Auktionshäuser in Wien

Artaria und Co.

Kohlmarkt 9 (1930); Pettenkofferstr. 1 (1934)
Gegr.: Von Karl und Franz Artaria 1770 als Kunsthandlung mit breitem graphischem Angebot gegründet und 1778 um einen Musikverlag erweitert, der sich international als Originalverlag von Mozar, Haydn sowie Beethoven einen Namen machte. Im 19. Jahrhundert gewann der Kartenverlag zunehmend an Bedeutung. 1920 wurde der karthographische Teil des Verlags an Freytag & Berndt verkauft.

1930-1934: Artaria & Co. veröffentlichte in diesem Zeitraum acht illustrierte Kataloge. Fünf dieser Versteigerungskataloge sowie ein Handkataloge zum Eintrag der Auktionsergebnisse erschienen zur Sammlung Figdor gemeinsam mit dem Kunstsalon Paul Cassirer, Berlin, und dem Auktionshaus für Altertümer Glückselig GmbH, Wien. Die drei übrigen, zum Teil illustrierten und mit ausführlichen Beschreibungen versehenen Kataloge wurden 1934 zu den Sammlungen Alfred und Giebert Liebieg mit diversen Kunstgegenständen sowie Musikautographen herausgegeben. Umfangreiche Bestände der Firma Artaria wurden 1933 und 1934 im Dorotheum, Wien, sowie bei C. G. Boerner, Leipzig, versteigert.

Lit.:
Artaria 1970
Artaria 1981
Nebehay 1983, S. 245-254 zur Figdor-Versteigerung
Rother 2012 zur Figdor-Versteigerung

 

Auktionshaus Albert Kende

Kärntnerstr. 4, Wien I
Gegr.: ab 1895 nachgewiesen
Inhaber: Albert Kende (1872-1942), Kunsthändler und konzess. Auktionator. Das Auktionshaus wurde von Ferdinand Josef Nagler (1898-1989) als kommissarischem Leiter 1938 arisiert und als Kunst- und Auktionshaus Kärntnerstraße weitergeführt (Anderl 2008), s. dort.

1930-1938: Es erschienen 106 meist mit wenig Illustrationen ausgestatte, teilweise von ausführlichen Beschreibungen der Kunstwerke begleitete Auktionskataloge. Ein Großteil der Auktionen brachte Wohnungseinrichtungsgegenstände auf den Markt und wurde direkt in den jeweiligen Wohnungen abgehalten. Neben diesen Einrichtungsgegenständen kamen aber auch Bücher, Autographen oder Schmuck in durchgezählten Auktionen, die meist in den eigenen Auktionsräumen stattfanden (innerhalb dieser Zählung von 103 im Jahr 1930 bis 151 im Jahr 1938 wurden die Kataloge 109, 118, 120, 121, 131, 144 sowie 146-148 nicht ermittelt). Eine Versteigerung führte Albert Kende gemeinsam mit Gilhofer und Ranschburg, Wien, durch sowie neun Versteigerungen gemeinsam mit seinem Bruder Samuel Kende, Wien, darunter die umfangreichen Versteigerung des Antiquitätenbestands Satori.

Lit.:
Anderl 2008

 

Auktionshaus für alte und neue Kunst, Ing. Othmar Hasenlechner (1932); Auktionshaus Hasenlechner (1933)

Invalidenstr. 5-7
1932-1933 erschienen drei zum Teil illustrierte Auktionskataloge mit Kunstgegenständen sowie Hausrat.

 

Auktionshaus für Altertümer Glückselig GmbH

Mühlgasse 28-30, Wien IV; Krugerstr. 10, Wien I (ab Dezember 1932)
Inhaber: Samuel Glückselig

1930-1937: Das Auktionshaus veröffentlichte 29 vorwiegend illustrierte Auktionskataloge mit Kunstobjekten aus Nachlässen, darunter auch Waffen, Graphik oder Instrumente, die oft direkt in den jeweiligen Wohnungen veranstaltet wurden. 1930 beteiligte sich Glückselig gemeinsam mit Kunstsalon Paul Cassirer, Berlin, und Artaria & Co., Wien, an der Versteigerung der Sammlung Figdor, zu der fünf Auktionskataloge sowie ein Handkatalog erschienen. Drei Auktionen veranstaltete das Unternehmen gemeinsam mit Gilhofer und Ranschburg, Wien.

Lit.:
Nebehay 1983, S. 245-254 zur Figdor-Versteigerung
Rother 2012 zur Figdor-Versteigerung

 

C. J. Wawra (Alfred Wawra)

Lothringerstr. 14, Wien III
Gegr.: 1820
Inhaber: Alfred Wawra
Nachfolger: Kunst-Auktionshaus Alfred Wawra’s Witwe
1930-1931: Es erscheinen acht reich illustrierte Auktionskataloge vorwiegend mit Gemälden und Graphik, aber auch zu einigen Nachlässen.

