Boris Groys/Natalia Nikitina

Bestandsbeschreibung

Boris Groys im November 1981, © Francisco Infante
Boris Groys im November 1981, © Francisco Infante

Der Philosoph und Medientheoretiker Boris Groys (1947, Ost-Berlin) war in den 1970er Jahre aktiv in das inoffizielle Kunstgeschehen in der Sowjetunion involviert. 1981 emigriert er mit seiner Ehefrau, der Journalistin Natalia Nikitina (1945, Moskau), aus der Sowjetunion nach Westdeutschland und lebt heute in den USA. Seit den 1990er Jahren ist Groys auch als Kurator mehrere Ausstellungen nonkonformer Künstler*innen und russischer Gegenwartskunst tätig.

Das Fundament des gemeinsamen Archivbestands legen die Manuskripte seiner Bücher, Aufsätze und Essays zum Thema Kunst sowie die Mitschriften seiner Interviews und Vorlesungen aus seiner Lehrtätigkeit an den Universitäten Münster, der Hochschule für Kunst und Design in Karlsruhe und der Akademie der Künste in Wien. Seine frühen Aufsätze wurden in inoffiziellen Samisdat (Selbstverlag)-Zeitschriften wie dem Leningrader Journal Nordpost (Severnaja Pochta) oder dem Almanach "37" veröffentlicht.

Besonders interessant für die Forschung sind die Korrespondenzen des Ehepaars. Neben der Geschäftskorrespondenz Groys‘ in seinen zahlreichen Funktionen an deutschsprachigen Universitäten sind vor allem seine Briefwechsel über verschiedene Aspekte inoffizieller Kunst in der Sowjetunion mit Akteur*innen der inoffiziellen Szenen von Bedeutung, darunter seine philosopische Auseinandersetzung mit der Leningrader Frauenaktivistin Tatiana Goritschewa und seine Dialoge über Kunst mit Ilja Kabakow und einer Reihe weiterer Vertreter des Moskauer Konzeptualismus (Witali Komar, Alexander Melamid, Andrey Monastyrski, Pawel Pepperstein). Bestandteil des Archivs von Boris Groys und Natalia Nikitina sind zudem eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten zur Konzeptkunst und seltene Fotoaufnahmen von Ausstellungen, die mit Boris Groys' kuratorischer Tätigkeit und den Bestrebungen Natalia Nikitinas in Zusammenhang stehen, das Leben inoffizieller Künstler*innen zu dokumentieren.

Unter den Werken Dritter finden sich im Selbstverlag publizierte Schriften von Vertreter des sowjetischen literarischen Underground wie Wladimir Alejnikow, Wiktor Krivulin, Alexander Mironow und Lew Rubinstein.