Auktionshäuser in Berlin

Aktiengesellschaft für Auktionswesen

Kurfürstendamm 203
1934-1935 erschienen vier illustrierte Auktionskataloge mit Kunstobjekten und Hausrat, darunter drei Wohnungsversteigerungen.

 

Antiquariat S. Martin Fraenkel

Lutherstr. 19
1930-1931 erschienen neun Auktionskataloge mit Büchern, Graphik und Autographen (Kataloge Nr. 115 und 120 wurden nicht ermittelt) sowie kunsthistorischem Apparat.

 

Antiquitätenhaus Wertheim GmbH

Bellevuestr. 7
Gegr.: 1921, aufgelöst 1932
1930-1931: Es erschienen sechs aufwendig gestaltete und illustrierte Auktionskataloge mit hochwertigen Kunstobjekten und kunsthistorischem Apparat.

 

Auktionshaus des Westens GmbH, Kunstabteilung

Viktoriastr. 12 (9/1930); Tauentzien 4 (11/1930); Kurfürstendamm 178; Unter den Linden 10 (9/1931)
Gegr.: 1929

1930-1931: Es erscheinen 13 größtenteils illustrierte Auktionskataloge. Die Versteigerungen fanden häufig in Erdgeschosswohnungen am Kurfürstendamm statt. Obwohl im Vorwort des Katalogs vom 26.9.1930 mit der Eröffnung der Räume in der Viktoriastraße 12 ein verstärkter Handel mit Kunstobjekten angestrebt wurde, veranstaltete das Auktionshaus vor allem Wohnungsauflösungen.

 

Auktionshaus Dr. Walther Achenbach

Budapester Str. 9, W 62 (1933); Hardenbergstr. 29a-e (1936)
Inhaber: Walther Achenbach und Philo Wuest, der 1935 zum kommissarischen Leiter der Fachgruppe Versteigerer berufen und kurz darauf zu deren Leiter bestellt wurde.

1933-1941 erschienen 44 illustrierte Auktionskataloge. Bei 11 dieser Auktionskataloge handelt es sich um Auktionsankündigungen ohne einzelne Losangaben. Die übrigen Auktionskataloge sind dagegen mit teilweise über 1.000 Losen sehr umfangreich. Das Auktionshaus veranstaltete viele Hausversteigerungen und Liquidationen, etwa der Firmen Altkunst-Antiquitäten und der Galerie van Diemen.

Lit.:
Der Deutsche Auktionator, 6.1935, April/Mai, S. 9
Heuß 2008a, S. 56-64 zur Versteigerung Lucie Mayer-Fuld am 10. Juli 1940
Kunstpreisverzeichnis, 1.1939/40
Q.: LAB zahlreiche Auktionsniederschriften

 

Auktionshaus Edgar Joseph und Rudolf Preuss

Grolmannstr. 41
Nachfolger: Auktionshaus Rudolf Preuss
1930 erschienen zwei illustrierte Auktionskataloge mit Wohnungseinrichtungsgegenständen.

 

Auktionshaus Kurt Meyer

Berliner Str. 19
1930-1932 erschienen zwei illustrierte Auktionskataloge mit Wohnungseinrichtungsgegenständen.

 

Auktionshaus Rudolf Preuss

Lietzenburgerstr. 51
Gegr. 1902: Übernahme der Handlung von Siegfried Preuß. Neben Rudolph Lepke war das Auktionshaus Preuss in 1910er-Jahren eines der bedeutendsten Auktionshäuser in Berlin.
Vorgänger: Auktionshaus Edgar Joseph und Rudolf Preuss
1931 erschien ein illustrierter Auktionskatalog mit Wohnungseinrichtungsgegenständen.

Lit.:
Der Deutsche Auktionator, 2.1933, Nr. 2, S. 15

 

Auktions-Haus „Union“; Auktions-Haus „Union“, Leo Spik; Versteigerungshaus „Union“, Inhaber: Leo Spik (ab 4. Juli 1935); Kunstversteigerungshaus „Union“, Inhaber: Leo Spik (ab 10.9.1941)

Kurfürstendamm 201 (1934); Tiergartenstr. 6 (ab 1/1935); Rankestr. 5 (ab 4. Okt. 1939 bis Zerstörung 2/1944); Rankestr. 2 (6/1944)

Gegr.: 23.2.1933 als Kunsthandlung von Kurt R. Wacker und im Oktober 1934 von Leo Spik erworben (Enderlein 2006, S. 76; Nürnberg 2011, S. 105).