 

Doktor Ignaz Schwarz, Buch- und Kunstantiquariat

Tuchlauben 11, Wien I
Inhaber: Dr. Ignaz Schwarz bis 1925, dann weitergeführt von seiner Witwe Margarete und ab 1936 seinem Sohn Kurt Leo Schwarz. Im August 1938 unter kommisarischer Verwaltung von Karl Münch, 1938 arisiert durch Johann K. Paulusch und Hans v. Bourcy des Antiquariats Paulusch & Bourcy (Schroeder, S. 386;).
1932 und 1937 erschien je ein illustrierter Auktionskatalog, 1932 mit Gemälde, Graphik und Kunstgewerbe, 1937 gemeinsam mit S. Kende, Wien, zu einer Büchersammlung.

Lit.:
Schildorfer/Simonlehner 2001 in: http://www.murrayhall.com/files/referate/gilhoferschwarz.pdf
Schroeder 2009, S. 386.

 

Dorotheum

Dorotheergasse; Zweiganstalten des Dorotheum in den Stadtteilen Favoriten, Floridsdorf, Rudolfsheim-Fünfhaus, Baden
Dorotheum als Name erst 1923 eingetragen, zuvor als Kaiserlich-Königliches Versatz-, Verwahrungs- und Versteigerungsamt geführt
Gegr.: 1707

1930-1945 erschienen insgesamt 435 Auktionskataloge. In den Jahren 1930 bis 1937 veröffentlichte das Dorotheum jährlich zwischen 20 und 33 Katalogen und damit ungefähr die Hälfte aller in Österreich herausgegebenen Auktionskataloge. Kunstauktionen im Dorotheum fanden meist zweimal jährlich statt und wurden als „Grosse Auktionen“ bezeichnet. Daneben fanden zahlreiche Wohnungsauktionen mit begleitenden Katalogen statt. Vom „Anschluss“ Österreichs und der damit einhergehenden Enteignung der jüdischen Bevölkerung profitierte das Dorotheum in großem Maße, was in verschiedenen Studien, insbesondere von Lütgenau/Schröck/Niederacher 2006, umfassend erforscht wurde. 1938 bestritt das Dorotheum mit 67 von 76 Katalogen den Auktionsmarkt nahezu alleine; vierzig dieser Kataloge erfassten den Bestand von Wohnungsversteigerungen. Dabei kam dem Dorotheum Auktionsgut aus Wohnung, die die Gestapo geplündert hatte, später Kunstwerke aus dem der Vugesta übergebenen Umzugsgut bzw. dem Eigentum deportierter Juden, zu gute. Auch die Gemeinde Wien sowie die Zoll- und Finanzämtern brachten Vermögenswerte in das Dorotheum ein; weiterer hochwertiger Kunstbesitz kam auch aus den besetzten Gebieten Westeuropas. Zudem wirkte das Dorotheum als Gutachter bei der Verordnung zur Anmeldung des Vermögens (RGBl. I, 1938, S. 414), nach der sämtlicher Besitz basierend auf Schätzgutachten offengelegt werden musste. Betrachtet man die Anzahl der Katalogveröffentlichungen des Dorotheums, ging die immense Steigerung, die 1938 stattgefunden hatte, schon 1939 nahezu um die Hälfte zurück. Offenbar machte sich bemerkbar, dass ein Großteil der geplünderten und enteigneten Wohnungsversteigerungen bereits verwertet worden war. Dennoch entfielen von 31 Katalogen des Jahres 16 auf Wohnungsversteigerungen, mit 36 Katalogen stieg die Anzahl der Kataloge 1940 sogar nochmals leicht an. In den folgenden Jahren sank die Zahl der veröffentlichten Kataloge kontinuierlich, bis 1944 nur mehr 12 Kataloge und 1945 ein einzelner Katalog des Dorotheums erschienen.

Lit.:
Brückler 1999, S. 306
Caruso S. 90-109.
Lillie 2004
Kunstpreisverzeichnis 1.1939/40, 2.1940/41, 3.1941/42
Loitfellner 2006
Lütgenau/Schröck/Niederacher 2006
http://www.dorotheum.com

 

Galerie Sanct Lucas

Josephplatz 5
1938 erschien ein illustrierter Auktionskatalog eines Nachlasses gemeinsam mit S. Kende, Wien.

 

Gilhofer & Ranschburg, Wien

Bognergasse 2, Wien I
Gegr.: 1883/84 als Antiquariat von Hermann Gilhofer (-1913) und Heinrich Ranschburg (1859-1924). Die erste Auktion fand 1898 statt. 1938 wurde das Auktionshaus aufgelöst.

