Auktionshäuser in München

Alte und Neue Kunst GmbH

Ottostr. 3/Arcorstr.1 (vermutlich identisch mit der Kunsthandlung, die Ernst Wengenmayr, der spätere Geschäftsführer Adolph Weinmüllers, in der Ottostr. 7 führte (Hopp 2012, S. 122).

1931 erschienen vier illustrierte Auktionskataloge (Katalog 3 wurde nicht ermittelt) mit Gemälden, zum Teil auch anderen Kunstobjekten.

Lit.:
Hopp 2012, S. 122

 

Antiquariat Emil Hirsch

Karolinenplatz 2
Gegr.: 1882
Inhaber: Emil Hirsch, emigriert nach New York (Schroeder 2009, S. 385).

1930-1933: Das Antiquariat veröffentlichte drei zum Teil illustrierte Auktionskataloge mit Büchern und wissenschaftlichem Apparat. Eine Versteigerung wurde gemeinsam mit Hugo Helbing, München, abgehalten.

Lit.:
Schroeder 2009, S. 385
Schwarz 1962, S. 129
Selig 2004, S. 631

 

Hugo Helbing, München

Residenzstr. 12; Liebigstr. 21/Wagmüllerstr. 15 (1902)
1916 Zweigniederlassung in Berlin; 1919 Filiale in Frankfurt a. M. s. dort
Gegr.: 1885, OHG am 14. Januar 1938 aufgelöst und Hugo Helbing als Alleininhaber eingetragen (Hopp 2012, S. 74-98).
Inhaber: Hugo Helbing (1863-1938); ab 1906 als OHG geführt mit Theodor Neustätter (bis 7.4.1936), Mitinhaber: 1915 Ernst Spiegel (bis 1.12.1936) und Fritz Helbing (bis 31.12.1935), Leitung der Geschäfte seit 1911: Prokurist Adolf Alt (Hopp 2012, S. 74ff.).

1930-1935: Hugo Helbing veröffentlichte allein für das Münchner Haus 123 Auktionskataloge. Während in den Jahren 1930 bis 1933 jeweils zwischen 22 und 28 Auktionskataloge erschienen, ging diese Frequenz 1934 rapide auf 13 Versteigerungskataloge zurück. In den Katalogen fehlen nun bereits die Adressen der Berliner und Frankfurter Niederlassung. Es erschienen nun vermehrt Auktionen mit Büchern und Einrichtungsgegenständen. 1935 gibt Helbing schließlich nur vier Auktionskataloge heraus, da aufgrund seiner jüdischen Abstammung mit dem Entzug der Mitgliedschaft in der Reichskammer der bildenden Künste auch seine Versteigerungserlaubnis erlosch. Trotz der großen wirtschaftlichen Bedeutung, die Helbing versuchte dem Bayerischen Staatsministerium, Abteilung für Handel, Industrie und Gewerbe am 17. Juli 1935 durch eine Auflistung seiner Umsätze nachzuweisen, wurde ihm diese Versteigerungserlaubnis nicht erteilt, vielmehr lehnte die Reichskammer „im Hinblick auf Versteigerungsvorschriften“ ab (Wilhelm 1990, S. 233-235). 1936 und 1937 veröffentlichte Hugo Helbing noch je einen Ausstellungskatalog. In der Progromnacht 1938 wurde Helbing verhaftet, zusammengeschlagen und erlag am 30.11.1938 den schweren Verletzungen (Hopp, S. 2012, S. 84).

Nach dem Tod Helbings wurde Max Heiß als Abwickler der Firma bestellt. Eine geplante Versteigerung der Einrichtung des Schlosses Tutzing fand durch Intervenieren Weinmüllers jedoch bei Hans W. Lange, Berlin, statt. Auch nach dem Verkauf an Jakob Scheidwimmer erhielt die Kunsthandlung keine Versteigerungserlaubnis und wurde als Kunsthandlung „Galerie an der Wagmüllerstraße Jakob Scheidwimmer, vormals Hugo Helbing“, weitergeführt (Hopp 2012, S. 85ff.).