Inhaber: Leo Spik (1894-1968). Spik führte ab 1919 eine Kunsthandlung in der Motzstr. 9, ab 1929 war er im Kunstauktionshaus „Continental“ tätig.

1934-1944: Bei den 48 in diesem Zeitraum erschienenen Auktionskatalogen handelt es sich teilweise um Auktionsankündigungen ohne Auflistung der einzelnen Lose. Vorwiegend führte das Auktionshaus Haushaltsversteigerungen durch. Zwischen Gründung und November 1943 sollen 362 Auktionen, zum Großteil ohne dazu erschienene Kataloge, veranstaltet worden sein (Pucks 2008, S. 29 ohne Quelle). Besonders aktiv war das Auktionshaus in den Kriegsjahren. Von den jeweils acht 1942 respektive 1943 erschienenen Auktionskatalogen veröffentlichte Union je drei. 1944 gab das Kunstversteigerungshaus als einziges Auktionshaus in Berlin noch einen Katalog heraus. Unter den Versteigerungen, deren hochwertigste und bekannteste der Berliner Besitz der Bankiersfamilie Petschek 1941 darstellte, stammten viele Güter aus „nichtarischem“ Besitz.

Lit.:
Enderlein 2006, S. 76
Kunstpreisverzeichnis 1.1939/40; 2.1940/41; 3.1941/42
Nürnberg 2011, S. 105-112
Pucks 2008, S. 29
Weltkunst mit zahlreichen Preisberichten
Q.: LAB zahlreiche Auktionsniederschriften

 

Dr. Ernst Mandelbaum & Peter Paul Kronthal

Kurfürstenstr. 79, Ecke Keithstr. 14
Vorgänger: Internationales Kunst- und Auktions-Haus GmbH
Inhaber: Dr. Ernst Mandelbaum, Peter Paul Kronthal

1935-1937: Es erscheinen 23 illustrierte Auktionskataloge. Das Auktionshaus führte vor allem Wohnungsauflösungen durch, versteigerte aber auch Kunstobjekte. Nach dem gesetzlichen Verbot von Versteigerungen durch juristische Personen führte Dr. Ernst Mandelbaum die Geschäfte der Internationalen Kunst- und Auktions-Haus GmbH 1935/36 unter eigenem Namen zusammen mit dem Antiquitätenhändler Peter Paul Kronthal durch. Die Kataloggestaltung wurde beibehalten.

Lit.:
Enderlein 2006, S. 72
Pucks 2008, S. 16
Schwarz 1962, S. 127
Weltkunst mit zahlreichen Preisberichten

 

Dr. Grandke

Beeidigter Versteigerer des Kammergerichts; Versteigerung im Charlottenburger Vereinshaus
1934 erschien ein Auktionskatalog mit Graphik.

 

Dr. Günther Deneke

Bellevuestr. 13
Gegr.: 4.10.1932
1932-1933 erschienen vier zum Teil illustrierte Auktionskataloge mit Kunstobjekten.

 

Dr. Waldemar Wruck Münzhandlung

Niebuhrstr. 78
Gegr.: 1937
Inhaber: Waldemar Wruck (1902-1971). Vor seiner Niederlassung mit einer eigenen Münzhandlung arbeitet Wruck für Robert Ball Nachf.
1940-1943: Es erscheinen fünf zum Teil sehr umfangreiche Münzauktionskataloge.

Lit.:
Golenia 2011b, S. 117

 

Felix Schlessinger

Bismarckstr. 97/98
Gegr.: 1928
Inhaber: Felix Schlessinger (1879- vermutlich ermordet in Auschwitz), emigrierte 1936 nach Amsterdam, veröffentlichte dort noch mindestens zwei Auktionskataloge (27.10.1937 und 31.1.-1.2.1939) in der Prinsengracht.
1930-1935: Es erscheinen zehn zum Teil sehr umfangreiche Münzauktionskataloge.

Lit.:
Golenia 2011b, S. 114

 

Georg A. Samter, Kunstauktionshaus; Georg A. Samter Versteigerungshaus (1935)

Ansbacher Str. 54, W 50 (1931); Kurfürstendamm 175, W 15 (1935)
1931-1935 erschienen drei zum Teil illustrierte Auktionskataloge mit Autographen und Einrichtungsgegenständen.

