Gustav Edmund Pazaurek (1865-1935)

Biografische Skizze
© Fotoarchiv Landesmuseum Württemberg

* 21.5.1865 in Prag, Tschechien; † 27.1.1935 in Altmannshofen
Direktor des Landes-Gewerbemuseums Stuttgart

P. wurde 1865 in Prag geboren. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte an der Deutschen Universität mit Promotion 1888 in Prag unternahm er Reisen und machte als Privatgelehrter Archivstudien. Er konnte sich bereits 1892-1905 als Leiter des Nordböhmischen Gewerbemuseums in Reichenberg ganz seiner Passion, dem Kunstgewerbe, widmen. Seine Karriere führte P. nach seiner Berufung zum Professor 1905 in Stuttgart fort. Am dortigen Landesgewerbemuseum setzte er mit seinem hohen ästhetischen und stilbildenden Anspruch und seiner hervorragenden Materialkenntnis neue Akzente. P. war zweimal verheiratet und hatte zwei Kinder. Er starb im Jahr 1935 in Schloss Altmannshofen (Baden-Württemberg).

Biographische Links
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Pazaurek war ein Kenner und Sammler von kunstgewerblichen Arbeiten und Kitsch. Sein Interesse galt unter anderem den Glas-, Keramik- Fayence- und Porzellanarbeiten. In seiner Heimat Böhmen hat zunächst die Glasindustrie sein Interesse geweckt; hieraus entstanden seine Abhandlung Die Glasdekoration in Österreich (1898) und auch später Gläser des Empire und Biedermeier (1923). Darüber hinaus war dies der Anstoß für seine eigene Glas- und Porzellansammlung. In seinem posthum veröffentlichten Werk Perlmutter (1937) widmet er sich dem Stoff "Perlmutt". Als Vorstand am Landesgewerbemuseum in Stuttgart setzte Pazaurek sich sehr für die Vermittlung ästhetischer Normen und Qualität im Kunsthandwerk ein. In diesen Kontext lassen u. a. sich die folgenden Werke stellen: Geschmacksverirrungen im Kunstgewerbe (1909), Guter und schlechter Geschmack im Kunstgewerbe (1912). Die kunstgewerblichen Arbeiten mussten seines Erachtens sowohl praktisch, als auch künstlerisch wertvoll sein, frei von "Material-Pimpeleien" und Kitsch. Entsprechend der später entstandenen Philosophie des Deutschen Werkbundes ging ihr Vordenker Pazaurek von einem starken Einfluss der Dinge auf den Menschen aus. Im Museumsbetrieb sah er auch eine pädagogische Aufgabe und richtete am Landesgewerbemuseum 1909 das Kitschmuseum ein. Hierbei schuf er eine Systematik der ästhetischen Entgleisungen, wie z. B.  "Ornamentwut" oder "Patenthumor". Pazaurek sah "die Förderung und Verbreitung des guten Geschmackes auf allen Gebieten und nicht in letzter Reihe auch im Kunstgewerbe" als eine der "vornehmsten Kulturaufgaben". (D.J.)

Gustav Edmund Pazaurek - digital

Pazaurek, Gustav Edmund [Hrsg.]
Perlmutter
Berlin, 1937

Pazaurek, Gustav Edmund
Patriotismus, Kunst und Kunsthandwerk
Stuttgart , Berlin, 1914

Pazaurek, Gustav Edmund [Hrsg.]
Guter und schlechter Geschmack im Kunstgewerbe
Stuttgart , Berlin, 1912

Gustav Edmund Pazaurek - Aufsätze

Gustav Edmund Pazaurek
Musterstücke in Kunstgewerbe-Museen
In: Der Kunstwart. 12,2 (1899), S. 398-403

Metallreflexe in der Keramik und Glasindustrie
In: Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen (1901). 2 (1901/02), S. 9-16.

Die nordböhmischen Fachschulen
In: Kunstgewerbeblatt (1901). N.F.12.1901, S. 107-115.

Keramik der Teplitzer Fach-Schule
In: Deutsche Kunst und Dekoration. 8 (1901), S. 348-351.

Gallé und seine Schule
In: Württembergischer Kunstgewerbeverein: Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins, 2 (1903/04), S. 155-168.

Turin und Düsseldorf
In: Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen (1902). 3 (1902/03), S. 89-97.

Alt-Wiener Porzellan: Eine Ausstellungsbetrachtung
In: Kunstgewerbeblatt (1904). N.F.15.1904, S. 81-91.

Emil Gallé
In: Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen (1904). 5 (1904/05), S. 171-176.

