Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

Biografische Skizze

*1.6.1742 in Ober-Ramstadt (Hessen); † 24.2.1799 in Göttingen
Professor für Mathematik und Physik; Schriftsteller

L. studierte Physik und Mathematik an der Universität Göttingen, an der er 1770 zum Professor für Physik, Mathematik und Astronomie ernannt wurde. Bei Versuchen mit einem Elektrophor entdeckte er 1777 die nach ihm benannten Figuren, auf deren Prinzip heute das elektrostatische Fotokopierverfahren beruht. Von diesem Jahr an gab er den populären Göttinger Taschen Calender (GTC) heraus, in dem er bis zu seinem Tod zahlreiche gelehrt-unterhaltsame Beiträge für ein breiteres Publikum publizierte. 1784 edierte er die erste von insgesamt vier von ihm überarbeiteten Neuauflagen des Physiklehrbuches Johann Christian Polycarp Erxlebens Anfangsgründe der Naturlehre. Bis zu dieser Zeit publizierte L. auch immer wieder satirische Abhandlungen, in denen er sich u.a. mit Lavaters Physiognomik oder mit Voss’ Homer-Übersetzungen sehr kritisch auseinandersetzte. Sein großes wissenschaftliches Ansehen brachte L. die Mitgliedschaft zahlreicher europäischer gelehrter Gesellschaften ein. Von 1794 bis zu seinem Tod 1799 veröffentlichte er die bis weit in das 19. Jahrhundert erfolgreichen Ausführliche[n] Erklärung[en] der Hogarthischen Kupferstiche in Buchform.

Biographische Links
Wikipedia
Biographie auf den Seiten der Lichtenberg-Gesellschaft

Georg Christoph Lichtenberg war kein Kunsthistoriker, sondern ein seine Fachdisziplin prägender Experimentalphysiker, gesuchter gelehrter Gesprächs- und Korrespondenzpartner und zu Lebzeiten bekannter Schriftsteller. Gleichwohl hat er mit seinen umfangreichen und in hoher Auflage gedruckten Kommentaren zu Kupferstichen des englischen Malers und Graphikers William Hogarth (1697-1764) einen wichtigen Beitrag zur Praxis der Bildbeschreibung geliefert, der von bemerkenswerten Reflexionen über das Verhältnis zwischen Bild und Text durchzogen wird. Sein Ruhm gründete sich folglich zu Lebzeiten und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein einerseits auf seinen naturwissenschaftlichen Werken andererseits auf seinen satirischen Schriften und eben auf seinen sehr populären Hogarth-Erklärungen. Seine häufig als Aphorismen bezeichneten umfangreichen Aufzeichnungen – von späteren Herausgebern einem Terminus Lichtenbergs für die Hefte, in denen er diese Notate festhielt, folgend auch Sudelbücher genannt – wurden in Auswahl erst nach seinem Tod, umfassend jedoch erstmals 1902 veröffentlicht. Diese Kurztexte, und zunehmend auch das gewichtige Briefcorpus, stehen seitdem im Fokus der Lichtenberg-Forschung.
Lichtenbergs Denkweise ist gekennzeichnet vom stets mehrperspektivischen Zugriff auf ein Problem. Er stellt sicher Geglaubtes in Frage, er experimentiert mit dem vermeintlich sicher Gewussten. Konsequenterweise hat er auch auf dem Gebiet der Ästhetik, mit dem er sich immer wieder beschäftigt hat, keine zusammenhängende Theorie verfasst, sondern vielmehr seine – sich mitunter auch widersprechenden – Positionen in seinem gesamten vielseitigen und textsortenreichen Werk verbaut. (Volker Schümmer)

Weiterführende Literatur

Editorische Angaben

Quellen zur Geschichte der Kunstgeschichte - digital