 

Gerhard Harms, Versteigerungshaus

Berliner Str. 15 (1936); Prinzregentenstr. 2 (16.6.1937); Hohenzollerdamm 172 (16.6.1937)
Inhaber: Gerhard Harms, ab 1942 weitergeführt von Rudolf Harms (Enderlein 2006, S. 140).
1936-1940 erschienen 14 illustrierte Auktionskataloge. Das Versteigerungshaus führte vor allem Wohnungsauflösungen durch, darunter viele Aufträge von Behörden. Wegen des Verdachts auf Bestechung wurde Gerhard Harms 1941 während der Versteigerung des Petschek-Besitzes verhaftet (Nürnberg 2011, S.107).

Lit.:
Enderlein 2006, S. 115, 132, 140
Kunstpreisverzeichnis 1.1939/40, 2.1940/41, 3.1941/42
Nürnberg 2011, S. 107
Weltkunst mit Preisberichten
Q.: LAB zahlreiche Auktionsniederschriften

 

Hans W. Lange

Bellevuestr. 7; Bellevuestr. 3 (1937/38); Bellevuestr. 5 (1944/45, Pucks 2008, S. 18)

Inhaber: Hans W. Lange (1904-1945) war seit Ende 1925 für Paul Graupe tätig und übernahm dessen Auktionshaus 1937 zu einem niedrigem Preis (Heuß 1998a, S. 52f., Enderlein 2006, S. 107f., Fluck 2011, S. 60).

1937-1943: Hans W. Lange veröffentlichte in diesem Zeitraum – unter Mitzählung des ersten, unter Paul Graupes Namen geführten, doch in der Adresszeile als „Kunstversteigerer Hans W. Lange“ vermerkten Kataloges zur Sammlung Budge – 35 meist illustrierte Auktionskataloge mit Gemälden und anderen, meist hochwertigen Kunstobjekten, aber auch Waffen- und Ostasiatikasammlungen, die in den Katalogen meist mit ausführlichem kunsthistorischem Apparat, teilweise von Kunsthistorikern der Berliner Museen, beschrieben waren und einführende Vorworte begleitet wurden. Lange veranstaltete jedoch keine reinen Buch- und Graphikauktionen mehr. Bei der Gestaltung der Kataloge behielt er die von Graupe eingeführte Aufmachung in Format, Satz und dem typischen blauen Einschlagpapier als Umschlag bei. Unter den eingelieferten Objekten fanden sich zahlreiche Übergaben durch das Finanzamt Moabit-West aus verfallenem jüdischen Besitz (Enderlein 2006, S. 127, Fluck 2011, S. 62 sowie in den Katalogen). Mehr als ein Viertel des Umsatzes des Auktionshauses stammte damit aus Zwangsverkäufen (Fluck 2011, S. 61). Als im Herbst die Bombenangriffe auf Berlin immer zahlreicher wurden, verlegte Lange seine beiden letzten Auktionen nach Wien und erzielte dort hohe Erlöse (Enderlein 2006, S. 146).

Lit.:
Enderlein 2006, S. 105ff.
Flick 2009, S. 419-486
Flick 2011, S. 59-66
Flick 2011a, Geschick im System. Der Kunsthändler Hans W. Lange [November 2011]
Flick 2013, Zur Übernahme des Auktionshauses Paul Graupe durch Hans W. Lange [April 2013]
Gschiel/Nimeth/Weidinger 2010, S. 173ff. zur Versteigerung Rothberger
Heuß 1998a, S. 52f.
Kunstpreisverzeichnis 1.1939/40, 3.1941/42
Weltkunst mit zahlreichen Preisberichten
Q.: LAB Auktionsniederschriften

 

Hedwig Joseph, Kunst-Auktionshaus

Savignyplatz 12
1930 erschien ein Auktionskatalog einer Wohnungseinrichtung.

 

Hellmut Meyer & Ernst, Autographenhandlung und Antiquariat

Lützowstr. 27
Inhaber: Hellmut Meyer
1930-1937: Es erscheinen 21 zum Teil illustrierte Auktionskataloge mit wissenschaftlichem Apparat, vor allem mit Büchern, Autographen und Graphik. Hellmut Meyer & Ernst veröffentlicht drei Auktionskataloge gemeinsam mit J. A. Stargardt, Berlin, sowie einen Auktionskatalog mit Adolf Weigel, Leipzig.

 

Hermann Ball

Berlin, Tiergartenstr. 4, später Bellevuestr. 7 Dresden, Bankstr. 8, später Schloßstr. 34, später Schloßstr. 8
Gegr.: 1887, Auflösung 1935
Inhaber: Alexander und Richard Ball, die Firma wurde "durch Verfügung der Reichskammer für bildende Künste am 29.8.35 aufgelöst". (HR-Akte in LAB)
Gründer und langjähriger Inhaber der zunächst nur in Dresden ansässigen Firma war Hermann (Hirsch) Ball, der Vater von Richard und Alexander Ball. Er verstarb 1924. (D - Stadtarchiv der Landeshauptstadt Dresden, Geburts- und Sterberegister).