Die Kataloge sind meist schmale, illustrierte Bände in Quartformat mit kunsthistorischem Apparat, häufig von Vorworten von Kunsthistorikern der großen deutschen Museen begleitet. Eine Vielzahl der Versteigerungen brachten Ölgemälde und Aquarelle auf den Markt; 1932 erschienen einige Kataloge zu Judaika. Zudem wurden durch Helbing viele Nachlässe verauktioniert. Vier Auktionskataloge veröffentlichte Helbing gemeinsam mit dem Kunstsalon Cassirer, Berlin (s. dort). Die umfangreiche Sammlung Marczell von Nemes veranstaltete Helbing gemeinsam mit Mensing & Fils, Amsterdam, und dem Kunstsalon Cassirer, Berlin, 1931. 1932-1933 fanden zwei Versteigerungen in Kooperation mit Hans & Georg Paffrath und Alfred Flechtheim in Düsseldorf (s. Galerie Flechtheim, Düsseldorf) statt. Bei der bedeutenden Figdor-Versteigerungen 1930 agierte Hugo Helbing als Leiter der Auktion (s. Kunstsalon Cassirer, Berlin).

Lit.:
Hopp 2012, S. 74-98 mit weiterführender Literatur
Nebehay 1983, S. 245-254 zur Figdor-Versteigerung
Schulz-Hoffmann/Mühlen 2002, S. 331-346
Selig 2004, S. 631-34
Voigt/Kessler 2010, S. 277-290
Weltkunst mit zahlreichen Preisberichten
Wilhelm 1990, S. 222-235

 

Julius Böhler

Briennerstr. 12 (später 25)
Gegr.: 1890 als Antiquitätenhandel von Julius Böhler

Inhaber: Julius Böhler (1860-1934), Teilhaber: 1906-1919 Julius Wilhelm Böhler (1883-1966), 1910-1933 Otto Alfons Böhler mit Filiale in New York, Mitinhaber: Fritz Steinmeyer; 1922 Teilhaber und Geschäftsführer: Hans Sauermann, 1928: Julius Harry Böhler (1907-1979); 1936-1938 stiller Teilhaber bei Weinmüller, Zweigniederlassung in Berlin (Julius Böhler KG) (Hopp 2012, S. 112f., Winkler 2005, S. 207f.).

1936-1938: Die Kunsthandlung Julius Böhler veröffentlichte vier reich illustrierte Auktionskataloge mit kunsthistorischem Apparat zu vier hochwertigen und umfangreichen Sammlungen. Die Versteigerung mit Werken aus dem Besitz der Staatlichen Museen zu Berlin führte Böhler gemeinsam mit Rudolf Lepke, Berlin, durch. Die Zusammenarbeit und stille Teilhaberschaft beim Münchener Kunstversteigererhaus Adolf Weinmüller wurde von Hopp 2012 aufgearbeitet.

Lit.:
Hopp 2012, S.112-121
Mongi-Vollmer 2011, S. 165-167 zum missglückten Ankauf der Frankfurter Sammlung Goldschmidt-Rothschild
Weltkunst mit Preisberichten
Winkler 2005, S. 207-246
Winkler 2007a, S. 39-48
Winkler 2007b, S. 89-101
Q.: Geschäftsunterlagen der vier Böhler-Versteigerungen im Deutschen Kunstarchiv, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg; Kontokorrentbücher 1890-1918, Lagerbücher 1893-1955 im Bayerischen Wirtschaftsarchiv der IHK (Winkler 2005, S. 89f.).

 

Karl & Faber, Antiquariat, Karl & Faber (ab Katalog 20, 1941)

1931 Max Josephstr. 7; ab 1932 Karolinenplatz 2 (ab 1932); Briennerstr. 10 (ab 1938)
Gegr.: 1923
Inhaber: Dr. Georg Karl, Curt von Faber du Faur, in den Katalogen ab 1937 G. Karl.
1931-1944 erschienen 22 meist illustrierte Auktionskataloge mit Büchern, Graphik und Autographen sowie kunsthistorischem Apparat. Die letzte Versteigerung findet 1944 in Murnau statt.

