Ulisse Aldrovandi (1522-1605)

Biografische Skizze

*11.9.1522 in Bologna; † 4.5.1605 in Bologna
Naturforscher; Zoologe; Botaniker; Professor für Philosophie

A., einer der Begründer der modernen Zoologie, absolvierte in seiner Jugend, bedingt durch den frühen Tod seines Vaters, des Notars Teseo A., eine kaufmännische Ausbildung in Bologna und Brescia. Spontan entschloss er sich zu einer Pilgerreise nach Santiago da Compostela, bevor er 1539 in Bologna das Jurastudium aufnahm. Auf die Ernennung zum Notar (1542) folgte ein Studium der Philosophie, Mathematik und Medizin in Padua (1548-49). Wieder in Bologna, wurde A. am 12. Juni 1549 zusammen mit anderen Bologneser Bürgern unter dem Verdacht der Häresie festgenommen, am 1. September jedoch auf freien Fuß gesetzt, mit der Auflage, in Rom seinen Prozess zu erwarten. Zum Prozess kam es nie, doch A. widmete die Zeit in Rom dem Antikenstudium und schloss Freundschaft mit dem Zoologen G. Rondelet. Auf die gleiche Zeit ging seine Bekanntschaft mit dem Pisaner Botaniker L. Ghini zurück. 1553 wurde A. in Bologna in Philosophie und Medizin promoviert. 1555 erhielt er eine Professur im Fach Philosophie. Sein Interesse galt der Naturphilosophie. Mit seinen Studenten unternahm er Exkursionen in die Alpi di Sesto, die Monti Lucchesi, nach Rimini, Venedig, Elba, Livorno und in die Veroneser Alpen. Er richtete ein Naturalienkabinett ein und gründete 1568 den Botanischen Garten. Im Jahr 1600 zog er sich von der Lehrtätigkeit zurück und widmete sich fortan seinen Publikationen.

Biographische Links

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Die naturhistorische Sammlung Aldrovandis, eine der bedeutendsten Sammlungen Italiens, umfasste um 1595 elftausend Tiere, Früchte und Mineralien. Das in jahrzehntelanger Sammeltätigkeit in der Region Bologna sowie auf zahlreichen Exkursionen innerhalb Italiens angelegte Herbarium (seine wohl berühmteste Exkursion führte Aldrovandi 1564 zum Monte Baldo bei Verona, sie wird von F. Calzolari beschrieben: Il viaggio di Monte Baldo della magnifica città di Verona, Venedig 1566) zeigt in sechzehn Bänden etwa siebentausend getrocknete und aufgeklebte Pflanzen.
Das Hauptwerk Aldrovandis, einem Begründer der modernen Zoologie, sind die elf Bände der Historia animalium, einer großen, auf der Basis seiner Sammlung erarbeiteten Naturenzyklopädie. Zu Lebzeiten Aldrovandis erschienen die Bände über die Vögel (1599-1603) und die Insekten (1602). Auch der Text der Bände über die niederen Tiere (1606) geht wohl auf Aldrovandi selbst zurück. Alle weiteren Bände edierten sein Nachfolger C. Uterverio und B. Ambrosino. Ebenfalls aus dem Nachlass Aldrovandis stammen die Monstrorum Historia (1642), wie die Dendrologia (1667) ediert von O. Montalbano, und das 1648 von Ambrosino herausgegebene Musaeum Metallicum, das mineralogischen, geologischen und paläologischen Beobachtungen gewidmet ist. Auf die Lehrtätigkeit Aldrovandis an der Universität Bologna gehen die Syntaxis plantarum und die Syntaxis plantarum et animalium mit fast zweitausend synoptischen Tafeln zurück.
Aldrovandi, der in seine Historia animalium aus Gründen der Vollständigkeit und wohl wissend um deren fiktiven Charakter auch zahlreiche Fabeltiere wie den Vogel Phönix, den Greif oder den Drachen aufnahm, steht einerseits in der Tradition der Scholastik und der mittelalterlichen Bestiarien. In die Zukunft weisen seine exakte Beobachtung der Natur und ihrer Phänomene, seine Suche nach einem eigenen Klassifikationssystem neben dem des Aristoteles und das Bestreben um die realistische, detailgetreue Wiedergabe von Pflanzen, Steinen und Tieren: Zahllose Zeichnungen, Aquarelle und Holzschnitte wurden von exzellenten Künstlern wie L. Bennini, C. Svinto, I. Ligozzi und dem Nürnberger Formschneider C. Coriolan geschaffen. (K.S.)

Weiterführende Literatur

Editorische Angaben

Quellen zur Geschichte der Kunstgeschichte - digital