Leo X. und die „liberalitas pontificia"

Giulio Romano, Bildnis Papst Leos X., um 1518, Chatsworth, Slg. Duke and Trustees of Leicester
Giulio Romano, Bildnis Papst Leos X., um 1518, Chatsworth, Slg. Duke and Trustees of Leicester

Als Nachfolger wurde einen knappen Monat später Giovanni de’Medici gewählt, der den Namen Leo X. annahm. Im Gegensatz zu den Assoziationen, die der von ihm gewählte Name vielleicht erwecken könnte, war Leo X. keine kämpferische Natur. In dieser Hinsicht war der Kontrast zu seinem Vorgänger beträchtlich. Außerdem war der Ruhm der Medici als Mäzenen von Kunst und Gelehrsamkeit immer noch so gegenwärtig, dass hohe Erwartungen an diesen Papst geknüpft wurden. Agostino Chigi, der Bankier der Kurie, ließ anlässlich der Inbesitznahme des Laterans (Possesso) durch Leo X. eine Ehrenpforte vor seinem Haus errichten, über der das Epigramm zu lesen war: „Einst hat Venus geherrscht, dann kam die Reihe an den Kriegsgott, nun beginnt der Tag, hehre Minerva, für dich.“ Die Liberalitas pontificia, so das Motto einer von Leo X. geprägten Medaille auf die Förderung der Musik und der Dichtkunst, hatte jedoch ihren Preis. Die unter Julius II. gut gefüllten Kassen der Kirche und angeblich auch seine private Schatulle waren beim Tode Leos X. im Jahr 1521 leer. Während seines Pontifikates hat er vier Millionen und 500.000 Dukaten ausgegeben. Dafür sollte sein Pontifikat als goldenes Zeitalter der Musen in die Geschichte eingehen.

Mit der Wahl Leos X. war eine neue Situation eingetreten, da er als Erbe der Medici einer der reichsten Männer Italiens war und mit Florenz als „Hausmacht“ einen stärkeren politischen Rückhalt besaß als je zuvor ein Papst: „Der neue Papst musste nicht einen seiner Nepoten damit beauftragen, das Territorium des Kirchenstaates zu erobern, da er mit der Republik Florenz selber über eine beträchtliche Hausmacht verfügte. Allerdings waren auch nach der Rückkehr der Medici die Verhältnisse nicht so, dass man Leo X. als Herzog von Florenz bezeichnen könnte. Es war ein noch viel komplizierteres System als zu Lorenzos Zeiten“ [Aretin 1983,65]. Auch dieser Papst hat seinen Tribut an den Nepotismus entrichtet. Er ernannte seinen Cousin Giulio de’Medici, den illegitimen Sohn des 1478 in der Pazzi-Verschwörung ermordeten Giuliano de’Medici, zum Erzbischof von Florenz, nachdem er ihn legitimiert hatte.

zu 5. Florenz im Kreuzfeuer der europäischen Mächte