Inhaber: Seit 1925 führten Wilhelm Schab (1888-1975), Otto Ranschburg (1899-1985), Elisabeth Margulies und Anna Epstein gemeinsam die Geschäfte. Otto Ranschburg trat 1936 aus dem Unternehmen aus, hielt jedoch weiter einen garantierten Angestelltenvertrag, aus dem er nach dem „Anschluss“ ausbezahlt wurde; Schab, Margulies und Epstein emigrierten. Die Arisierung der Firma wurde im September 1938 beantragt und am 12. Dezember 1938 genehmigt, wobei der Geschäftsbereich auf das Antiquariat reduziert wurde. Die Firma wurde offiziell von den ehemaligen Mitarbeitern Friedrich Steinert und Hans Werner Taeuber übernommen, die jedoch nur 5% der Geschäftsanteile besaßen, die übrigen 95% hielt die Reichskammer der bildenden Künste, d. h. die Firma agierte als „getarnte Dienststelle des Reiches“ (Tisa Francini/Heuß/Kreis, S. 269-272, Schroeder, S. 369).

1932-1937: Es erschienen 25 meist illustrierte Auktionskataloge (Kataloge 69, 70 und 71 wurden nicht ermittelt), in denen vor allem Bücher, Graphik und Autographen, die in einem umfangreichen wissenschaftlichen Apparat beschrieben wurden, verauktioniert wurden. Daneben veröffentlichten Gilhofer & Ranschburg einige Katalog zu einzelnen bedeutenden Sammlungen, darunter die in mehreren Auktionen versteigerte Graphik- und Münzsammlung von Franz Trau. Daneben kamen in einzelnen Auktionen auch Gemälde und Kunstgewerbe auf den Markt. Von diesen Auktionskatalogen gab Gilhofer & Ranschburg einen Katalog gemeinsam mit Albert Kende, Wien, sowie drei Kataloge mit der Gesellschaft für Altertümer Glückselig GmbH, Wien, heraus. Des Weiteren erschienen fünf Münzauktionskataloge gemeinsam mit Adolph Hess, Luzern.

Lit.:
Nebehay 1994, S. 247
Tisa Francini/Heuß/Kreis, S. 269-272
Schroeder 2009, S. 368-371
Schildorfer/Simonlehner 2001 in: http://www.murrayhall.com/files/referate/gilhoferschwarz.pdf
http://www.inlibris.at 

 

Kunstauktionshaus „Kärntnerstraße“, Kunst- und Auktionshaus Kärntnerstraße

Kärntnerstr. 4, Wien I
Inhaber: Josef Gruber (in den Auktionskatalogen von Juli 1940 bis Juni 1942 als Inhaber angeführt), Ferdinand Nagler (in den Auktionskatalogen von Dezember 1942 bis Dezember 1944 als Inhaber angeführt). Nach Anderl 2008 arisierte Ferdinand Nagler (1898-1989) als kommissarischer Leiter das Auktionshaus 1938; am 4. Dezember 1938 wurde die Firma an Josef Gruber übergeben, der sie im Oktober 1941 wiederum an Nagler übertrug.

Vorgänger: Albert Kende
1940-1944 erschienen 14 illustrierte Auktionskataloge mit diversen Kunstgegenständen und Hausrat. Im Auktionshaus wurden auch Einlieferungen der Dienststelle Mühlmann aus den Niederlanden und aus Polen umgesetzt (Anderl 2008) sowie jüdisches entzogenes Kunst- und Kulturgut, etwa die Sammlung Ferdinand Bloch-Bauer, versteigert (Lillie 2003, S. 204).

Lit.:
Anderl 2008 mit Quellen
Kunstpreisverzeichnis 2.1940/41
Lillie 2003, S. 204
Walzer/Templ 2001, S. 173f.

 

Kunst-Auktionshaus Alfred Wawra’s Witwe

Lothringerstr. 14, Wien III
Gegr.: 1820
Vorgänger: C. J. Wawra (Alfred Wawra)
1935 erschienen zwei illustrierte Auktionskataloge mit diversen Kunstobjekten.

