Bernard de Montfaucon (1655-1741)

Biografische Skizze

*16.1.1655 im Château Soulage, Languedoc; † 21.12.1741 in Paris
Gelehrter; Paläograph; Mitglied des Benediktinerordens; Mitglied der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres

Mit dem Besuch der Kadettenschule in Perpignan (1672) schlug M. zunächst eine militärische Laufbahn ein. Mit der Armee von General Henri de Turenne verbrachte er zwei Jahre in Deutschland, bevor er 1676, nach einer schweren Erkrankung, dem Benediktinerorden beitrat. In der Folge eignete sich M. profunde altsprachliche Kenntnisse an. 1678 kam M. in das Kloster Saint-Germain-des-Prés in Paris und unterstützte Jean Mabillon bei seiner Edition der griechischen Kirchenväter. 1694 wurde er zum Kurator der Münzsammlung des Klosters ernannt. In den Jahren 1698 bis 1701 unternahm M. eine Italienreise, die ihn unter anderem nach Rom führte, und die er dem Handschriftenstudium widmete. Im Jahr 1719 wurde M. in Anerkennung seiner Leistungen auf dem Feld der Paläographie und seiner umfangreichen Publikationstätigkeit Mitglied der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres.

Biographische Links
The Dictionary of Art Historians
Wikipedia

Das Hauptwerk Montfaucons ist die Antiquité expliquée et représentée en figures (1719), aus zeitgenössischer Sicht ein Werk für das Studium und zum Nachschlagen, aus heutiger Perspektive eine Quelle ersten Ranges zur Geschichte der Archäologie und des Sammlungswesens vor dem Hintergrund der Suche nach einem neuen Zugang zur Welt der Antike als Folge der „Querelle des anciens et modernes“. Das Werk umfasst 15 Foliobände, darin ca. 1500 Bildtafeln mit jeweils bis zu 20 Abbildungen. Montfaucon gliedert den Stoff in fünf Klassen (Götter, Religion, privates Leben, Krieg und Begräbniszeremoniell), die jeweils über zahlreiche Unterklassen verfügen. Das wesentliche Modell dieser Systematik ist die Bibliographia antiquaria von Jean Albert Fabricius (1713). Die Beschreibungskriterien sind ikonographisch oder funktional: So konnte es vorkommen, dass in der Erstauflage Werke wie der Apoll vom Belvedere oder der Herkules Farnese fehlten, da sie keinem Gliederungskriterium entsprachen. Montfaucon holte das Versäumnis im umfangreichen Supplement aus dem Jahr 1724 nach. Der thematischen Gliederung folgend vereinen die Tafeln, die in der Art einer Collage aus den Illustrationen bereits bestehender Publikationen, die Montfaucon ausschnitt, und neuen Zeichnungen, die ihm private Sammler zusandten, entstanden, völlig unterschiedliche Objekte wie Kleinbronzen, Gemmen, Münzen oder Statuen. Auch der Laokoon fehlt in der Ausgabe aus dem Jahr 1719: Die Werkauswahl der Antiquité expliquée ist also nicht repräsentativ für die Wertschätzung antiker Statuen im frühen 18. Jahrhundert. Ein ähnliches Gliederungssystem wandte Montfaucon auf die Monuments de la monarchie française (1733) und auf die Sammlung des Antikenkabinetts in Saint-Germain-des-Près an. Im Umkehrschluss erscheinen die Bände der Antiquité expliquée als „papiernes Museum“ oder Katalog eines idealen Museums (Vaiani). (K.S.)

Weiterführende Literatur

Editorische Angaben

Quellen zur Geschichte der Kunstgeschichte - digital