Leopoldo Cicognara (1767-1834)

Biografische Skizze

*26.9.1767 in Ferrara; † 5.3.1834 in Venedig
Maler; Kunsthistoriker; Sammler; Politiker; Präsident der Accademia di Belle Arti in Venedig

Nach einer Ausbildung am Collegio dei Nobili in Modena studierte C. seit 1788 Malerei in Rom bei D. Calvi und J. P. Hackert. Er war Mitglied der Società dell’Arcadia und unternahm Reisen nach Neapel, Sizilien, in die Schweiz, nach Frankreich, Russland, Holland, Österreich und England. 1794 kehrte C. nach Italien zurück. 1796 schloss er sich in Modena den Anhängern der Republik an und war in der Folge als Gesandter und Staatsrat der Repubblica Cisalpina tätig, die Napoleon im Jahr 1797 nach französischem Vorbild errichtet hatte. Nach der Auflösung der Republik zugunsten des Königreichs Italien zog sich C. aus der Politik zurück. Von 1808 bis 1820 war er Präsident der neu gegründeten Accademia di Belle Arti in Venedig und als solcher an der Neueröffnung der Gallerie dell’Accademia beteiligt. Nach dem Ende seiner Präsidentschaft lebte C. in Venedig, Florenz und Rom.

Biographische Links
The Dictionary of Art Historians
Wikipedia

Weitere Links
Die Bibliotheca Cicognara – digital
Catalogo Ragionato dei Libri d’Arte e d’Antichitá

Das Hauptwerk Cicognaras, sein dreibändiges Werk zur Geschichte der italienischen Skulptur (Storia della scultura dal suo risorgimento in Italia sino al secolo di Napoleone, 1813-16), erschien während seiner Amtszeit als Präsident der venezianischen Accademia di Belle Arti, als welcher er unmittelbar nach der Veröffentlichung eines kunsttheoretischen Textes über das „Schöne“ (Del Bello. Ragionamenti, 1808) berufen worden war. Mit der Geschichte der Skulptur, die Napoleon gewidmet war, knüpfte Cicognara explizit an die Forschungen J. Winckelmanns und S. d’Agincourts, die Geschichte der Kunst des Altertums (1764) und die Histoire de l'art par les monuments (1810-23) an. Anders als Séroux widmete sich Cicognara aber nicht allen Gattungen innerhalb einer Epoche, in diesem Fall dem Mittelalter, sondern setzte mit der Beschränkung auf die Kulturlandschaft Italiens einen nationalen Schwerpunkt und behandelte eine Gattung, die Skulptur, in einem zeitlichen Rahmen vom späten 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Einen vergleichbaren Weg hatte 1792 L. Lanzi mit seiner Storia pittorica della Italia beschritten. Cicognara unterschied fünf Epochen. Die in Form von Radierungen reich dokumentierte, auf persönlicher Anschauung der Objekte basierende Darstellung beginnt mit den Werken Nicola Pisanos und zeichnet das Bild einer aufsteigenden Entwicklung über Donatello und Ghiberti bis hin zu Michelangelo. Die Barockzeit wird als Phase des Verfalls wahrgenommen, auf die als neuer Höhepunkt die Kunst des Klassizismus, vertreten von A. Canova, folgt. Im Jahr 1823 sollte Cicognara Canova eine umfassende Biographie widmen. Zuvor veröffentlichte er die zwei Bände der Monumenti di Venezia (1815-20) und als kulturhistorisches Dokument von unschätzbarem Wert das Inventar seiner umfassenden, seit 1824 in die Biblioteca Vaticana inkorporierten, kunsthistorischen Bibliothek (Catalogo ragionato dei libri d’arte, 1820). Zum Spätwerk Cicognaras zählen seine in dem Band Memorie spettanti alla storia della calcografia (1831) zusammengefassten Forschungen zum Niello, die ein großer Erfolg waren und sogar Fälschungen entsprechender Objekte hervorriefen. (K.S.)

Weiterführende Literatur

Editorische Angaben

Quellen zur Geschichte der Kunstgeschichte - digital