Lit.:
Kunstpreisverzeichnis 2.1940/41, 3.1941/42
http://www.karlundfaber.de

 

Münchener Kunstversteigererhaus Adolf Weinmüller

Odeonsplatz 4, Leuchtenbergpalais
Gegr.: 1921 als Haus für Alte und Neue Kunst. Im November 1935 erhielt Weinmüller die Versteigerungserlaubnis und meldet sein Auktionshaus im Januar1936 an. Daneben betrieb er das Haus für Alte und Neue Kunst als Kunsthandlung weiter. Am 14.4.1948 wurde die Firma aufgelöst und am 16.2.1949 wieder anmeldet (Hopp 2012).

Inhaber: Adolf Weinmüller, 1935-1939: Geschäftsführer Dr. Ernst Wengenmayr, ab Oktober 1939 Dr. Eberhard Arnold von Cranach-Sichart (Hopp 2012).
Niederlassung in Wien s. dort unter Wiener Kunstversteigerungshaus Adolf Weinmüller
1936-1943: In diesem Zeitraum veröffentlichte Weinmüller 33 meist illustrierte Auktionskataloge mit Kunstobjekten und Büchern, die zum Teil ein kunsthistorischer Apparat begleitete. Insgesamt versteigerte er ca. 24.500 Objekte von ca. 1.800 Einlieferern. Die letzter Auktion am 12.-14.5.1943 (Katalog 33) verlagerte er aus „technischen Gründen“ nach Wien, nachdem der Firmensitz in München Ende 1942 und am 9./10.3.1943 Bombentreffer erhalten hatte. Die Tätigkeit Weinmüllers wurde von Hopp 2012 umfangreich erforscht. Sie konnte dabei anschaulich zeigen, wie es Weinmüller gelang, die Konkurrenz auf dem Auktionsmarkt auszuschalten und zum wichtigsten Münchner Versteigerungshaus zu avancieren. Dabei profitierte Weinmüller erheblich von der Plünderung und Enteignung jüdischen Eigentums.

Lit.:
Anderl 2006a, S. 16-22
Hopp 2012 umfassende Untersuchung sowohl des Münchner als auch des Wiener Auktionshauses
Kunstpreisverzeichnis 1.1939/40, 2.1940/41, 3.1941/42
Weltkunst mit zahlreichen Preisberichten
Q.: LAB Auktionsniederschriften zu zwei Versteigerungen

Annotierte Auktionskataloge der Firmen Adolf Weinmüllers in München 1936-1943 und Wien 1938-1944 ab sofort über die Datenbank Lost Art recherchierbar.

 

Otto Helbing Nachf.

Barerstr. 20; Plinganserstr. 132a (ab 1935)
Gegr.: 1911
Vorgänger: Otto Helbing

Inhaber: Heinrich Hirsch (1868-1943), im Katalog vom 15.11.1934 Gerhard Hirsch als Mitinhaber genannt. Heinrich Hirsch wird 1935 die Versteigerererlaubnis entzogen. Ab 1936 war der Verkauf der Münzhandlung nur noch an Mitglieder der Reichskammer der bildenden Künste erlaubt, 1938 kam es zu einem Vorvertrag mit Karl Kreß, der auch schon 1938 als Inhaber des Hauses in den Katalogen geführt wurde. Obwohl die Staatliche Münzsammlung und die Devisenstelle intervenierten, da sie die bedeutende Firma mit einem Jahresumsatz von 200 0000 RM in früheren Jahren selbst hatten arisieren wollen, sprach die Industrie- und Handelskammer Karl Kreß die Münzhandlung sogar mit dem Zugeständnis, den Firmennamen beibehalten zu dürfen, zu (Selig 2004, S. 634-636).

1930-1943: In diesem Zeitraum erschienen 29 zum Teil sehr umfangreiche Münzauktionskataloge. Eine Versteigerung fand zudem 1943 in Salzburg statt, s. dort.

Lit.:
Selig 2004, S. 634-636