Zur Vorgeschichte des Neubaus von St. Peter

Rekonstruktion des Erweiterungsprojektes von Alt-St. Peter unter Nikolaus V., 1451
Rekonstruktion des Erweiterungsprojektes von Alt-St. Peter unter Nikolaus V., 1451

Die Idee zum Neubau der Basilika ging, so wird heute angenommen, von dem Wunsch Julius II. aus, sich bei Lebzeiten ein Grabmal errichten zu lassen, das eine prominente Stelle in der Kirche einnehmen sollte, die über der Grabstätte des Apostels Petrus errichtet worden war >L.XII.1 . Julius II. ersuchte  Bramante um einen Vorschlag, der die Vorgaben von Michelangelos Entwurf  berücksichtigen sollte. Er wurde zum Auslöser für den Entschluss zum Neubau, den Julius II. fasste, während sich Michelangelo im Sommer 1505 in Carrara aufhielt, um dort die Marmorblöcke für das Grabmal auszusuchen und zu bossieren.Über dieses erste Projekt, das bildlich nicht dokumentiert ist, berichtet Egidio da Viterbo, dass es eine Drehung der Längsachse der Kirche um 90° vorsah. Der gewestete Bau der konstantinischen Basilika wäre auf diese Weise zum Querhaus des Neubaus geworden, was es ermöglicht hätte, die heilige Stätte des Petrusgrabes zu erhalten, die Julius II. nicht antasten wollte und die sich vor dem Rossellino-Chor befand. Der eigentliche Grund für diese Idee war nach derselben Quelle die Position des Obelisken, der auf der Südseite der alten Basilika stand und in dessen Spitze angeblich die Asche von Julius Caesar bestattet war. Möglicherweise hoffte Bramante, den Papst, der sich selbst als IVLIVS CAESAR PONT. II bezeichnete, mit der Ausrichtung des Neubaus auf den Obelisken für sein Projekt zu gewinnen . Nach Egidio da Viterbo reagierte Julius II. jedoch zunächst ablehnend und erklärte, er werde „das Geweihte über das Profane, Gottesfurcht über äußeren Glanz und Frömmigkeit über Zierde stellen, denn es stehe nicht geschrieben, das Grabmal (des hl. Petrus) soll in den Tempel gesetzt, sondern der Tempel um die Grabstätte gebaut werden.“ Aus dieser Aussage ist zu folgern, dass bereits Bramantes erstes Projekt nicht konform mit dem zuvor gefassten Beschluss war, den Chorbau von Nikolaus V. so mit dem frühchristlichen Bau zu verbinden, dass er das Juliusgrab aufnehmen konnte. Bramantes Vorschlag wurde zum Auslöser für den Entschluss zum Neubau, den Julius II. fasste, während sich Michelangelo im Sommer 1505 in Carrara aufhielt, um dort die Marmorblöcke für das Grabmal auszusuchen und zu bossieren.

Ab 1508  war das Interesse Julius II. an der Realisierung des Grabmals nicht mehr vorrangig >L.XII.1. Er hielt jedoch an der Unantastbarkeit des Petrusgrabes in der Apsis von Alt-St. Peter und an der Idee fest, sein Grabmal in dem unter Nikolaus V. errichteten  Chor zu platzieren, den er erhalten wollte, obwohl seine Proportionen nicht mit denen des zentralen Kuppelquadrats harmonierten. Dies – so die These von Satzinger – implizierte die Abwendung von Bramantes ursprünglich konzipierten Zentralbauprojekt zugunsten des kompositen Bauschemas: „Wenn sich anfangs das durch die geplante Grablege wohl ausgelöste, umfassende Neubauprojekt für St. Peter gegen die Ausführung des Grabmals gerichtet hatte, so wandte sich jetzt der Wunsch nach dem Mausoleum wiederum gegen die Vollkommenheit des geplanten Neubaus.“

zu 7. Die Ausführung des Bramante-Projekts