Cesare Ripa (um 1555-1622)

Biografische Skizze

* um 1555 in Perugia, Italien; † 22.1.1622 in Rom, Italien
Schriftsteller; Theoretiker; Gelehrter; Majordomus; triniciante

Über R.s Leben ist wenig bekannt und das Wenige entstammt in weiten Teilen seinem Werk Iconologia. Er zog vermutlich schon als Kind nach Rom, dort arbeitete R. für Kardinal A. M. Salvati und erlangte den Rang eines "triniciante", dies war eine angesehene Position, deren Aufgabe es war, das Fleisch für besondere Anlässe zu tranchieren. Neben seiner Tätigkeit für den Kardinal studierte er und schrieb sein Buch Iconologia, welches 1593 erstmals veröffentlicht wurde. Noch bis zu seinem Tod ergänzte er dieses Werk um neue Personifikationen. Mit großer Wahrscheinlichkeit gehörte er zwei literarischen Akademien in Perugia und Siena an. R. lebte in einem intellektuellen Umfeld und zählte u. a. die Künstlerbrüder G. und C. Alberti, sowie I. Danti, P. Casella und G. Z. Castellini zu seinen Freunden. Letzterer führte nach R.s Tod dessen Werk weiter.

Biographische Links
The Dictionary of Art Historians
Wikipedia

In seinem Werk Iconologia beschreibt Ripa über 1000 Personifikationen abstrakter Begriffe, die er in alphabethischer Reihenfolge von "Abbondanza" bis "Zelo" ordnete. Es war eine Sammlung bereits bekannter und zum Teil von ihm neu erfundener Sinnbilder. Ripa erklärte ausführlich, auf welche Weise eine Personifikation darzustellen sei und warum. Die ersten beiden Ausgaben der Iconologia erschienen noch ohne Illustrationen 1593 in Rom und 1602 in Mailand. Erst die dritte Ausgabe von 1603 wurde mit Holzschnitten versehen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erschienen ca. zwanzig Ausgaben und Bearbeitungen des Werkes in verschieden Sprachen. Schon zu Lebzeiten Ripas wurden Text und Bild ständig überarbeitet und ergänzt. Die Darstellungen folgten immer dem gleichen Muster, mit einer menschlichen Figur im Zentrum, deren Geschlecht durch das Genus des italienischen Begriffs bestimmt wurde. Je nach Eigenschaft wurde die Figur gekleidet oder blieb unbekleidet, außerdem wurden entsprechende Gegenstände, Pflanzen oder Tiere hinzugefügt. Vor allem im 17. und 18. Jahrhundert war das Werk weit verbreitet und diente zahlreichen Malern und Bildhauern als Vorlage, bevor es im 19. Jahrhundert in Vergessenheit geriet. Erst 1927 entdeckte Emile Mâle das Werk wieder und erkannte seine Bedeutung für die Kunstgeschichtsforschung. (B.M.)

Weiterführende Literatur

Editorische Angaben

Quellen zur Geschichte der Kunstgeschichte - digital