1930-1933: Die Brüder Ball gaben gemeinsam mit Paul Graupe, mit dem sie in einem losen Kompagnieverhältnis standen (Nebehay 1994, S. 48), zwanzig illustrierte Auktionskataloge mit hochwertigen Kunstwerken heraus. Zusätzlich erschienen zu vier Auktionen Handkataloge zum Eintrag der Preise. Nach der Zwangsauflösung der Firma aufgrund ihrer jüdischen Abstammung am 29. August 1935 wurde ein Großteil des Warenbestands am 7.-8.10.1936 bei Rudolph Lepke (Katalog 2106), Berlin, versteigert. Alexander und Richard Ball gelang es jedoch, zuvor einen Teil des Warenlagers in ihre Pariser Filiale zu verlagern. Nach der Besetzung von Paris durch die Deutschen im Juni 1940 wurde der dort verbliebene Warenbestand vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) beschlagnahmt. (WGA-Akte in LAB; www.errprject.org)

Quelle

  • D – Landesarchiv Berlin, A Rep. 342-02, Nr. 34640, HR-Akte Firma Hermann Ball
  • D – Landesarchiv Berlin, B Rep. 025-04 Nr. 671-672/ 57 u.a.m.
  • D - Stadtarchiv der Landeshauptstadt Dresden, Geburts- und Sterberegister

Lit.:
Heuß 2008a, S. 76
Nebehay 1994, S. 48
Schwarz 1962, S. 127
Weltkunst mit Preisberichten

Die Angaben zur Firma Hermann Ball wurden im Juli 2016 von Britta Bommert redigiert, basierend auf Angaben von Esther Sabelus.

 

Hollstein & Puppel

Kurfürstendamm 220/Ecke Meineckestr. 8, W 15 (bis 1934); Fasanenstr. 65 (1934-1936)
Gegr.: 1913

Inhaber: Heinrich Hollstein und Reinhold Puppel. Nachdem Hollstein 1935 aufgrund seiner jüdischen Abstammung keine Versteigerungserlaubnis erhielt und daher ausschied, führte Reinhold Puppel das Auktionsgeschäft unter eigenem Namen weiter (s. Reinhold Puppel).
1930-1936 erschienen 13 illustrierte Auktionskataloge, vor allem mit Graphik, selten mit Büchern und Gemälden.

Lit.:
Enderlein 2006, S. 34
Q.: LAB Auktionsniederschrift zu Auktion 55

 

Hugo Helbing, Berlin

Matthäikirchstr. 12
Gegr.: 1916/17 als Berliner Niederlassung der Münchner Firma Hugo Helbing, s. dort. Zu den Berliner Versteigerungen s. unter Kunstsalon Paul Cassirer.

Lit.:
Hopp 2012, S. 79f.

 

Internationales Kunst- und Auktions-Haus GmbH

Kurfürstenstr. 79, Ecke Keithstr. 14

Gegr.: 1929. Das Versteigerungshaus ging aus dem Kunstauktionshaus Jac. Hecht Nachfolger GmbH hervor, dessen Geschäftsführer bereits Dr. Ernst Mandelbaum war (Schwarz 1962, S. 127). 1935 wurde das Auktionshaus unter dem Namen Dr. Ernst Mandelbaum & Peter Paul Kronthal weitergeführt, s. dort.

Inhaber: Dr. Ernst Mandelbaum (Schwarz 1962, S. 127)

1930-1935: Führend auf dem Markt mit Kunstobjekten aus dem mittleren Segment gab das Internationale Kunst- und Auktions-Haus zwischen 1930 und 1935 103 meist illustrierte Auktionskataloge heraus. Darunter finden sich auch einige Auktionsankündigungen ohne Losnummern. Das Spektrum der verauktionierten Güter umfasste große ethnographische Sammlungen und Kollektionen von Ostasiatika, Geschäfts- und Lagerauflösungen, komplette Kunstsammlungen und Nachlässe sowie kleinere Wohnungsversteigerungen mit vielen Objekten des Kunstgewerbes, mit Möbeln und Hausrat.

