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Rekonstruktion des Salomonischen Tempels zu Jerusalem. Christian van Adrichom: JERVSALEM et suburbia eius, sicut tempore Christi floruit..., Köln 1584. |
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Balthasar Neumann: Idealisierte Vogelschau von Würzburg, 1722/23. |
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Frank O. Gehry: 'Fred and Ginger', Prag, 1992-96. (Foto: Daniel van der Ree, public domain) |
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Daniel Libeskind: Jüdisches Museum, Berlin, 1989-99 (Foto: Manfred Brückels, 2005) |
Vom antiken Tempel bis zum World Trade Center: Architektur als Bedeutungsträger
Eigentlich bedarf es keiner komplizierten Theorie, um nachvollziehen zu können, dass es sich beim Bauen und dessen Resultat, der Architektur, um einen bedeutungsbehafteten, semantisch aufgeladenen Vorgang handelt.
Bei diesem Vorgang werden sowohl über den eigentlichen Prozess des Bauens und der damit verbundenen Inbesitznahme eines Areals oder Territoriums als auch durch die eigentliche Gestalt und Formgebung des Gebäudes Wirkungen in den öffentlichen Raum hinein entfaltet oder sogar Botschaften an ein bestimmtes Publikum adressiert. Schon ein antiker Tempel war mehr als nur eine harmonische Form oder ein funktional auf den Kult abgestimmtes Gehäuse.
Ganz diesem semantischen Verständnis gegenüber repräsentativer Baukunst verpflichtet, schreibt bereits Alberti 1435 in seiner „Vorrede“ zu den „Zehn Büchern über die Baukunst“: „Wieviel aber die Baukunst zum Ansehen des Latinischen Reiches und Namens beigetragen habe, darüber will ich nicht mehr sagen, als dass ich aus Grabstätten und Überbleibseln der alten Herrlichkeit, die wir überall sehen, vieles den Geschichtsschreibern zu glauben gelernt habe, was vielleicht sonst mir weniger glaublich schiene.“ Mit dem griechischen Historiographen Thukydides billigt Alberti sodann „die Klugheit der Alten, die ihre Stadt mit jeder Art von Gebäuden derart ausschmückten, dass sie weit mächtiger schienen, als sie waren“.[1]
Trotz dieser bis in das Altertum zurückreichenden Tradition einer Wertschätzung der medialen Qualitäten von Architektur hat sich die Architekturgeschichte als akademische Disziplin lange Zeit eher mit Fragestellungen der Entwicklungs-, Typen- und Stilgeschichte befasst sowie mit Untersuchungen zur instrumentellen Funktionalität einzelner Bauaufgaben. In der Vorstellungswelt des allgemeinen Publikums wird Architekturgeschichte immer noch mit Fragen nach stilgeschichtlicher Qualifizierung („welcher Stil ist das?“) oder der Suche nach dem formalen Vorbild („welches Vorbild hatte der Baumeister vor Augen?“) assoziiert.[2]
Dass Kunstwerke ganz allgemein zumindest vor der Autonomisierung der Kunst nach dem Willen ihrer Auftraggeber und Künstler fast immer auch Botschaften transportieren sollten, versteht sich bei näherer Betrachtung fast von selbst. Die Architektur als eine besonders stark funktionsorientierte und auch überaus kostspielige Kunstform konnte und kann sich diesen Erwartungen am allerwenigsten entziehen. Dies gilt in der Gegenwart mehr denn je, pflegen doch Architekten wie Frank Gehry, Norman Foster, Zaha Hadid oder Daniel Libeskind ganz bewusst das Selbstverständnis von ‚gebildeten‘, reflektierenden Baumeistern, deren Gebäude von einer politischen, religiösen, philosophischen oder ganz allgemein „gedächtnisstiftenden“ Aussagekraft bestimmt werden.[3]
Ganz aktuell wurde das Thema der Architektur als Medium auf durchaus makabere Weise durch die Terroranschläge des 11. September 2001 auf das New Yorker World Trade Center. So wie die Zwillingstürme in den Augen der islamistischen Terroristen visuelle Zeichen und Gedächtnismale für die wirtschaftliche und technische Überlegenheit der Weltmacht USA verkörperten, so werden jetzt ihre Nachfolger – im Zuge des Wiederaufbaus nach Plänen unter anderem von Libeskind – zu Erinnerungsarchitekturen für die Opfer des Anschlags und die Unbesiegbarkeit der amerikanischen Zivilgesellschaft erhoben.