Strassburger Kleinkunstobjekte in Kopenhagen und Wien
In: Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen (1905). 6 (1905/06), S. 179-184.

Die Dresdener Ausstellung: durch die rosige und durch die schwarze Brille gesehen
In: Kunstgewerbeblatt (1906). N.F.17.1906, S. 239-243.

Corriger la Fortune: eine Kunstgewerbliche Skizze
In: Württembergischer Kunstgewerbeverein: Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins, (1906/07), S. 79-97.

Künstlerische Besuchskarten
In: Württembergischer Kunstgewerbeverein: Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins, (1907/08), S. 53-74.

Die Stuttgarter Gewerbeschule für Frauen und Mädchen
In: Württembergischer Kunstgewerbeverein: Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins, (1907/08), S. 103-119.

München und Darmstadt: eine Ausstellungsbetrachtung des Jahres 1908
In: Württembergischer Kunstgewerbeverein: Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins, (1908/09), S. 55-61.

Nützliche Goldschmiede-Arbeiten für schwäbische Kirchen
In: Württembergischer Kunstgewerbeverein: Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins, (1908/09), S. 187-193.

Schrezheimer Fayencen : eine Untersuchung
In: Württembergischer Kunstgewerbeverein: Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins, (1908/09), S. 157-185.

Der breite Rand bei Kunstdrucken
In: Kunstgewerbeblatt (1909). N.F.20.1909, S. 32-33.

Schwatzhaftes Kunsthandwerk
In: Kunstgewerbeblatt (1910). N.F.21.1910, S. 48-55.

Die Leipziger Schriftschule
In: Kunstgewerbeblatt (1911), N.F.22.1911, S. 193-196.

Heutiges Württembergisches Kunstgewerbe
In: Kunstgewerbeblatt (1914). N.F.25.1914, S. 161-175.

Neue Kommersbuch-Einbände
In: Kunstgewerbeblatt (1914). N.F.25.1914, S. 74-75.

"Nur-kunstgewerblich"
In: Kunstgewerbeblatt (1915). N.F.26.1915, S. 84-90.

Künstlermarken und Fabrikzeichen: Ein Vorschlag
In: Kunstgewerbeblatt (1916). N.F.27.1916, S. 214-218.

Glasschnitt im Holzrelief
In: Kunstgewerbeblatt (1917). N.F.28.1917, S. 185-188.

Künstlerische Packungen: Ergebnis des Wettbewerbs der C. Hedrich Akt.-Ges., Hamburg-Altona Dampfmühlenwerke und Nährmittelfabrik
In: Deutsche Kunst und Dekoration. 40 (1917), S. 101-110.

Stuttgarter Edelmetall-Ausstellung des württembergischen Vaterlandsdanks
In: Kunstgewerbeblatt (1917). N.F.28.1917, S. 57-62.

Von Glasperlen und Perlenarbeiten
In: Deutsche Kunst und Dekoration (1917). 41 (1917/18), S. 153-156.

Der Sieg der Qualität
In: Deutsche Kunst und Dekoration (1917). 41 (1917/18), S. 301-311.

Postwertzeichen: zum Preisausschreiben für eine neue deutsche Reichs-Postmarke
In: Deutsche Kunst und Dekoration (1918). 43 (1918/19), S. 203-206.

Niederlage der Qualität?, [1]
In: Innendekoration. 30 (1919), S. 13-18.

Niederlage der Qualität?, [2]
In: Innendekoration. 30 (1919), S. 74-76.

Neue Schmuck-Entwürfe: Betrachtungen im Anschluss an den Wettbewerb der Heilbronner Silberwaren-Fabrik Peter Bruckmann & Söhne im Stuttgarter L.-G.-Museum
In: Deutsche Kunst und Dekoration (1919). 45 (1919/20), S. 305-309

Handarbeit und Maschinenarbeit im Schmuck des Glases
In: Deutsche Kunst und Dekoration. 46 (1920), S. 68-70.

Der reine Quell
In: Innendekoration. 33 (1922), S. 161.

Vom kulturellen Fortschritt
In: Innendekoration. 33 (1922), S. 154-156.

Ein neuer Glasschneider: Hans Klein
In: Deutsche Kunst und Dekoration (1927). 61 (1927/28), S. 461-462.

Kunstgläser von Leerdam
In: Deutsche Kunst und Dekoration (1927). 61 (1927/28), S. 463-464.

W. von Eiff und sein Kreis
In: Deutsche Kunst und Dekoration (1931). 69 (1931/32), S. 294-302.

Weiterführende Literatur

Editorische Angaben

Quellen zur Geschichte der Kunstgeschichte - digital