Heinrich Gustav Hotho (1802-1873)

Biografische Skizze

* 22.5.1802 in Berlin; † 24.12.1873 in Berlin
Philosoph, Professor für Ästhetik und Kunstgeschichte an der Berliner Universität, Kunstschriftsteller, Direktor des Berliner Kupferstichkabinetts

H. wuchs in einer Fabrikantenfamilie in Berlin auf; seine Mutter entstammte der bekannten Hugenottenfamilie Girard. Schon in seiner Jugend begann er zu musizieren und traf mit Persönlichkeiten wie C. M. von Weber zusammen. 1821 begann er Jura zu studieren, dann Philosophie bei Hegel. 1824 ging er für ein Semester nach Breslau. 1825 reiste er über Heidelberg nach Paris. Von dort aus fuhr er nach Brüssel, Löwen, Gent, Brügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam, um niederländische Malerei zu studieren. In London befasste er sich mit mittelalterlicher Architektur und studierte im British Museum griechische Skulptur. Nach seiner Rückkehr aus Paris promovierte H. und unterrichtete an der Universität. 1829 heiratete er Louise Uhden und wurde bald darauf Vater. Ab 1832 war er Assistent in der Berliner Gemäldegalerie; kurz darauf begann er erste kunsthistorische Arbeiten zu veröffentlichen. 1860 wurde er Direktor des Kupferstichkabinetts.


Biographische Links

The Dictionary of Art Historians
Wikipedia

 

Hotho zählt mit F. G. v. Waagen, C. Schnaase und F. Kugler zur „Berliner Schule der Kunstgeschichte“. Als Philosoph unterrichtete er an der Universität zunächst Ästhetik und Literatur, wandte sich aber nach und nach der bildenden Kunst zu. Seine kunsttheoretischen Erkenntnisse gewann er vor allem aus der Philosophie Hegels, welcher sein Lehrer und Vorbild war. Als Vertreter einer „spekulativen Kunstgeschichte“ war er dennoch der Auffassung, daß historische Tatsachen die Grundlage der Forschung bilden müssen. Allerdings standen bei seiner ersten Publikation Vorstudien für Leben und Kunst (1835), die er in Briefform verfaßte, eine schöne Darstellung und sinnliche Wahrnehmung von Kunstobjekten im Vordergrund. Ab 1842 erschien Hothos „Geschichte der deutschen und niederländischen Malerei“ in zwei Bänden. Dieses Werk zeigt die Nähe zu Hegel u.a. durch seinen vorangestellten systematisch-theoretischen Teil. Es folgte eine unvollendete Abhandlung zur „Malerschule Hubert van Eycks“, einem Thema, über das auch schon G. F. Waagen gearbeitet hatte. Außerdem erschienen ein Eyck-Album mit Text, ein Dürer-Album mit Text und verschiedene unvollendete Werke zur Malerei. Sein Urteil über die zeitgenössische Kunst fiel negativ aus, vor allem die Düsseldorfer Schule wurde von ihm stark kritisiert. Noch heute ist Hothos Name vor allem für seine Herausgeberschaft von Hegels „Vorlesungen über Ästhetik“ bekannt. Neben wissenschaftlichen Werken veröffentlichte Hotho 1825 die Tragödie „Don Ramiro“. Hotho war der erste Vertreter einer hegelianischen Kunstgeschichte. Seine Methoden, die wenige Bezugspunkte zur Realität aufwiesen, führten zu Schwächen in seinen Werken, die wiederum zu kritischen Bemerkungen von Wissenschaftlern J. Burckhardt. (B.M.)

Weiterführende Literatur

Editorische Angaben

 

 

Quellen zur Geschichte der Kunstgeschichte - digital