Anton Springer (1825-1891)

Biografische Skizze

*13.7.1825 in Prag; † 31.5.1891 in Leipzig
Kunsthistoriker; Ordinarius für Kunstgeschichte; Historiker; Publizist

Von 1841 bis 1846 studierte S. Geschichte und Philosophie in Prag. 1847 wurde er in Tübingen mit einer Arbeit zur Geschichtsanschauung Hegels promoviert. Nach seiner Rückkehr nach Prag verfolgte S. als politischer Journalist die Ereignisse der 48er Revolution. Sein Eintreten für ein föderalistisches Österreich und sein Kolleg zur „Geschichte des Revolutionszeitalters“ im Anschluss an seine Habilitation im Fach Neuere Geschichte zwang ihn schließlich zur Aufgabe seiner Lehrtätigkeit und zu einer längeren kunsthistorischen Studienreise in die Niederlande, nach Frankreich und England (1849). 1850 wurde S. Redakteur der Zeitung „Union“, die eine „kleindeutsche Lösung“ vertrat. 1852 habilitierte er sich in Bonn mit einer Untersuchung zur Baukunst des Mittelalters. Erst 1859 folgte die Ernennung zum Extraordinarius in Bonn. 1872 erhielt S., der weiterhin als politischer Publizist tätig war, eine Professur in Straßburg und wurde zugleich Prorektor der neugegründeten Universität, seit 1871 lehrte er Kunstgeschichte in Leipzig.

Biographische Links
The Dictionary of Art Historians
Wikipedia

Mit dem Namen A. Springers verbindet sich die Etablierung der Kunstgeschichte als geisteswissenschaftliche Disziplin, die mit den Fächern Archäologie, Ästhetik und Geschichte auf gleicher Ebene bestehen kann, und als universitäres Lehrfach. Springer legte der Kunstgeschichte die historisch-kritische Methode der Geschichtswissenschaften zugrunde. Sein Ziel war die Erfassung des Kunstwerks innerhalb seines facettenreichen historischen Kontexts. Im Zentrum steht das Werk selbst. Zu ihm hin führen Fragen nach den Intentionen seines Schöpfers und nach den Mitteln seiner Ausführung. Auf die werkimmanente Analyse folgen die Untersuchung seiner Rezeptionsgeschichte und seiner Wirkung. Kulturgeschichtlichen, ästhetischen oder kennerschaftlichen Ansätzen (Grimm, Burckhardt, Morelli) stand Springer kritisch gegenüber. Sein Werk zeichnet sich durch eine enorme geographische, methodische und gattungsübergreifende Vielfalt aus. Neben Überblickswerken wie dem sechsbändigen Handbuch der Kunstgeschichte (1855, geschrieben zum Broterwerb) und dem Textbuch zu Seemanns Kunsthistorischen Bilderbogen (1879), auf die Springer selbst kritisch zurückblickte, stehen die Mittelalterliche Kunst in Palermo (1869), die ikonographische Studie Das jüngste Gericht (1884), eine methodische Pionierleistung, oder die Psalter-Illustrationen im frühen Mittelalter (1880). Einen weiten Bereich seiner Forschungen widmete Springers zudem der Künstlergeschichte: Raffael und Michelangelo (Doppelbiographie in 2 Bdn., 1877) und Albrecht Dürer (1892). Posthum erschienen seine Erinnerungen Aus meinem Leben (1892). (K.S.)

Weiterführende Literatur

Editorische Angaben

Quellen zur Geschichte der Kunstgeschichte - digital