Luigi Antonio Lanzi (1732-1810)

Biografische Skizze

*17.6.1732 in Treia bei Macerata, Italien; †31.3.1810 in Florenz, Italien
Jesuit; Sprach- und Literaturwissenschaftler; Philosoph; Mathematiker; Historiker; Kunsthistoriker; Kunstwissenschaftler; Altertumsforscher; Galeriedirektor und Kurator der Uffizien in Florenz

L. besuchte zunächst Jesuitenschulen in Fermo und Rom, bevor 1749 selbst dem Jesuitenorden beitrat. Er studierte klassische Philologie, Philosophie und Mathematik. Zunächst unterrichtete er in Rom klassische Literatur, entwickelte jedoch gleichzeitig ein Interesse für J. J. Winckelmann und A. R. Mengs. Nachdem der Jesuitenorden 1773 verboten wurde, arbeitete L. ab 1775 für Großherzog Leopold II. als Mitarbeiter in den Uffizien und wurde 1776 Kurator. Er lebte fünf Jahre in Rom, bevor er 1790 nach Florenz zurückkehrte. Ab 1793 bereiste er längere Zeit Norditalien (Emilia Romagna, Venetien, Piemont Ligurien), um archäologische Stätten zu erforschen. 1794 zog er nach Venetien, wo er B. Gamba, M. Boni, P. Brandolese und G. de Lazara kennenlernte, die ihn bei seiner wissenschaftlichen Arbeit unterstützten.

Biographische Links
The Dictionary of Art Historians
Wikipedia

Als Mitarbeiter in den Uffizien in Florenz war Lanzi mit der Katalogisierung und Reorganisation der dortigen Sammlung betreut. In diesem Zusammenhang veröffentlichte er 1782 einen Führer durch die neuorganisierte Sammlung. Ergebnis dieser Reorganisation war die Ausgliederung verschiedener Sammlungsteile, so dass nur die archäologische sowie die graphische Sammlung, zusammen mit der Gemäldesammlung als Bestand des Kunstmuseums erhalten blieben. Schon während seiner Zeit in Florenz interessierte sich Lanzi für Archäologie und Etruskologie. 1789 publizierte er seine Saggio di lingua etrusca e di altre antiche d’Italia in drei Bänden, worin er die etruskischen Kunstwerke in Epochen unterteile und Forschungen zur Sprache der Etrusker betrieb. Während seine Vermutung, die etruskische Sprache entstamme dem Hebräischen, nie Anerkennung fand und starke Kritik erfuhr, erlangte er Ruhm und Anerkennung mit seinem nachfolgenden Buchprojekt. 1792 erschien der ersten Teil von Lanzis Storia pittorica della Italia. Zum ersten Mal in der Kunstgeschichte, wurde eine Geschichte der Malerei nach Schulen und nicht nach Künstlern geordnet. Aufgrund dieser Leistung wird Lanzi teilweise auch als „Begründer der modernen italienischen Kunstgeschichte“ bezeichnet. Lanzis Geschichte der Malerei folgend, erschien kurze Zeit später L. Cicognaras Storia della Scultura. Lanzis Storia war lange Zeit das wichtigste Werk zur italienischen Malerei und wurde in verschiedene Sprache übersetzt, u.a. von J. G. von Quandt ins Deutsche. (B.M.)

Weiterführende Literatur

Editorische Angaben

Quellen zur Geschichte der Kunstgeschichte - digital