Die Geschehnisse um den 11. September zeigen zudem, dass Architektur nicht nur durch sich selbst mediale Funktionen ausüben kann, sondern dass sie sich auch sehr gut dazu eignet, den Inhalt anderer Medien abzugeben. Dies vor allem in Verbindung mit Bildern von Bauten; wir alle kennen die zahllosen Filmsequenzen mit dem Einsturz der Türme. Auch dieses Portal käme wohl kaum ohne Bilder aus. Architektur als Medium zu verstehen, legt es deshalb nahe, auch Untersuchungen zur Repräsentation von Bauten in Entwurfszeichnungen, Veduten oder Fotografien in den Blick zu nehmen und deren jeweils spezifisch medialen Zugang zu Architektur bewusst zu halten.
Architektur als Gegenstand interdisziplinärer Forschungen und pluralistischer Methodenansätze – ein Desiderat der Kunstwissenschaft
Trotz aller dieser Indizien für die Rolle von Architektur als Medium und im (Bild-)Medium haben die Herausgeber und Redakteure dieses Forums in ihrer eigenen, vor allem in der Kunstwissenschaft verankerten Arbeit häufig die Erfahrung gemacht, dass vorhandene Forschungsergebnisse zu diesem Thema oft vereinzelt stehen bleiben und eine Synthese selbst in Ansätzen unterbleibt. Auch fehlt zumeist der intensive Dialog mit relevanten Nachbarwissenschaften wie Medien- und Kommunikationswissenschaften, Semiotik, Archäologie, Soziologie, Psychologie, Geschichte oder Philosophie. Nicht zuletzt wird gar innerhalb des eigenen Faches, der Kunstgeschichte, der systematische Gedankenaustausch mit neueren Richtungen wie der Bildwissenschaft versäumt.
Über die Ursachen dieser Defizite können nur Mutmaßungen angestellt werden: Wichtige Nachbardisziplinen wie Mediengeschichte und Kommunikationsforschung, oder methodische Ansätze, wie sie Ikonologie und Bildwissenschaft entwickelt haben, sind nicht nur relativ jung, sondern zumeist auch in deutlich wahrnehmbarem Abstand zur Architektur groß geworden. So fällt auf, dass in einschlägigen Mediengeschichten und Medientheorien immer dort, wo über den Bereich der modernen Massenmedien hinausgegangen wird, zwar Sprache, Manuskripte, Boten und sogar Narren in den Blick treten, kaum jemals aber Bauten.[4] Entwicklung wird hier offenbar in der Regel eher linear gedacht und zu sehr an so genannten Leitmedien einer Epoche – Sprache, Schrift, Buch etc. – ausgerichtet.
Es sind wahrscheinlich hier wie überall die eingefahrenen Gleise des disziplinären Alltags, die bestimmte Untersuchungsgegenstände bevorzugen und andere erst gar nicht in das Blickfeld treten lassen. Damit verbunden ist eine nach wie vor zunehmende Spezialisierung, welche die einst von Humboldt zum Ideal erhobenen und entsprechend trainierten Fähigkeiten zum komplexen, gattungs- und epochenübergreifenden wissenschaftlichen Denken selbst dort, wo sie eigentlich unverzichtbar sind, in den Kultur- und Geisteswissenschaften, weiter verkümmern lassen.
Architektur als Thema der Bildwissenschaft?
Ähnliches ist auch in den aktuellen Diskussionen um die Bildwissenschaft zu beobachten. Oft scheint es so, als wäre es hier vor allem die Zweidimensionalität, wie sie die klassischen ‚Bildmedien‘ (vom gemalten Tafelbild bis zum digitalen Computerbild) bieten, die als Referenzqualität herhalten muss.
Dreidimensionale Konfigurationen wie Bauten, Plastiken oder auch ephemere Ausstellungsarchitekturen, Gärten oder Landschaftsensembles werden eher selten in den Blick genommen, obwohl sie nicht nur zweifelsfrei Objekte der visual culture und ihrer studies sind (wie die angelsächsischen Wurzeln der Bildwissenschaft adäquater lauten), sondern auch den gängigen deutschsprachigen Bilddefinitionen vollkommen entsprechen.[5]
Alleine eine Vielzahl von verbindenden Problemstellungen (von der mnemotechnischen Bedeutung räumlicher Konzepte über Fragen der Materialästhetik bis hin zu den Herausforderungen von Erinnerungskultur oder einer Darstellbarkeit von Transzendenz und Immanenz) belegt nachdrücklich das Vorhandensein einer gemeinsamen Metaebene, auf der sich Bau- und Bildkünste als Schwesterkünste erweisen.