Lit.:
Enderlein 2006, S. 72
Pucks 2008, S. 16
Schwarz 1962, S. 127
Solomacha 2001, S. 52 zu der Versteigerung von Beständen aus der Eremitage
Weltkunst mit Preisberichten

 

J. A. Stargardt

Lützowstr. 47; Derfflingerstr. 4 (ab 30.1.1936)
Gegr.: 1830 von Johann Carl Klage (1785-1850) als Buch- und Musikalienhandlung. Nachdem die Geschäftsräume 1944 durch Bomben zerstört worden waren, eröffnete das Antiquariat 1946 in Eutin. 1991 kehrte es nach Berlin zurück.

Inhaber: ab 1925 Günther Mecklenburg (1898-1984)

1930-1940: Es erschienen 31 sparsam illustrierte Auktionskataloge mit Autographen, Büchern und Graphik sowie ein Auktionskatalog mit Gemälden. Die meist Kataloge begleitete ein wissenschaftlicher Apparat. Drei Auktionskataloge veröffentlichte das Auktionshaus gemeinsam mit Hellmut Meyer & Ernst, Berlin.

Lit.:
Mecklenburg 1959
Stargardt 2005 mit Auszügen aus der Firmengeschichte
Weltkunst mit Preisberichten
Q.: LAB Auktionsniederschrift der Auktion vom 3.2.1938

www.stargardt.de/de

 

Kunst-Auktions-Haus „Continental“, Inh. Fritz Rosenfeld

Budapester Str. 9 (1932); Schaperstr. 19 (1933)
Gegr.: 1930 (WK 13.4.1930, Nr. 15, S. 3), aufgelöst 1933
Inhaber: Edgar Rosenfeld (1932)
1931-1933 erschienen drei illustrierte Auktionskataloge zu Wohnungsauflösungen.

 

Kunst-Auktions-Haus Keller & Reiner GmbH

Kurfürstendamm 225-226
Gegr.: 1897, aufgelöst 1933/34
Inhaber: von Martin Keller und Carl R. Reiner gegründet.
1932-1933 erschienen drei illustrierte Auktionskataloge mit Wohnungseinrichtungen.

Lit.:
Pucks 2008, S. 17

 

Kunstauktionshaus Leonor Joseph; Auktionshaus Leonor Joseph (2/1931)

Sächsische Str. 26
1930-1931 erschienen vier illustrierte Auktionskataloge mit Wohnungseinrichtungen.

 

Kunstauktionshaus Rudolf Schreiber

Kantstr. 5
1931 erschien ein illustrierter Auktionskatalog zu einer Wohnungseinrichtung.

 

Kunstsalon Paul Cassirer

Viktoriastr. 35
Gegr.: 1898, Auktionen ab 1916 (22.5.1916 Sammlung Julius Stern), letzte Auktion 21.10.1932, im Berliner Firmenverzeichnis bis 1937 geführt.

Inhaber: Galerie nach dem Tod Paul Cassirers (1817-1926) 1926 von Walter Feilchenfeld und Grete Ring geführt, die seit 1924 schon Teilhaber waren.

1930-1932: Der Kunstsalon Paul Cassirer veröffentlichte sechs aufwendige und umfangreich illustrierte Auktionskataloge bedeutender Kunstsammlungen, die ein umfangreicher kunsthistorischer Apparat begleitete. Nachdem Cassirer schon in den frühen Jahren seiner Auktionstätigkeit gemeinsam mit den Hugo Helbing, München, C. G. Boerner, Leipzig und Jacques Rosenthal, München, Versteigerungen durchgeführt hatte, behielt er diese Kooperationen sowie weitere mit der Galerie Fischer, Luzern, und Mensing & Fils, Amsterdam, auch später bei. Eine der größten Auktionen der frühen 1930er-Jahre führte der Kunstsalon Cassirer gemeinsam mit Artaria & Co., Wien, sowie dem Auktionshaus für Altertümer Glückselig GmbH, Wien, mit der Versteigerung der Sammlung Figdor durch, bei der Hugo Helbing, München, für die in Berlin durchgeführten Auktionsteile die Leitung übernahm. Weitere bedeutende Versteigerungen galten der Sammlung Simms, der Sammlung Marcus Kappels sowie der Sammlung Tony Straus-Negbaurs, die der Kunstsalon gemeinsam mit Hugo Helbing, München, durchführte oder der Sammlung Marczell von Nemes, bei der das Amsterdamer Auktionshaus Mensing & Fils als Partner auftrat.

