche für das Abbilden von drei Ads, die auf das Seitenformat Din A5  verkleinert sind: „Advil“, „Coca Cola“  und „Adidas“. Dieses kombiniert zwei Marken. Der Sportartikelhersteller Adidas trifft auf das indische Pharmazieunternehmen Cipla, das für die günstige Produktion von Generika, etwa für Aids, bekannt ist und so für große Teile der Bevölkerung bezahlbar ist.

Im Unterschied zu den Coverseiten bilden die Innenseiten keine Plakate ab, sondern bestehen aus diesen bzw. verarbeiten zwei Ads-Originalplakate. Das eine wirbt für den Landwirt Harro Mann aus dem Frankfurter Einzelhandelszentrum „Kleinmarkthalle“. Als einer der ersten Landwirte in seiner Umgebung setzte dieser die ökologisch-artgerechte Tierhaltung um und wird deshalb vom Künstler als Kunde geschätzt. Das zweite Plakat wirbt für das traditionsreiche Feinkostgeschäft Frankowitsch in Graz, welches seit 1932 existiert. Beide Plakate verdeutlichen Rehbergers genussorientierte Vorliebe für qualitativ Hochwertiges und Gutaussehendes. Dabei wurden die originalgroßen Plakate zu Lagen  für eine Broschur umgedeutet und  auf die entsprechende Seitengröße zugeschnitten. Die daraus resultierenden einzelnen Seiten zeigen so nur einzelne Plakatfragmente. Damit verdrängt Rehberger den Informationscharakter der Plakate sowie ihre motivisch-geschlossene Wiedererkennbarkeit. Stattdessen transformiert er die beiden Plakate zu einem Künstlerbuch im Sinne seiner Ausstellung. Durch den Fokus auf die Zerlegung der Plakate in kleine Einzelteile erscheint jede Seite als ein eigenständiges quasi abstraktes Bild. Es entstehen Kombinationen aus Motiv-  und Textpartien im Sinne eines freien Farb-und-Formenspiels, das nach der Methode des kalkulierten Zufalls beim Blättern Assoziationen freisetzt, die mal an konstruktive Malerei mal an die der Pop-Art erinnern und den Charakter eines Bilderbuchs als eines Kunstkatalogs im Sinne eines Künstlerbuchs annehmen.  

Tobias Rehberger (*1966) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und in Berlin. Er ist Professor für Bildhauerei an der Städelschule, der Frankfurter Kunstakademie. Tobias Rehberger ist einer der international bekanntesten zeitgenössischen Künstler. 2009 vertrat er auf der Biennale in Venedig Deutschland und erhielt den „Goldenen Löwen“ als Preis für den besten Künstler.

Else Lasker-Schüler - Theben

Else Lasker-Schüler, Theben, Gedichte und Lithographien, zehn Kolorierte Lithographien, 14 Doppelblatt. Einband Originalleinwand. (japanische Blockbuchbindung) mit goldgeprägter Vignette auf dem Vorderdeckel, sowie einem goldgeprägtem Signet auf dem Hinterdeckel.

Querschnitt-Verlag, Frankfurt am Main – Berlin 1923 

Aus einer Auflage von 250, trägt dieses Exemplar die Stempelnummer 194.Damit handelt es sich um ein in der Presse nummeriertes Exemplar von 200, bei denen das Impressum und sämtliche Orig.-Lithographien von der Künstlerin eigenhändig signiert wurden. Die Texte wie auch die Zeichnungen wurden von ihr direkt auf den Stein übertragen und als Lithographien gedruckt. Exemplare dieses einzigen Pressendrucks zu Lebzeiten der Dichterin sind von außerordentlicher Seltenheit. 25,3 x 32,5

LNBZ 160 erworben aus dem Atelier der Künstlerin 1923 gleich ein Jahr nach der Gründung der Abteilung „Buch- und Schriftkunst“ im Sinne eines prospektiv definierten Sammlungsverständnisses.

