Der Auktionsmarkt in Deutschland von 1930 bis 1945 in Hamburg

Den Hamburger Auktionsmarkt kennzeichnen in erster Linie Bücher- und Graphikauktionen. Daneben besaß Hamburg mit Carl F. Schlüter und der Galerie Commeter zwei vor allem regional bedeutende Kunstversteigerungshäuser. Wie in Berlin fand auch in Hamburg ein deutlicher Rückgang der Katalogveröffentlichungen zwischen 1930 und 1933 statt. Noch einschneidender waren jedoch die Umwälzungen, die die Machtergreifung der Nationalsozialisten auslösten. So wurden etwa 1935 28 Kunsthandlungen aufgrund „nichtarischer“ Abstammung ihrer Besitzer nicht in die Reichskammer der bildenden Künste aufgenommen und den Versteigerern unter ihnen damit die Versteigerungserlaubnis verwehrt, darunter etwa dem Auktionshaus Harry Hirsch. Nach dem einschneidenden Rückgang der Auktionstätigkeit nach 1933 blieben das Auktionsgeschäft und die Veröffentlichungen von Auktionskatalogen auf einem relativ stabilen Niveau. Mit Kriegsbeginn ging die Zahl der Auktionshäuser auf zwei zurück; allein das Münzauktionshaus Meuss und der Graphik- und Buchversteigerer Hauswedell gaben noch 1943, letzterer sogar noch 1944, Auktionskataloge heraus.

Während die systematische Enteignung und Plünderung jüdischen Besitzes wie im übrigen Deutschland ablief, fanden in Hamburg ab dem 1. Januar 1942 eine Vielzahl von Versteigerungen statt, deren Gut sich aus von der Gestapo aufgebrochenen Umzugscontainern im Hamburger Hafen von Ausgewanderten aus dem ganzen Reich speiste und das nach der Begutachtung und der Reservierung für Staatszwecke zur Versteigerung freigegeben wurde. Die Mehrzahl der Hamburger Versteigerer beteiligte sich daran, namentlich überliefert etwa auch Carl F. Schlüter.

(Astrid Bähr, 2013)


Literatur:
Bruhns 2001, S. 221f., 436f., S. 637