Lit.:
Brühl 1991, S. 162-176
Nebehay 1983, S. 245-254 zur Figdor-Versteigerung
Schwarz 1962, S. 127
Wilhelm 1990, S. 141-150
Weltkunst mit Preisberichten

 

Leo Liepmannssohn, Antiquariat

Bernburger Str. 14
Gegr.: 1866
Inhaber: Otto Haas, der 1935 nach London emigriert. Sein Warenlager wurde von J. A. Stargardt, Berlin, und G. Fok, Leipzig, übernommen (Schroeder 2009, S. 384).
1930-1934 erschienen sechs illustrierte Auktionskataloge, vor allem mit Autographen.

Lit.:
Schroeder 2009, S. 384.

 

Leue & Co., Versteigerer

Pariser Platz 3
1931 erschien eine Auktionsanzeige zu Kunstobjekten.

 

Martin Breslauer

Französische Str. 46
Gegr.: 1898, Auflösung 1936

Inhaber: Martin Breslauer, der am 1. Juli 1937 nach Holland und von dort nach London emigrierte, wo er ein neues, auf europäische Manuskripte und frühen Buchdruck spezialisiertes Antiquariat gründete, das sein Sohn Bernard 1977 nach New York verlegte. Breslauer wirkte als Sachverständiger der Preußischen Staatsbibliothek (Schwarz 1962, S.127).

1930 erschien ein illustrierter Auktionskatalog zur Buchsammlung Eduard Griesebachs.

Lit.:
Becker 1997, S. 383-393
Fürstenberg 1966
Schwarz 1962, S. 127

 

Max Perl

Leipziger Str. 89 (1875); Unter den Linden 19; Spichernstr. 17 (1937-1943) Gegr.: 1875, erste Versteigerungen in den 1900er-Jahren, aufgelöst 1939

Inhaber: Max Perl (1868-1931), geleitet ab 1922 vom Mitinhaber Horst Alfons Rittershofer; ab 1931 Siegmund Kaznelson; ab Katalog 1993 vom 15.-16.10.1936 nur noch Rittershofer als Inhaber und Versteigerer in den Katalogen angeführt.

1930-1939: Es erscheinen 59 nur selten illustrierte, schmale Auktionskataloge, vorwiegend mit Büchern, seltener mit Graphik, Gemälden, Skulpturen und Kunstgewerbe. Die Kunstsammlung des Museumsbibliotheksdirektors Kurt Glaser wurde, neben dem Internationalen Kuns- und Auktionshaus, im Mai 1933 bei Perl versteigert (Dorrmann 2008, S. 47f). Bei der Auktion 188 der Sammlung Littmann am 26.-28.2.1935 wurden 63 Gemälde von der Gestapo aufgrund von „kulturbolschewistischen Tendenzen“ beschlagnahmt und bis auf 5 Gemälde und 16 Aquarelle, die Eberhard Hanfstaengel in Verwahrung genommen hatte, verbrannt (Lüttichau 2009, S. 467; Heuß 2008b, S. 71) Das Fachblatt Der Deutsche Auktionator, 6.1935, S. 4-5 wies seine Leserschaft auf den „allgemein interessierenden Sonderfall“ eigens hin.

Lit.:

Clausen 1999, S. 64-70
Der Deutsche Auktionator, 6.1935, S. 4-5
Dorrmann 2008, S. 47-60
Enderlein 2006, S. 33
Heuß 2008b, S. 69-74
Lüttichau 2009, S. 467-487
Pucks 2008, S. 25
Schenker, S. 439
Schwarz 1962, S. 128
Solomacha 2001, S. 52 Versteigerung von Beständen aus der Eremitage
Weltkunst mit Preisberichten
Q.: LAB mit Auktionsniederschriften

 

Paul Graupe

Kochstr. 3 (1907-1911); Lützowstr. 38 (1911-1927); Tiergartenstr. 4 (1930 bis 1932); Bellevuestr. 3 (1932-); später Bellevuestr
Gegr.: 1907, Versteigerungen ab 1916, aufgelöst 1936, weitergeführt von Hans W. Lange. Inhaber: Paul Graupe (1881-1953)

