Der Auktionsmarkt in Deutschland von 1930 bis 1945 in Berlin

Der Berliner Auktionsmarkt hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine führende Rolle gegenüber München, Frankfurt und Hamburg eingenommen, eine Entwicklung, die weitgehend parallel zu den wachsenden bürgerlichen Sammlungen der Stadt verlief. Vor allem die Auktionshäuser Paul Graupe und Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus waren Mitte der 1920er Jahre auch auf dem internationalen Markt vertreten. Auch zwischen 1930 und 1945 nahm der Berliner Auktionsmarkt, sowohl was die Anzahl der Auktionshäuser als auch der veröffentlichten Kataloge anbelangte, die zentrale Stellung in Deutschland ein. Neben reinen Kunstauktionshäusern führten in Berlin zahlreiche Buchantiquariate und Münzhandlungen Versteigerungen durch. Weiterhin agierten häufig Hausrats- und Wohnungsauflöser mit Versteigerungskatalogen am Markt.

Betrachtet man den Berliner Auktionsmarkt zu Beginn der 1930 Jahre, existieren hier mit 21 Auktionshäusern mehr als ein Drittel der Auktionsfirmen des gesamten Landes, die mit 105 Katalogen fast die Hälfte des gesamten Volumens von 235 Auktionskatalogen dieses Jahres veröffentlichten. Während bislang beobachtet wurde, dass mit der Weltwirtschaftskrise vermehrt Sammler zum Verkauf gezwungen waren und damit zahlreiche Kunstobjekte sowie hochwertiges Mobiliar den Markt überschwemmten, was zu Gründungen neuer Kunsthandlungen und Auktionshäuser führte – etwa in Berlin 1929 das Auktionshaus des Westens, die Internationale Kunst- und Auktionshaus GmbH oder das Kunsthaus Continental –, lässt sich aus dem Gesamtbestand der durch Auktionskataloge vertretenen Auktionshäuser doch vor allem ein starker Rückgang sowohl an bestehenden Auktionshäusern als auch an publizierten Katalogen feststellen. Von den Berliner Auktionshäusern agierten 1933 nur noch 14 Versteigerungshäuser; die publizierte Anzahl an Katalogen war um fast die Hälfte auf 58 zurückgegangen.

Obwohl sich in den reinen Zahlen die massiven Eingriffe durch die nationalsozialistische Machtergreifung von 1933 auf 1934 mit einem Sinken der Anzahl der Auktionshäuser auf 11 und der publizierten Kataloge auf 48, relativ gering niederschlug, kam es doch schon in diesem Zeitraum zu erheblichen Umwälzungen. So waren um 1933 mit dem Antiquariat S. Martin Fraenkel, dem Auktionshaus Kurt Meyer, Dr. Günther Deneke, dem Kunsthaus Continental, dem Kunst-Auktions-Haus Keller & Reiner GmbH, Leo Liepmannssohn, Martin Breslauer oder Rud. Elsas doch etliche bedeutende Auktionshäuser zur Aufgabe ihres Betriebs gezwungen. Im Gegenzug etablierten sich neue, oft umsatzstarke Auktionshäuser in Berlin, allen voran Dr. Walther Achenbach, mit dem Inhaber Philo Wuest als Vorsitzendem des Verbandes Deutscher Auktionatoren auch auf politischer Ebene bestens vertreten, sowie das Kunstauktionshaus Union. Zugleich gelang es gerade in Berlin einigen jüdischen Betreibern, Ausnahmeregelungen für die Aufrechterhaltung ihres Unternehmens zu erwirken. So konnten etwa Paul Graupe, die Internationales Kunst- und Auktions-Haus GmbH, ab 1934 unter den namentlich genannten Eigentümern Dr. Ernst Mandelbaum und Peter Kronthal weitergeführt, oder Hollstein & Puppel bis 1936 bzw. 1937 ihre Versteigerungshäuser weiterführen. Oft bedarf es allerdings weiterer Quellen, um, wie etwa bei Max Perl, festzustellen, dass das Unternehmen arisiert unter gleichem Namen zunächst noch bis 1939 weitergeführt wurde. Während die Anzahl der Häuser und die Frequenz der publizierten Kataloge bis 1935/36 relativ konstant blieb und in den beiden folgenden Jahren leicht zurückging, waren 1939 nur noch fünf Kataloge publizierende Auktionshäuser aktiv. Mit Kriegseintritt reduzierte sich diese Auktionstätigkeit bis 1944 auf das Kunstversteigerungshaus Union, Inhaber Leo Spik, das noch in diesem Jahr einen einzigen Katalog herausgab.
(Astrid Bähr, 2013)

Literatur:
Enderlein 2006
Fischer Defoy/Nürnberg 2011
Schwarz 1962, S. 126-130
Tafel 1987
Wilhelm 1990, S. 60ff.