Joachim von Sandrart (1606-1688)

Biografische Skizze

* 12.5.1606 in Frankfurt am Main; † 14.10.1688 in Nürnberg
Maler, Kupferstecher, Kunstschriftsteller, Hochfürstlicher Pfälzisch-Neuburgischer Rat, Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ in Nürnberg

Der aus einer begüterten Kaufmannsfamilie stammende S. genoss eine seinem Stand angemessene vorzügliche Bildung. Ungewöhnlich war seine Entscheidung für den Malerberuf. Nach erstem Zeichenunterricht in Frankfurt und einer Kupferstecherlehre bei P. Isselburg und A. Sadeler, erlernte S. ab 1625 die Malkunst in der Werkstatt von G. van Honthorst, den er 1628 als Geselle an den englischen Hof begleitete. 1629-1635 war S. in Italien, wo er unter anderem für den Marchese V. Giustiniani arbeitete. Als gefragter Maler hielt sich S. nach der Rückkehr in Frankfurt und – kriegsbedingt – ab 1637 in Amsterdam auf, bevor sich von 1645 bis 1670 auf dem geerbten Gut Stockau niederlies. Von Friedrich III wurde er 1653 in den Adelsstand erhoben. Nach kurzem Aufenthalt in Augsburg verbrachte S. ab 1674 seinen Lebensabend in Nürnberg, wo 1662 eine Akademie gegründet worden war.

Biographische Links
The Dictionary of Art Historians
Wikipedia

J. v. Sandrarts dreibändige, zwischen 1675 und 1679 in Nürnberg erschienene Teutsche Academie ist gleichermaßen Ausdruck eines neues Künstlerverständnisses wie Gründungsschrift der deutschsprachigen Geschichte der Kunstgeschichte.
Als Künstlerschrift verweist das enzyklopädische opus magnum auf das neue Ideal des in der Sozialhierarchie aufgestiegenen, gebildeten Künstlers, wie es Sandrart beispielhaft verkörperte, und spiegelt in diesem Zusammenhang die programmatische und inhaltliche Verfasstheit der ersten deutschen Akademien, die sich als Lehranstalten – weniger nach italienischem beziehungsweise französischem Vorbild, sondern mehr in Anlehnung an holländische Modelle – in Nürnberg und Augsburg formierten.
Für die Geschichte der Kunstgeschichte ist die Teutsche Akademie von großer Bedeutung, weil Sandrart hier zum ersten Mal, vermutlich mit erheblicher Hilfe des Nürnberger Literaten S. v. Birken, das vorhandene künstlerbiographische, kunsttheoretische und kunstpraktische Wissen von der Antike bis zur Gegenwart in einem deutschsprachigen und opulent illustrierten Kompendium verfügbar machte, stark perspektiviert allerdings durch den herrschenden Zeitgeschmack. Vorbilder und Quellen – aus denen S. vielfach wörtlich zitierte – waren vor allem G. Vasaris Vite de’ piu eccellenti architetti, pittori e scultori italiani (1550) und K. v. Manders Schilder-Boek (1604). Von heutigem Quellenwert sind vor allem die Künstlerbiographien, die S. selbst von den Künstlern seiner Zeit verfasste.
In Rom betreute die Sandrart die Edition der Galleria Givstiniana del Marchese Vincenzo Givstiniani, zu der er selbst auch Zeichenvorlagen beitrug. (S.E.)

Joachim von Sandrart - Edition

Sandrart.net: Ziel des Projekts ist eine kommentierte Online-Edition von Joachim von Sandrarts Teutscher Academie der Edlen Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste (1675–80). Sandrart.net ist ein von der DFG gefördertes Projekt, das an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main sowie am Kunsthistorischen Institut in Florenz (Max-Planck-Institut) angesiedelt ist.

Weiterführende Literatur

Editorische Angaben

Quellen zur Geschichte der Kunstgeschichte - digital