Der Auktionsmarkt in Deutschland von 1930 bis 1945 in München

Im Vergleich zu Berlin, Frankfurt und Hamburg existierten in München 1930 nur wenige Auktionshäuser. Die vergleichsweise hohe Anzahl von veröffentlichten Katalogen und damit verauktionierten Kunstwerken bis 1934 verdankt sich vor allem der Firma Hugo Helbing, die jährlich zwischen 22 und 28 Auktionskataloge publizierte. Somit machte sich die Weltwirtschaftskrise im Münchner Auktionshandel weniger deutlich bemerkbar als an anderen Orten. Während die Anzahl der Auktionshäuser auch nach der nationalsozialistischen Machtergreifung relativ konstant blieb, änderte sich ihre Zusammensetzung durch die Ausschaltung jüdischer Versteigerer zwischen 1933 und 1935 fundamental. Schon 1933 führten die Antiquariate von Emil Hirsch und Harry Hirsch keine Versteigerungen mehr durch. 1935 wurden vierzig Kunsthandlungen und Antiquariate aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen und waren damit nicht mehr in der Lage, eine Versteigerungserlaubnis zu erhalten. Von den alteingesessenen Versteigerungshäusern blieb die durch Karl Kress arisierte Münzhandlung Otto Helbings Nachfolge bestehen. Neben der Kunsthandlung Julius Böhler, die zwischen 1934 und 1936 bedeutende Auktionen abhielt, und dem Buchantiquariat Karl und Faber, das zwischen 1933 und 1944 weiterhin gleichmäßig Auktionskataloge produzierte, wurde Adolf Weinmüller zum wichtigsten Münchner Auktionator, dem dies durch die gezielte Ausschaltung jüdischer Kunsthändler und Versteigerer, insbesondere Hugo Helbing, gelang. Zwischen 1936 und 1943 veröffentlichte er dreißig Kataloge.
(Astrid Bähr, 2013)

Literatur:
Hopp 2012
Selig 2004, S. 631ff.