Karl V. und François I.

Erhard Schön, König François I. von Frankreich, um 1520, Holzschnitt
Erhard Schön, König François I. von Frankreich, um 1520, Holzschnitt

Die Sforza, die seit 1512 wieder Mailand und die Lombardei regierten, wurden im September 1515 in der Schlacht bei Marignano von dem jungen französischen König François I. besiegt und definitiv aus Mailand vertrieben. Damit erneuerte sich die französische Herrschaft über Oberitalien, die 1516 sowohl von Venedig wie von Spanien-Neapel anerkannt wurde. Auch Leo X., der den Verlust von Parma, Piacenza, Reggio Emilia und Modena für den Kirchenstaat hinnehmen musste, arrangierte sich mit Frankreich. 1516 schloss er mit François I. das Konkordat von Bologna, das dem König das Nominationsrecht für alle in Frankreich zu vergebenden kirchlichen Ämter und Pfründen zugestand. 1518 verheiratete der Papst seinen Neffen Lorenzo de’Medici mit einer französischen Prinzessin. Die Tochter aus dieser Ehe war Katharina de’Medici, die später als Gemahlin König Heinrichs II. eine Epoche der französischen Geschichte wesentlich bestimmen sollte.

Jakob Seisenegger, Bildnis Karls V., 1532, Wien, Kunsthistorisches Museum
Jakob Seisenegger, Bildnis Karls V., 1532, Wien, Kunsthistorisches Museum

1515 wurde Karl, Sohn Philipps des Schönen und Johannas der Wahnsinnigen, Herzog von Burgund. Als er 1517 die Krone der Königreiche Aragon und Kastilien erbte, hatte er auch Anspruch auf das Königreich Neapel. Leo X. sah infolgedessen eine habsburgisch-spanische Suprematie heranwachsen, die für den Kirchenstaat bedrohlich war, weil Karl zugleich der wichtigste Prätendent auf den Thron des deutsch-römischen Reiches war und dadurch Lehensrechte in Oberitalien wieder aktuell werden konnten, die vor dem Hintergrund der garantierten Herrschaft Aragons über Neapel das für den Kirchenstaat so wichtige Gleichgewicht der Mächte bedrohten. Schon vor dem Ableben Kaiser Maximilians I. am 12.1.1519 versuchte der Papst daher, Gegenkandidaten aufzubauen. So unterstützte er mit Nachdruck die Kandidatur des französischen Königs und versuchte, die drei geistlichen Kurfürsten von Trier, Köln und Mainz durch Versprechungen auf seine Seite zu ziehen. Seine zweite Wahl war Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen , den er auch deswegen favorisierte, weil er von ihm erwartete, die lutherische Bewegung im Zaum zu halten. Der Kandidat zeigte jedoch kein Interesse, und seine Aussichten auf Erfolg waren außerdem gering, da ähnlich wie bei der Papstwahl auch bei der Königswahl viel Geld im Spiel war. Als die Wahl zum deutschen König am 28. Juni 1519 in Frankfurt stattfand, wurde einstimmig Karl gewählt, der nun als König von Kastilien, Aragon, Sizilien und Neapel sowie als Herzog von Österreich und Burgund so viele Titel und Würden auf sich vereinte wie kein anderer Herrscher vor ihm. Er hatte seine Wahl aber nicht nur dem Geld der Fugger  zu verdanken, mit dem er sich die Stimmen der Kurfürsten kaufte, sondern auch dem Widerstand der deutschen Kurfürsten gegen den Papst.

zu 7. Albrecht von Brandenburg und die Reformation