Wenn gegenüber dieser Tatsache der wissenschaftliche Diskurs nun merklich zurücksteht, sollte verstärkt nach Möglichkeiten gesucht werden, die auf verschiedenen Seiten erkennbar vorhandenen Berührungsängste abzubauen und gegenseitiges Wissen wesentlich stärker als bisher fruchtbar zu verknüpfen. Auch diesem Ziel soll das Forum dienen.
Architektur als Medium – doch was ist ein Medium? Überlegungen zu einem schillernden Begriff
Wurde bislang so argumentiert, als wäre offensichtlich, was ein „Medium“ sei, muss diese Gewissheit allerdings sogleich irritiert werden. Die Antworten auf die Frage, was überhaupt ein „Medium“ oder was „Medien“ seien, füllen mittlerweile Bibliotheken.[6] Der Begriff „Medium“ hat seit der Antike eine schillernde Geschichte, mit zuweilen unscharfen Konturen, vergessenen Referenzen und Dehnungen, so in der antiken Aisthesislehre, der mittelalterlichen Optik, in der romantischen Ästhetik wie in Physik, Theologie, Psychologie und insbesondere in der Parapsychologie.[7] All das, was schon mit einer gewissen Berechtigung als „Medium“ bezeichnet worden ist, weil es, abgeleitet vom griechischen Wort „méson“, in irgendeinem Sinn den etymologischen Bedeutungsgehalt „Mitte“, „Mittel“ oder „Mittler“ umspielt, lässt sich kaum auf eine einheitliche Bedeutung festlegen.
Um eine Vorstellung vom hochdifferenzierten Pluralismus historischer und gegenwärtiger Medientheorien zu geben, seien nur die Kapitel eines einschlägigen Sammelbandes jüngeren Datums aufgezählt, der das gesamte Spektrum in technische, ökonomische, kritische, semiotische, kulturwissenschaftliche, konstruktivistische, systemlogische, feministische, psychoanalytische, poststrukturalistische und schließlich philosophische Medientheorien unterteilt.[8] So bleibt einzig das medientheoretische Axiom, „daß es keine Medien gibt, keine Medien jedenfalls in einem substanziellen und historisch dauerhaften Sinn“[9]. Was Medien sind und tun, wie sie funktionieren und welche Effekte sie hervorbringen wie auch der Begriff des Mediums selbst lassen sich nicht auf eine elementare Definition zurückführen. Medien sind nicht auf eine bestimmte Technologie (etwa Buchdruck oder Elektrizität), nicht auf bestimmte Geräte oder Maschinen (wie etwa Teleskop, Telegraph oder Telephon), nicht auf symbolische Formen (etwa Perspektive in der Malerei), nicht auf Gattungen im weitesten Sinn (Literatur oder Film), nicht auf eine Institution (Theater), nicht auf eine soziale Funktion (etwa Massenaufklärung), nicht auf Praktiken (Malen oder Morsen), Materialitäten (beispielsweise Backstein) oder bestimmte Symboliken (alphanumerischer Code) reduzierbar und doch in all dem virulent.
Alle diese Momente spielen in den Medienbegriff hinein, reichen aber nicht hin, Begriff und Funktion von Medien an sich zu definieren. Somit lassen sich selbige nur als ein fallweise spezifisches Zusammentreten jener heterogenen Momente begreifen, und dieses Zusammentreffen entscheidet über die jeweilige Ausprägung einer Medienfunktion, die sich eher in historischen Einzelanalysen als unter der Voraussetzung von Beständigkeit und Allgemeingültigkeit festhalten und beschreiben lässt.[10] Mit Blick auf die Architektur als Medium gilt es dementsprechend zu versuchen, solche historisch singulären Konstellationen zumindest in Ansätzen freizupräparieren.
Dabei teilen die Initiatoren des Forums die mit Marshall McLuhan prominent gewordene Einschätzung, dass Medien „stark“ sind – nicht also auf eine lediglich instrumentelle Dimension im Rahmen einer Mittel-Zweck-Relation verweisen und keinesfalls gegenüber dem zu Übertragenden bloß neutral, sinnindifferent und passive Werkzeuge oder Vehikel sind. Während ein Instrument oder Werkzeug[11] nach seinem Gebrauch zurückgelassen wird und der zu bearbeitenden Sache äußerlich bleibt, so ist eine Botschaft von einem Medium so durchdrungen, dass sie außerhalb desselben überhaupt nicht zu existieren vermag: „Auf ein Instrument findet man sich verwiesen, seiner bedient man sich; und was mit ihm bearbeitet wird, hat eine vom Werkzeug durchaus ablösbare Existenz.
