Ernst Guhl (1819-1862)

Biografische Skizze

* 20.7.1819 in Berlin; † 20.8.1862 in Berlin
Kunstgelehrter, Radierer, Professor und Sekretär der Berliner Akademie der Künste, Professor an der Berliner Humboldt-Universität

Nach dem Besuch des französischen Gymnasiums studierte G. seit 1838 Philologie, Klassische Archäologie und neuere Kunstgeschichte an der Berliner Universität. Nach einem mehrmonatigen Italienaufenthalt 1846-47 habilitierte er sich 1848 im Fach Kunstgeschichte und lehrte daraufhin an der Universität und an der Kunstakademie. 1859 folgt die Ernennung zum a. o. Professor und zum Sekretär der Akademie der Künste. Zu G.s Umfeld gehörten Wissenschaftler der Berliner Schule, wie G. E. Waagen, F. Kugler, K. Schnaase und H. G. Hotho. Er war Mitglied in dem von Waagen geleiteten "Verein für Mittelalterliche Kunst".
G. unternahm neben weiteren Italienaufenthalten zahlreiche Studienreisen nach England, Frankreich, Holland, Spanien, Griechenland und Kleinasien.

Biographische Links
Wikipedia

Guhls wissenschaftliche Laufbahn begann unter dem Einfluss der "Berliner Schule" und deren stark historischer Ausrichtung. Seine Denkmäler der Kunst zur Übersicht ihres Entwicklungs-Ganges waren als ergänzender Bildatlas zu F. Kuglers Handbuch der Kunstgeschichte konzipiert, lösten sich jedoch schon bald von Kuglers Vorgaben und entwickelten sich zu einem eigenständigen Werk. Guhl erstellte nicht nur ein Register der Bildtafeln, er versah die einzelnen Bände mit einem ausführlichen Textteil, der nicht dem Handbuch entnommen war, sondern die einzelnen Abbildungen ausführlich beschreibt und in einen historischen und kunsthistorischen Kontext setzt. Die Denkmäler der Kunst entwickelten sich zu einem erfolgreichen Werk, das die Kunstgeschichte lange Zeit beeinflußte und dessen Systematik noch in den Kunsthistorischen Bilderbogen übernommen wurde.

Auch die von Guhl herausgegeben Künstlerbriefe wurden richtungsweisend, indem sie das Interesse der Kunsthistoriker wieder mehr auf biographische Forschung lenkten, welche sich dadurch vom methodischen Ansatz der "Berliner Schule" entfernten. Die Künstlerbriefe dienten u. a. als Quellengrundlage der Biographien von H. Grimm, C. Justi und A. Springer.
Für seine Zeit überraschend erscheint sein Buch Die Frauen in der Kunstgeschichte; darin erkennt er eine "[a]llmähliche Verbesserung der Lage des weiblichen Geschlechtes", gemeint sind damit jedoch noch keine Kunsthistorikerinnen sondern Künstlerinnen. (B.M.)

Ernst Guhl - digital

Guhl, Ernst
Versuch ueber das Ionische Kapitael: e. Beitrag zur Geschichte d. griech. Architektur
Berlin, 1845

Guhl, Ernst; Lübke, Wilhelm
Denkmäler der Kunst
Stuttgart, 1851-1856

Weiterführende Literatur

Editorische Angaben

Quellen zur Geschichte der Kunstgeschichte - digital