Biographische Skizze

H. wurde in eine pietistische Kleinbürgerfamilie geboren. Zeitlebens quälte ihn eine Augenkrankheit, so dass eine geisteswissenschaftliche Laufbahn anfangs fraglich schien. Die Gelegenheit zur Emanzipation aus den engen Verhältnissen Mohrungens kam, als sich ein russischer Regimentschirurg erbot, H. in Königsberg zum Chirurgen auszubilden. Die mangelnde Eignung für diesen Beruf rasch einsehend, schrieb sich H. 1762 an der theologischen Fakultät ein. Goethe, den er 1770 in Straßburg kennen gelernt hatte, verschaffte ihm 1776 in Weimar eine Stellung als Generalsuperintendent, nachdem H. seinen Unterhalt bis dahin als Lehrer in Königsberg und Riga, als Reiseprediger in Hollstein-Eutinischen Diensten und als Konsistorialrat in Bückeburg verdient hatte. Zwei Rufe an die Universität Göttingen lehnte H. ab.

 

Biographische Links

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* 25.8.1744 in Mohrungen (Morąg, Polen); † 18.12.1803 in Weimar

Theologe, Dichter, Dramatiker, Kultur- und Geschichtsphilosoph, Ästhetiker, Übersetzer, Herzgl. Sachsen-Weimarischer Generalsuperintendent, Oberkonsistorialrat, Oberhofprediger

 

J. G. v. Herder war in engerem Sinne kein Kunsthistoriker. Als Ästhetiker und Kunst- und Kulturphilosoph berührte er aber in verschiedenen Schriften Gegenstände der bildenden Kunst und setzte sich kritisch mit aktuellen Publikationen zur Ästhetik auseinander: Er bezog Position im sogenannten Laokoon-Streit, prangerte im nicht publizierten „Vierten kritischen Wäldchen“ anlässlich von F. J. Riedels „Theorie der schönen Künste und Wissenschaften“ (1767) die Bücherweisheit an, die der wirklichen Kunstkenntnis entbehre, und war mit der Preisschrift „Denkmal Johann Winkelmanns“, die er 1778 bei der ‚Casseler Gesellschaft der Altertümer’ einreichte, einer der ersten, der Winckelmanns normatives Geschichtsbild grundsätzlich in Frage stellte. Herder führte in dieser – erst posthum 1882 publizierten – Schrift den Nachweis, dass auch die Kunst der Griechen Fremdeinflüssen unterlag und akzentuierte die Kategorie der ‚Geschichte’ in der Kunsthistoriographie gegenüber deren Bedeutung als Lehrgebäude. Methodisch folgenreich ist die Differenzierung von Künstlerliteratur und wissenschaftlicher Kunstliteratur. In der Schrift „Plastik“ vollzieht er eine Abkehr vom Idealbegriff des Kunstschönen, indem er Schönheit als inhärente Qualität des individuellen Kunstwerks sieht und mit dem als Tastsinn aufgefassten „Gefühl“ eine adäquate Anschauungsform einführte. J. W. v. Goethes für die Romantik so bedeutendem Aufsatz „Von deutscher Baukunst“ sicherte Herder eine breitere Leserschaft, indem er ihn in sein Bändchen „Von deutscher Art und Kunst“ (1773) aufnahm. (S.E.)

 

 

 JOHANN GOTTFRIED VON HERDER – DIGITAL

 

Herder, Johann Gottfried von

Plastik. Einige Wahrnehmungen über Form und Gestalt aus Pygmalions bildendem Traume

Riga, 1778

[persistente URL: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/herder1778]

 

 

 

Weiterführende Literatur

Literatur von Johann Gottfried von Herder in der Deutschen Nationalbibliothek

 

Literatur von und über Johann Gottfried von Herder im Katalog SSG Kunstgeschichte Heidelberg

 

Literatur von und über Johann Gottfried Herder im Fachverbund Florenz - München - Rom

 

Digitalisierte Literatur von und über Sulpiz Boisserée in Google Buchsuche

 

 

 

Editorische Angaben