Gérard de Lairesse (1640-1711)

Biografische Skizze

* 11.9.1640 in Lüttich; † vor 28.7.1711 in Amsterdam
Maler, Zeichner, Graphiker, Kunstschriftsteller

L. entstammt einer Lütticher Malerdynastie. Der Vater erteilte ihm ersten Unterricht in der Malerei, veranlasste aber auch eine universale Bildung seines Sohnes. Ein amouröses Abenteuer zwang den ausschweifend lebenden L. 1664, Lüttich Hals über Kopf zu verlassen. Er lebte zunächst anderthalb Jahre verarmt in Utrecht, bevor er nach Amsterdam übersiedelte, wo er 1667 das Bürgerrecht erwarb und sich – maßgeblich unterstützt durch den mit Rembrandt verwandten Kunsthändler G. Uilenburg – schnell potente patrizische Auftraggeberschichten erschloss. Die künstlerische Karriere des von Zeitgenossen als „niederländischer Raffael“ gefeierten L. endete mit der 1689/90 eintretenden Erblindung des Malers. L. hielt nun bis zu seinem Lebensende kunsttheoretische Vorlesungen vor der privaten, in seinem Haus tagenden ‚Kunstgenootshap’ „Ingenio et labore“.

Biographische Links
Wikipedia

G. de Lairesses 1707 – wahrscheinlich mit redaktioneller Hilfe seines Sohnes – in Amsterdam veröffentlichtes Groot Schilderboek ist einer der einflussreichsten Künstlertraktate des 18. Jahrhunderts überhaupt. Als grundlegendes kunsttheoretisches Buch formulierte es die relevanten Regeln für den Lehrbetrieb der Kunstschulen und die künstlerische Praxis. Bis etwa 1800 erschienen wiederholt Neuauflagen des Werks und außerdem Übersetzungen ins Deutsche (erstmals 1728-30), Englische (1738) und Französische (1787). Lairesse verzichtete in seinem Traktat zugunsten einer extensiven Behandlung einzelner Gattungen (Historie, Landschaft, Porträt, Architekturmalerei, Stillleben, Blumenstücke u.a.) auf Künstlerbiographien. Er ist neben J. v. Sandrart und K. v. Mander einer der ersten, der der Landschaftsmalerei eine promintente Passage einräumte, ohne allerdings ihre untergeordnete Position in der Gattungshierarchie argumentativ wesentlich zu revidieren.
Bereits vor dem Schilderboek hatte Lairesse 1701 eine sehr erfolgreiche Grondlegginge ter teekenkunst veröffentlicht, die ebenfalls in andere Sprachen übersetzt wurde. (S.E.)

Weiterführende Literatur


Editorische Angaben

Quellen zur Geschichte der Kunstgeschichte - digital