Offenbach | Klingspor Museum

Künstlerbuch im Klingspor Museum

Klingspor Museum (Büsing Palais), 2012
Foto: Museum
Klingspor Museum (Büsing Palais), 2012
Foto: Museum

Das Klingspor Museum Offenbach ist ein Schriftmuseum, auf der Basis der Schriftproben, die in der Schriftgießerei Gebrüder Klingspor zwischen Ende des 19. Jh. und den 50er Jahren entstanden. Und viele vergleichbare Proben anderer Gießereien ergänzen diese Sammlung. Doch das Verhältnis zum speziell ausgestatteten Buch, war ebenso ausgeprägt, bei Karl Klingspor wie bei Rudolf Koch, seinem engen Vertrauten als künstlerischem Leiter des Betriebs. Die Privatbibliothek Klingspors sowie die Unikatbücher Kochs, mit mehr und weniger ornamental und bildlich ausgestatteten Textschriften (meist Bibelstellen) können als Grundlage dafür gesehen werden, dass die Sammlung des Klingspor Museums auf das Gebiet des Künstlerbuchs gleichsam „vorbereitet“ war. Den Übergang zwischen Pressendruck und Künstlerbuch macht die Sammlung speziell an den Büchern von Wilhelm Neufeld, von HAP Grieshaber und den Drucken von V.O. Stomps fest. Wichtige Protagonisten jener Bücher, die sich aus dem inhaltlichen wie gestalterischen Korsett eines Kleinverlags oder einer Handpresse lösten, und das visuell Stimulierende von Schrift-und Bildgestalt zu einer dynamischen Symbiose – ganz und gar im Duktus einer künstlerischen Arbeit – verbanden, stammen aus dem lokalen Umfeld Offenbachs und des Rhein-Main-Gebiets. Schon in den frühen 60er Jahren aktivierten Bernhard Jäger und Thomas Bayrle ihre Gulliverpresse, die Patio-Presse in Neu-Isenburg war Triebfeder der Bewegung zum Künstlerbuch ebenso wie die Schüler Wilhelm Neufelds, Peter Malutzki, Manfred Prochotta und Heidi Hübner-Prochotta, die als FlugBlatt-Presse ihre Studienerfahrungen bei Neufeld und dem Typografen Hans-Peter Willberg zuerst in Flugblätter, dann in Bücher übersetzten. Ihr Werk ist ebenso umfassend im Klingspor Museum aufgenommen wie das der Edition Despalles (Mainz, Paris) des gleichfalls in Mainz ansässigen Robert Schwarz oder der von der HfG Offenbach aus gestarteten Künstlerinnengruppe Unica T. Von den ehemals sechs Künstlerinnen sind vier weiterhin einflussreiche Kräfte der Künstlerbuchszene.

Ausstellung: Inselbücherei. Künstlerbücher aus der Sammlung Julia Vermes, Basel
Foto: Museum
Ausstellung: Inselbücherei. Künstlerbücher aus der Sammlung Julia Vermes, Basel
Foto: Museum

Einen wichtigen Part des Künstlerbuchs nimmt das Unikatbuch ein. Paul Stein, ebenfalls Schüler bei Neufeld in Mainz, fasste seine diversen Beobachtungen, Bemerkungen und Kurzgeschichten von grafischen Notationen und Zeichnungen unterschiedlichster Sujets in ein Konvolut von 90 „SkizzBüchern“, die soeben von der Universität Gießen für wertvoll genug befunden wurden, um sie komplett zu digitalisieren. – Ein erheblicher Akzent der Sammlung ist dem offenen Blick des Museumsleiters Christian Scheffler für das Buchschaffen in der ehemaligen DDR zu verdanken. Wichtige Akteure in Berlin, Dresden, Leipzig sind mit ihrem Schaffen in der Offenbacher Sammlung ansässig geworden. Guillermo Deisler, Uwe Warnke, Thomas Günther, Helge Leiberg, Henry Günther, Christiane Baumgartner und Sabine Golde (Carivari) – das unvergleichliche und unvergleichlich umfassend in Offenbach gesammelte Malerbuchwerk (Unikate) von Ottfried Zielke –markieren ältere und jüngere Positionen des Künstlerbuchs. Eng mit dem Museum verbunden ist Barbara Fahrner, von der ebenso Unikate in der Sammlung zu finden sind wie von Burgi Kühnemann und der aus der Architektur ins Buch gemündeten Corinna Krebber. Ihre Bücher sind oftmals Objekte und immer dem Text verbunden. Für viele weitere Künstler, auch internationale – zuletzt kamen drei hochpolitische Unikate der Chilenin Maria Veronica San Martin ins Haus – sei nur noch ein Name genannt: Anton Würth. In Offenbach wohnhaft, ebenso in New York wie in japanischen Klöstern zuhause, weist die Kupfersticharbeit des Künstlers immer neue Carnets und Bücher aus, die – dem französischen Poststrukturalismus verbunden – von einer dezidierten Befragung des Prinzips Linie zwischen Ornament und Buchstabe gezeichnet sind. Nachtrag: Von Craig Leonard aus Halifax mit amerikanischen artist books konfrontiert, schufen Offenbacher Studierende im Lauf eines Wochenkurses ihre Reprisen zu den Vorläufern. Sie wurden im Klingspor Museum gezeigt und für die Sammlung erworben (2016).

Sammlungsbeispiele

Corinna Krebber, Zwischen Weite und Enge 
(zu Schriftinstallation im Hof des Museums), Unikatbücher 2012  
Foto: Museum
Corinna Krebber, Zwischen Weite und Enge
(zu Schriftinstallation im Hof des Museums), Unikatbücher 2012
Foto: Museum
Ausstellung. Anton Würth – Buch, 2008  Foto: Museum
Ausstellung. Anton Würth – Buch, 2008 Foto: Museum
Sammlungsbeispiele