In Bildern sammeln lässt sich Vieles

Abb. 1 || Hohenzollern-Album, um 1915, Inv.-Nr. SLUB/DF 2001.B.2 || Sammelalbum mit Postkarten-Porträts von Mitgliedern des Hauses Hohenzollern
Abb. 1 || Hohenzollern-Album, um 1915, Inv.-Nr. SLUB/DF 2001.B.2 || Sammelalbum mit Postkarten-Porträts von Mitgliedern des Hauses Hohenzollern

Fotografische Sammelalben verdanken ihre Herkunft dem sogenannten »Album Amicorum« oder Freundschaftsalbum, in dem seit dem 16. Jahrhundert die Erinnerung an Gleichgesinnte und Freunde mittels gegenseitiger Eintragungen bewahrt wurde und in dem auch Autographe prominenter Zeitgenossen Aufnahme fanden. Daraus entwickelten sich im Laufe der Zeit abgewandelte Formen wie insbesondere das Poesiealbum oder das Gästebuch. Jede Form hatte dabei ihren zeitlichen Höhepunkt. Das klassische Foto-Album bildete sich, im Anschluss an die Erfindung des neuen Mediums Fotografie, seit etwa 1860 heraus.

Ließ sich bis dahin der Wunsch nach Porträts von Freunden, Verwandten oder prominenten Persönlichkeiten nur mit gemalten und gezeichneten Darstellungen sowie den lange beliebten Scherenschnittporträts erfüllen, so machte die aufkommende Verbreitung des Visitfotos um 1860 diese wechselseitigen Gaben viel einfacher, dazu vergleichsweise preiswert und zudem nach Belieben oft wiederholbar. In gewisser Weise lebte in den Freundschaftsalben der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das »Freundschaftsbild der Romantik« weiter, in welchen sich Künstler mit Bildnissen als Zeichen ihrer Freundschaft gegenseitig bedachten, nur tritt der Fotograf jetzt als professioneller Mittler bei einem solchen Anliegen auf. Der alte Gedanke, Gleichgesinnte oder Gleichgestellte in einer eigens erstellten Porträtgalerie zu vereinen, findet sich nun etwa in den oft prachtvollen Burschenschafts-Alben wieder. Daneben aber vertrieben die vielerorts etablierten Fotoateliers bald auch reproduzierte Porträts von namhaften historischen Persönlichkeiten sowie Aufnahmen von Zeitgenossen aus gehobenen gesellschaftlichen Schichten oder mit außergewöhnlicher Profession. So konnte man sich nach Wunsch und Geschmack einen eigenen geistigen Kosmos mit den entsprechenden Bildnissen zusammenstellen. 

Abb. 2 || Ramses. Filmbilder. Album 3, um 1930, Inv.-Nr. SLUB/DF 2009.D.14 || Albumseite mit Szene aus dem Boston-Film "Ich will nicht wissen, wer Du bist" mit Liane Haid und Gustav Fröhlich.
Abb. 2 || Ramses. Filmbilder. Album 3, um 1930, Inv.-Nr. SLUB/DF 2009.D.14 || Albumseite mit Szene aus dem Boston-Film "Ich will nicht wissen, wer Du bist" mit Liane Haid und Gustav Fröhlich.

Die Leidenschaft am Leben der Anderen, und dabei insbesondere berühmter Künstler, royaler Häupter, erfolgreicher Sportler oder den Stars von Film und Fernsehen, die sich bis in die Gegenwart erhalten hat, fand zunächst besonders in den Postkartenalben ihren Niederschlag. Um 1900 hatte die Postkarte sich auch dank der Nutzung neuer Druckverfahren in großem Umfang durchgesetzt (Abb. 1, Katalogeintrag).

Die sogenannten Zigarettenbilder-Alben beförderten als kommerzielle Sonderform das Bestreben nach Vollständigkeit derartiger Sammlungen. Die Herausgeber dieser Alben, zumeist Zigarettenhersteller, nutzten die Sammelleidenschaft ihrer Kunden, um mit der attraktiven Zugabe der Bilder die eigenen Produkte besser zu verkaufen (Abb. 2, Katalogeintrag). 

Abb. 3 || Fotoalbum Zoologischer Garten Dresden, um 1910, Inv.-Nr. SLUB/DF 2017.D.61 || Albumseite mit Fotografien eines Wärters mit Hund sowie von Zootieren
Abb. 3 || Fotoalbum Zoologischer Garten Dresden, um 1910, Inv.-Nr. SLUB/DF 2017.D.61 || Albumseite mit Fotografien eines Wärters mit Hund sowie von Zootieren

Die Idee des Sammelns von Fotos in Albenform fand rasch eine Auffächerung in verschiedene Spezialgebiete über die anfänglichen Porträtsammlungen hinaus. Im Grunde kann man zu jedem gewünschten Thema Alben anlegen. So entstanden etwa individuelle Sammelalben zu bestimmten Gebieten der Technik, zu Oper und Theater, zu Sport und Kunst, zu Pflanzen und auch bestimmten Tieren. Weder der Fantasie noch dem inhaltlichen Konzept sind dabei schließlich Grenzen gesetzt (Abb. 3).

Anne Spitzer