An ein Medium dagegen ist man gebunden, in ihm bewegt man sich; und was in einem Medium vorliegt, kann vielleicht in einem anderen Medium, nicht aber gänzlich ohne Medium gegeben sein. So gibt es keine Sprache jenseits der Rede, der Schrift oder der gestischen Artikulation. Alle Theorien, welche Medien als äußerliche Vehikel und Träger ihrer Botschaften begreifen, verfehlen gerade diese ihre nicht-instrumentelle Dimension: Sie behandeln Medien so, als ob sie Instrumente seien.“[12] Medien, so die Grundannahme, zeichnen sich durch eine eigene, eigensinnige und eigendynamische Dimension aus, durch die sie das zu Übertragende nicht nur transportieren, sondern auch konfigurieren und partiell konstituieren: „Nicht Leistungssteigerung [wie durch Instrumente, die Autoren], sondern Welterzeugung ist der produktive Sinn von Medientechnologien.“[13]
Architektur als Medium - Aufruf zu einer lebendigen Debatte über Fächergrenzen hinweg
Da die Konzepteure des Forums als Kunsthistoriker forschen und lehren, ist ihre Sicht notgedrungen etwas einseitig; Sie kennen sich besser in den dort geführten Debatten aus als in jenen der Medien- oder Kommunikationswissenschaft. Solche fachbedingten Einschränkungen sollen aber auf keinen Fall Programm und Spektrum des Forums beschneiden. Im Gegenteil: Die verantwortlichen Redakteure würden sich sehr freuen, wenn sich auch Vertreterinnen und Vertreter anderer Fachrichtungen rege zu Wort meldeten und – neben der Ausarbeitung von inhaltlichen Statements – nicht zuletzt ihr Wissen um weitere Aktivitäten, Veröffentlichungen oder Internetressourcen einem breiten Publikum zur Verfügung stellten.
Besonders jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen mögen sich ermuntert fühlen, auf ihre Arbeiten aufmerksam zu machen. Vielleicht kann ja die solchermaßen in einem Forum gebündelte und angezeigte Information an der einen oder anderen Stelle anregend für innovative Projekte und Forschungsarbeiten sein.
Thomas Hensel / Stephan Hoppe / Matthias Müller im März 2008
[1] Alberti, Leon Battista: Zehn Bücher über die Baukunst. Ins Deutsche übertragen, eingeleitet und mit Anmerkungen und Zeichnungen versehen durch Max Theuer. Wien/Leipzig 1912, S. 13.
[2] Vgl. Philipp, Klaus Jan: Gänsemarsch der Stile. Skizzen zur Geschichte der Architekturgeschichtsschreibung. Stuttgart 1998 - Klein, Bruno; Boerner, Bruno (Hrsg.): Stilfragen zur Kunst des Mittelalters. Eine Einführung. Berlin 2006 - Hoppe, Stephan; Müller, Matthias; Nußbaum, Norbert (Hrsg.): Stil als Bedeutung in der nordalpinen Renaissance. Wiederentdeckung einer methodischen Nachbarschaft. Regensburg 2008.
[3] Siehe hierzu am Beispiel Daniel Libeskinds: Matthias Müller: Daniel Libeskind und das Gedächtnis der Architektur. Zum Verhältnis von Baukunst und Erinnerungskultur. In: Depkat, Volker/Müller, Matthias/Sommer, Andreas (Hrsg.): Wozu Geschichte(n)? Geschichtswissenschaft und Geschichtsphilosophie im Widerstreit. Stuttgart 2004, S. 171-204.
[4] Vgl. etwa Hörisch, Jochen: Eine Geschichte der Medien. Von der Oblate zum Internet. Frankfurt/Main 2001. Vortechnische Bilder sind hier weitgehend auf Kultbilder reduziert, die unter dem Aspekt des Ikonoklasmus charakterisiert werden. Medial umfassender ausgerichtet sind beispielsweise die medienhistorisch argumentierenden Arbeiten des Altgermanisten Horst Wenzel, zum Beispiel: Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Schrift und Bild. Kultur und Gedächtnis im Mittelalter. München 1995.
[5] Vgl. Sachs-Hombach, Klaus: Das Bild als kommunikatives Medium. Elemente einer allgemeinen Bildwissenschaft. 2., leicht verb. Aufl. Köln 2006 - Wiesing, Lambert: Artifizielle Präsenz. Studien zur Philosophie des Bildes. Frankfurt/Main 2005.
[6] Zur Einführung, jeweils mit umfangreichen Literaturangaben, siehe Schulte-Sasse, Jochen: »Medien/medial«, in: Barck, Karlheinz/Fontius, Martin/Schlenstedt, Dieter/ Steinwachs, Burkhart/Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Ästhetische Grundbegriffe. Bd. 4, Stuttgart/Weimar 2000, S. 1-28; sowie Tholen, Georg Christoph: »Medium/Medien«. In: Roesler, Alexander/Stiegler, Bernd (Hrsg.): Grundbegriffe der Medientheorie, Paderborn 2005, S. 150-172.