 

Kunstversteigerungshaus Adolf Weinmüller vormals S. Kende (November 1938); Kunstversteigerungshaus Adolf Weinmüller (Dezember 1938);
Wiener Kunstversteigerungshaus Adolph Weinmüller (ab Dezember 1939)

Rotenturmstr. 14, Wien I
Gegr.: Im November 1938 übernahm Weinmüller das Auktionshaus S. Kende (Anderl 2006a, Hopp 2012, S. 225ff.)
Vorgänger: S. Kende

Inhaber: Adolf Weinmüller arisierte das Auktionshaus S. Kende, das am 19.11.1938 trotz heftiger Proteste der Wiener Auktionshäuser und Kunsthandlungen unter S. Kende Nachfolger, Adolph Weinmüller & Co. Wiener Kunstversteigerungshaus ins Handelsregister eingetragen wurde. Als Geschäftsführer wirkte Dr. Franz Kieslinger (Anderl 2006a, S.; Hopp 2012, S. 225ff.) Zu Weinmüller s. auch München, Münchener Kunstversteigererhaus Adolf Weinmüller.

1938-1944: Weinmüller gab in Wien 18 Auktionskataloge mit diversen Kunstgegenständen und Hausrat heraus. Elf der Auktionen fanden im Auktionshaus in der Rotenturmstraße statt, sieben als Haus- und Wohnungsauktionen in den jeweiligen Wohnungen. Als Experten für Weinmüller traten häufig der Geschäftsführer Franz Kieslinger, der auch einen Großteil der Kataloge mit teilweise ausführlichen Beschreibungen verfasste, sowie Heinrich Leporini auf, die beide auch für das Dorotheum tätig waren. Neben zahlreichen Versteigerungen aus jüdischem Besitz und durch behördliche Einlieferungen, etwa durch die Gestapo Prag oder die „Dienststelle“ Mühlmann, nutzte Weinmüller das Auktionshaus als Verschiebestelle für Geschäfte seines Münchner Auktionshauses. Während sich nur zum Katalog 17 ein Einliefererverzeichnis erhalten hat, konnten Hopp und Lillie verschiedene Einzelstücke aus ehemaligem jüdischem Besitzer nachweisen. Die Tätigkeit des Auktionshauses wurde von Hopp 2012 umfassend untersucht.

Lit.:
Anderl 2006a
Hopp 2012, S. 225-294
Kunstpreisverzeichnis 1.1939/40, 2.1940/41, 3.1941/42
Lillie, S. 1134f.

Annotierte Auktionskataloge der Firmen Adolf Weinmüllers in München 1936-1943 und Wien 1938-1944 ab sofort über die Datenbank Lost Art recherchierbar.

 

S. Kende

Rotenturmstr. 14, Wien I
Gegr.: 1888 von Samuel Kende (1858-1928) als antiquarische Buchhandlung. Auktionen fanden ab 1895 statt.

Inhaberin: Seit 1928 Melanie Kende (*1872), ab 1929 gemeinsam mit ihrem Sohn Herbert Alexander Kende (*1908). Im März 1938 kam das Auktionshaus unter kommissarische Verwaltung, zunächst von Blasius Fornach, ab Juli 1938 von Arthur Raimund Morghen. Ende Mai bewirbt sich der Inhaber des Münchner Auktionshauses Adolph Weinmüller um das Auktionshaus, das er am 19.11.1938 trotz heftiger Proteste der Wiener Auktionshäuser und Kunsthandlungen zugesprochen bekommt und das zunächst unter dem Namen „S. Kende Nachfolger. Adolph Weinmüller & Co. Wiener Kunstversteigerungshaus“ ins Handelsregister eingetragen wird (Anderl 2006a, S.; Hopp 2012, S. 225ff.).

Nachfolger: Kunstversteigerungshaus Adolph Weinmüller s. dort

1930-1938: Es konnten für diesen Zeitraum 59 illustrierte Auktionskataloge mit diversen Kunstgegenständen und Hausrat ermittelt werden (die Kataloge 76, 77, 93, 95, 104-108, 110, 115, 118, 119, 122-124, 126-128, 130-131 konnten nicht lokalisiert werden). Vorwiegend richtet S. Kende Wohnungsversteigerungen aus. Neun Auktionen hielt er gemeinsam mit seinem Bruder Albert Kende ab, darunter drei große Auktionen mit den Warenbeständen des Antiquitätengeschäfts Satori. Albert Kende fungierte auch häufig als Experte für das Auktionshaus. Des Weiteren veranstaltet S. Kende je eine Auktion mit der Galerie Sanct Lucas sowie mit dem Buch- und Kunstantiquariat Ignatz Schwarz, beide Wien.

Lit:
Anderl 2006a
Hopp 2012, S. 225-239

 

Wiener Auktionshaus J. Fischer

Strobachgasse 8, Wien V
Gegr.: 1866
Inhaber: J. Fischer
1930-1938: Es erscheinen 22 meist unillustrierte Auktionskataloge mit wenigen Kunstgegenständen und umso mehr Hausrats- und Gebrauchtwaren. Die Auktionen umfassten häufig mehr als 2.000 Lose.