1930-1937: Graupe betrieb zunächst ein Antiquariat, wo er sich auf bibliophile Drucke, Buchminiaturen, Manuskripte und Graphik spezialisiert hatte, sowie einen kleinen Verlag, bevor er ab 1927 neben Graphik und Büchern auch Kunstgewerbe und Antiquitäten, dann zunehmend Gemälde und Ostasiatika versteigerte. Schon in den 1920er-Jahren zählte er zu den führenden Kunsthändlern Deutschlands. Paul Graupe veröffentlichte zwischen 1930 und 1937 47 oft sehr umfangreich illustrierte Auktionskataloge. Bis 1933 fanden zwanzig Auktionen, zu denen neben den Versteigerungskatalogen auch vier Handkataloge zum Eintrag der Preise erschienen, gemeinsam mit Hermann Ball statt, mit dem Graupe in einem losen Kompagnieverhältnis stand (Nebehay 1994, S. 48). Daneben veranstaltete Graupe zwei Auktionen gemeinsam mit C. G. Boerner, Leipzig. Alle Kataloge begleitet ein umfangreicher kunsthistorischer Apparat, der häufig von bedeutenden Kunsthistorikern, oft Wissenschaftler bei den großen Museen, verfasst wurde. Zum Teil steuerten diese auch einleitende Vorworte bei. Bedeutende Auktionen mit umfangreichen, illustrierten Katalogen fanden bis 1933 zu den Sammlungen Wendland, Goldschmidt, Rantzau, Emden, Castiglione und einer Wiener Sammlung statt. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung trug sich Graupe aufgrund seiner jüdischen Abstammung mit Überlegungen, in Wien eine Kunsthandlung zu eröffnen (Nebehay 1994, S. 46). In den folgenden Jahren führte Graupe zahlreiche Liquidationsversteigerungen durch (1935 Galerie van Diemen, Dr. Otto Burchard, J. Halle, Altkunst-Antiquitäten, Flatow und Priemer, 1936 A. S. Drey). Aufgrund einer 1935 erteilten Sondergenehmigung konnte Graupe als bedeutender Devisenbringer seine Kunsthandlung zunächst noch weiterführen (Enderlein 2006, S. 91; Golenia 2011a, S. 52; Nebehay 1994, S. 46), Ende 1936 emigrierte er zunächst nach London, wo er eine neue Firma gründete. 1937 ging er nach Paris und eröffnete Paul Graupe & Cie an der Place Vendôme 16, wo ein illustrierter Warenbestandskatalog erschien. Im selben Jahr verkaufte er die Berliner Firma an Hans W. Lange. Der letzte Auktionskatalog unter dem Firmennamen Paul Graupe erschien zur Versteigerung Emma Budge am 27.-29.9.1937 (verschoben auf den 4.-6.10.1937); die Versteigerung führt allerdings schon Hans W. Lange durch (in der Adresszeile des Katalog angegeben: Kunstversteigerer Hans W. Lange). 1941 emigrierte Graupe nach New York und eröffnete dort eine Kunsthandlung, behielt aber weiterhin seine Kontakte nach Europa aufrecht (Coppens 1987, Golenia 2011a, S. 52). Im August 1942 kam es in Amerika daher zu Untersuchungen gegen Hans Wendland und Graupe (Buomberger 1998, S. 218ff.).

Lit.:
Börsenblatt, 9.1954, Nr. 24, S. 129f. Nachruf
Buomberger 1998, S. 218-223 zur Verbindung zu Wendland
Coppens 1987, S. 255-264 mit ergänzenden biographischen Informationen
Das Antiquariat, 9.1953, S. 81f. Nachruf
Das Sammlerkabinett 6.1922/23, S. 38
Ecke 1953, S. 129f. mit den wichtigsten biographischen Informationen
Flick 2013, Zur Übernahme des Auktionshauses Paul Graupe durch Hans W. Lange [April 2013]
Golenia 2011a, S. 47-52
Golenia/Kratz-Kessemeier/Le Masne 2016, Paul Graupe (1881-1953)
Heuß 1998a, S. 52ff.
Heuß 1998b, S. 97-103 zur Versteigerung Budge vom 4.-6.10.1937
Heuß 2001a, S. 311-26 zur Auktion Max Silberberg vom 23.3.1935
Heuß 2001b, S. 207 mit grundlegenden Informationen zum Margraf-Konzern (Kunsthandlungen van Diemen, Dr. Benedict, Dr. Otto Burchard und Altkunst Antiquitäten, alle Berlin) sowie zu deren Liquidationsauktionen im Januar und Mai 1935
Luckhardt 2001, S. 218f. zur Versteigerung Budge
Nebehay 1994, S. 46ff. mit biographischen Informationen
Pucks 2008, S. 13
Schwarz 1962, S. 127
Schweiger 1995, S. 64-66 zur Auktion Rudolf Ibach am 21./22.3.1932
Tisa Francini/Heuß/Kreis 2001, S. 188ff. zur Auktion Max Silberberg vom 23.3.1935, S. 192ff. zur Versteigerung Budge
Weltkunst, 23.1953, Nr. 4, S. 20, Nr. 5, S. 9 Nachrufe
Weltkunst mit zahlreichen Preisberichten
Q.: LAB Auktionsniederschriften