[7] Siehe Hoffmann, Stefan: Geschichte des Medienbegriffs (Archiv für Begriffsgeschichte, Sonderheft, Jg. 2002). Hamburg 2002.
[8] Siehe Weber, Stefan (Hrsg.): Theorien der Medien. Von der Kulturkritik bis zum Konstruktivismus. Konstanz 2003.
[9] Vogl, Joseph: Medien-Werden: Galileis Fernrohr. In: Archiv für Mediengeschichte. Bd. 1: Mediale Historiographien, 2001, hrsg. von Engell, Lorenz/Vogl, Joseph, S. 115-123, hier: S. 121.
[10] Vgl. Vogl: Medien-Werden, S. 121-123. Siehe zur Unmöglichkeit, die Medienwissenschaft über ihren Zentralbegriff fachlich konsolidieren zu können, Hickethier, Knut: Das ›Medium‹, die ›Medien‹ und die Medienwissenschaft. In: Bohn, Rainer/Müller, Eggo/Ruppert, Rainer (Hrsg.): Ansichten einer künftigen Medienwissenschaft. Berlin 1988, S. 51-74. Auch Régis Debray kommt zu diesem Schluss: „Sagen wir es ohne Umschweife: ‚Das‘ Medium existiert nicht per se, einzigartig und an sich sichtbar. Medium ist ein tückisches Wort. Es bezeichnet in Wirklichkeit mehrere Realitäten unterschiedlicher Natur. Sie widersprechen sich nicht, überlappen sich häufig, lassen sich aber keineswegs in eins setzen. Ein Medium kann bezeichnen: 1. einen allgemeinen Symbolisierungsprozess (gesprochenes Wort, grafisches Zeichen, analoges Bild); 2. einen sozialen Kommunikationscode (die vom Sprecher oder Schreibenden benutzte Sprache); 3. einen physischen Schrift- und Aufbewahrungsträger (Stein, Papyrus, Magnetträger, Mikrofilm, CD-ROM) und 4. ein Verbreitungsdispositiv mit dem entsprechenden Zirkulationsmodus (Manuskript, Buchdruck, Digitalisierung).“ Debray, Régis: Einführung in die Mediologie. Bern/Stuttgart/Wien 2003, S. 47.
[11] Die Begriffe „Instrument“ und „Werkzeug“ werden hier synonym verwendet, in einer umfangreichen Bestimmung: Sie umfassen physische wie auch symbolische technische Artefakte, also sowohl Werkzeuge und Maschinen im herkömmlichen Sinne als auch Denkzeuge wie Algorithmen, Kalküle und formale Sprachen.
[12] Krämer, Sybille: Das Medium als Spur und als Apparat. In: Dies. (Hrsg.): Medien – Computer – Realität. Wirklichkeitsvorstellungen und Neue Medien, Frankfurt a. M. 1998, S. 73-94, hier: S. 83 f. – Dabei kommt dem Medium eine bedingende eigene Mittelbarkeit zu, die von Form oder Inhalt des zu Übertragenden, seiner ‚Botschaft‘, unterschieden und zugleich auf diese bezogen werden muss. So geht ein Medium – und dies gilt auch und gerade für die Architektur – nicht gänzlich in seinen drei grundständigen Funktionen der Speicherung, Übertragung und Verarbeitung von Daten jedweder Art auf, sondern bleibt als eine ‚Spur‘ präsent. Siehe, ohne Bezugnahme auf Architektur, Krämer: Das Medium als Spur und als Apparat; sowie Dies.: Das Medium zwischen Zeichen und Spur. In: Fehrmann, Gisela/Linz, Erika/Epping-Jäger, Cornelia (Hrsg.): Spuren Lektüren. Praktiken des Symbolischen. Festschrift für Ludwig Jäger zum 60. Geburtstag, München 2005, S. 153-166.
[13] Krämer: Das Medium als Spur und als Apparat, S. 85. – Die Unterscheidung zwischen einem instrumentalen und einem medialen Aspekt darf indessen nicht als eine ontologische missverstanden werden, mit deren Hilfe Artefakte sortiert werden könnten in solche, die zur Werkzeuggruppe, und solche, die zur Mediengruppe zählen. Vielmehr kommen beide Aspekte – und zwar bei jedem Artefakt – zusammen, allerdings mit je unterschiedlicher Gewichtung.