Weitere Sammlungsbeispiele

LB 43 aus dem Besitz Michael Linels /Stifter der Sammlung Aldus Manutius, venezianischer Buchdrucker und Verleger, Venedig 1523
Silius Italicus, „De Bello Punico secundo". 242 Druckseiten mit Signets. Ganzlederband mit Goldpressung und Bandornament in weißer und grüner Auflage,
17,10 x 10,4 cm
LB 43 aus dem Besitz Michael Linels /Stifter der Sammlung Aldus Manutius, venezianischer Buchdrucker und Verleger, Venedig 1523
Silius Italicus, „De Bello Punico secundo". 242 Druckseiten mit Signets. Ganzlederband mit Goldpressung und Bandornament in weißer und grüner Auflage,
17,10 x 10,4 cm
LB 136 aus dem Besitz Michael Linels/Stifter der Sammlung. Manuskript, niederländischer Psalter, 15. Jahrhundert, 345 Seiten, in schwarzer und roter Schrift, 14 großformatige farbige Initialen, mehrere kleine rote Initialen, auf der ersten Seite eine alte Inschrift, ein eingeklebtes Exlibris; nachträglich angebrachte Lesezeichen
Einband: brauner gotischer Lederband mit reicher Blindpressung und kleineren Stempeln; zwei Schließen 
21,4 x 14,3 cm
LB 136 aus dem Besitz Michael Linels/Stifter der Sammlung. Manuskript, niederländischer Psalter, 15. Jahrhundert, 345 Seiten, in schwarzer und roter Schrift, 14 großformatige farbige Initialen, mehrere kleine rote Initialen, auf der ersten Seite eine alte Inschrift, ein eingeklebtes Exlibris; nachträglich angebrachte Lesezeichen
Einband: brauner gotischer Lederband mit reicher Blindpressung und kleineren Stempeln; zwei Schließen
21,4 x 14,3 cm
LNBZ 1144 Verlegen als künstlerisches Projekt. Verlag Brinkmann & Bose , Berlin 1994
Jacques Derrida, Meine Chancen, Rendez-vous mit einigen epikureischen Stereophonien, 48 Seiten, Satz aus Alte Schwabacher + Caslon Book (Kommentar) Orthografie nach den Regeln für Fraktursatz,gebunden.
Titelei, Impressum und Text in einem Fluss, der Satzspiegel geschlossen bis zur letzten Zeile  der letzten Seite. Blattzählung wie bei mittelalterlichen Handschriften mit >fol.<
Prämiert im Wettbewerb „Die schönsten deutschen Bücher“ der Stiftung Buchkunst
23.7 x 14.9 cm
LNBZ 1144 Verlegen als künstlerisches Projekt. Verlag Brinkmann & Bose , Berlin 1994
Jacques Derrida, Meine Chancen, Rendez-vous mit einigen epikureischen Stereophonien, 48 Seiten, Satz aus Alte Schwabacher + Caslon Book (Kommentar) Orthografie nach den Regeln für Fraktursatz,gebunden.
Titelei, Impressum und Text in einem Fluss, der Satzspiegel geschlossen bis zur letzten Zeile der letzten Seite. Blattzählung wie bei mittelalterlichen Handschriften mit >fol.<
Prämiert im Wettbewerb „Die schönsten deutschen Bücher“ der Stiftung Buchkunst
23.7 x 14.9 cm
LNBZ 1323 Künstlerbuch,  Veronika Schäpers „Sous le Mers“. Gestaltung, Satz, Druck und Einband: Veronika Schäpers, Tokyo 2007
Durs Grünbein: 26°57,3'N, 142°16,8'E Exemplarnummer 33 von 36. Drei Gedichte von Durs Grünbein. Übersetzung ins Japanische von Yuji Nawata. Buchdruck in Deutsch und Japanisch von Polymerklischees sowie von Vinylmatten in Grau-, Blau-, und Schwarztönen. Gedruckt auf 50 Jahre altem Toshaban-Genshi-Papier. Illustriert mit nautischem Kartenmaterial und wissenschaftlichen Daten zum Architeuthis, die Tsunemi Kubodera vom Tokioter Naturkundemuseum zur Verfügung stellte und damit im September 2004 den ersten Nachweis eines lebendigen Riesenkalmars in freier Natur lieferte. Schrift : Adobe Garamond und Hiragino Mincho.Flexibler Einband aus transparentem Pergament mit Prägung in Schwarz. Box aus 8mm starkem Acryl. 46 Seiten. 24 cm x 45,3 cm. Auflage: 36 arabisch nummerierte und 8 römisch nummerierte Exemplare. Tokyo, 2007.
LNBZ 1323 Künstlerbuch, Veronika Schäpers „Sous le Mers“. Gestaltung, Satz, Druck und Einband: Veronika Schäpers, Tokyo 2007
Durs Grünbein: 26°57,3'N, 142°16,8'E Exemplarnummer 33 von 36. Drei Gedichte von Durs Grünbein. Übersetzung ins Japanische von Yuji Nawata. Buchdruck in Deutsch und Japanisch von Polymerklischees sowie von Vinylmatten in Grau-, Blau-, und Schwarztönen. Gedruckt auf 50 Jahre altem Toshaban-Genshi-Papier. Illustriert mit nautischem Kartenmaterial und wissenschaftlichen Daten zum Architeuthis, die Tsunemi Kubodera vom Tokioter Naturkundemuseum zur Verfügung stellte und damit im September 2004 den ersten Nachweis eines lebendigen Riesenkalmars in freier Natur lieferte. Schrift : Adobe Garamond und Hiragino Mincho.Flexibler Einband aus transparentem Pergament mit Prägung in Schwarz. Box aus 8mm starkem Acryl. 46 Seiten. 24 cm x 45,3 cm. Auflage: 36 arabisch nummerierte und 8 römisch nummerierte Exemplare. Tokyo, 2007.
Weitere Sammlungsbeispiele