Die Ausführung des Bramante-Projekts

Marten van Heemskerck, Blick von Norden in die Vierung von St. Peter mit dem Tegurium Bramantes in Seitenansicht
1532-1536, Stockholm, Nationalmuseum
Marten van Heemskerck, Blick von Norden in die Vierung von St. Peter mit dem Tegurium Bramantes in Seitenansicht
1532-1536, Stockholm, Nationalmuseum
Marten van Heemskerk, Das Tegurium Bramantes, Römisches Skizzenbuch, 1532-1536, Berlin, Kupferstichkabinett
Marten van Heemskerk, Das Tegurium Bramantes, Römisches Skizzenbuch, 1532-1536, Berlin, Kupferstichkabinett

In den ersten Jahren nach der Grundsteinlegung kam der Bau aus verschiedenen Gründen nicht in dem Maße voran, wie sich Bramante das gewünscht hatte. Der entscheidende Grund dafür war die Finanzierung, die durch einen universalen Ablass garantiert werden sollte, den Julius II. 1507 verkündet hatte. Zwischen Mai 1511 und März 1512 überwies Jakob Fugger zwar 22 000 Ablassdukaten nach Rom, aber davon gingen nur 800 in den Neubau, an dem damals nur 250 Arbeiter tätig waren. Nach der Fertigstellung der Vierungspfeiler (1511) und der Scheidbögen forcierte Julius II. die Errichtung des Chores, der abweichend von Bramantes ursprünglicher Idee nun auf den Fundamenten des sogenannten Rossellino-Chores >L.VII.2 errichtet wurde, so dass die Umgänge der Querarme aufgegeben werden sollten. Auch die Hauptchorkapelle, die nun als Cappela Iulia bezeichnet wurde, war fertiggestellt . Nach dem Tod Julius' II. (21. 2. 1513) bestand Leo X. darauf, dass der Petrusaltar, der nach dem Abriss der Apsis von Alt-St. Peter schutzlos der Witterung ausgesetzt war, ein Gehäuse erhielt. Bramante errichtete daher einen Schutzbau, das sogen. tegurium (von tectum = Dach), das zu Ostern 1514 vollendet war. Die Gestalt dieses später abgerissenen Gebäudes ist durch mehrere Zeichnungen aus der Mitte des Jahrhunderts überliefert. In seiner Außengliederung mit einer toskanischen Ordnung und den an den Ecken mit Doppelsäulen versehenen Pfeilerarkaden lässt sich eines der Leitmotive Bramantes erkennen.

Zahlreiche Zeichnungen und Veduten dokumentieren den schleppenden Fortgang der Baugeschichte von St. Peter im Verlauf des 16. Jahrhunderts. Ohne dieses Bildmaterial wäre es für die Forschung schwierig gewesen, die Baugeschichte zu rekonstruieren, da die komplexe Planungsgeschichte widerspruchsvoll und chronologisch nicht eindeutig ist. Die weißen Stellen zwischen Planung und Realität werden teilweise durch Skizzen geschlossen, die von Künstlern des Nordens aufgenommen wurde. Besonders Marten von Heemskerck hat während seines Romaufenthaltes (1532-1536) zahlreiche Ansichten der imposanten Bauruine gefertigt, die nach dem Sacco di Roma (1527) als verrottete Baustelle erschien und von der Vegetation wieder überwuchert wurde. Die Vierung, die sich über einem unüberschaubaren Konglomerat von aufgegebenen, angefangenen und noch benutzten Bauten erhob, zog die Aufmerksamkeit der Künstler kaum weniger an als die antiken Ruinen des Palatin . Inwieweit sie die Ruine vor dem Hintergrund des inzwischen vollzogenen Bruchs der Einheit der Christenheit auch als ein Symbol des Niedergangs der römischen Kirche und der Vermessenheit sahen, ist nicht belegt, liegt aufgrund einiger Motive in Heemskercks Zeichnungen aber durchaus nahe .

zu 8. Planänderungen nach Bramantes Tod