 

Reinhold Puppel, vorm. Hollstein und Puppel, Kunstantiquariat und Kunstversteigerer

Fasanenstr. 65
Vorgänger: Hollstein & Puppel

Inhaber: Rudolph Puppel, der sich 1944 in Quedlinburg niederließ. 1937-1941 erschienen fünf meist illustrierte Auktionskataloge mit Büchern und Graphik sowie wissenschaftlichem Apparat. Im „Bibliographikon“, Tauentzienstr. 11, das seit 1938 von C. G. Boerner, Leipzig geführt wurden, fanden immer wieder Verkaufsausstellung statt.

Lit.:
Enderlein 2006, S. 34
Kunstpreisverzeichnis 2.1940/41
Q.: LAB Akten zu zwei Auktionen

 

Robert Ball Nchf., Münzhandlung

Wilhelmstr. 44
Gegr.: 1887-1941 Inhaberin: Johann Grünthal, Prokurist: Julius Nathansohn, 1935: Prokurist Rudolf Bahrs, Dr. Waldemar Wruck
1930-1934 erschienen acht Münzauktionskataloge.

Lit.:
Golenia 2011b, S. 114f.

 

Rud. Elsas, Kunstauktionshaus

Kurfürstendamm 219
1930-1932 erschienen elf illustrierte Auktionskataloge. Das Auktionshaus war spezialisiert auf Wohnungseinrichtungen, größtenteils aus Villen und Wohnungen im Grunewald. Teilweise wurden hier auch wertvolle Möbel und Gemälde versteigert.

 

Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus

Kochstr. 29 (1876-1912); Potsdamer Str. 122a/b (1912-1937); Potsdamer Str. 47 (1939 WK); Schöneberger Ufer 61 (1939-1950?, Pucks 2008, S. 19)

Gegr.: 1869 von Rudolph Lepke (1844-1904), schon ab 1853 Auktionen in verschiedenen Lokalitäten. Lepke gilt als ältestes Berliner Auktionshaus.

Inhaber: 1900-1935 zu je einem Drittel im Besitz der Brüder Adolf und Gustav Wolffenberg und Hans Carl Krüger. Zum 31.12.1935 erhalten die Brüder Wolffenberg aufgrund ihrer jüdischen Abstammung Berufsverbot und verkaufen ihrer Anteile an H. C. Krüger (Enderlein 2006, S. 123, Heuß 2008, S. 77, Schwarz 1962, S. 126); im Auktionskatalog 2096 vom 6.-7. Dezember 1935 ist Hans Carl Krüger erstmals als Inhaber angeführt.

1930-1938: Es erscheinen 102 meist aufwendig gestaltete Auktionskataloge (Kataloge 2040 und 2095 wurde nicht ermittelt), darunter ein Handkatalog zum Eintrag der Preise, mit hochwertigen Kunstobjekten, umfangreichen Vorworten und Abbildungen sowie ausführlichem kunsthistorischem Apparat, oft von Berliner Kunsthistorikern verfasst. Zahlreiche Versteigerungen fanden zu großen Gemäldesammlungen statt, etwa zu der Stroganoffs oder James Simons. Ebenso veranstaltete das Auktionshaus Versteigerungen von Ostasiatika, Möbeln, Kunstgewerbe und kompletten Nachlässen. Ab 1936 erscheinen die Kataloge statt bislang im Quart- im Oktavformat, zunehmend auch ohne Abbildungen. Zugleich nahmen zu diesem Zeitpunkt Hausratsversteigerungen, häufig auch aus „nichtarischem“ Besitz, zu. 1937 gab Lepke gemeinsam mit Julius Böhler, München, den letzten großen, aufwendig gestalteten Katalog mit Werken aus den Staatlichen Museen zu Berlin heraus. Der letzte Versteigerungskatalog wurde im November 1938 veröffentlicht. Laut Weltkunst vom 7.5.1939 zog das Auktionshaus wegen Räumung des Tiergartenviertels für die neue nationalsozialistische Städteplanung an das Großadmiral-von-Koester-Ufer 61. Krüger war weiter als Kunsthändler tätig, führt jedoch keine Versteigerungen mehr durch (Enderlein 2006, S. 123).

Lit.:
Bayer, 2001, S. 101-131 vor allem 1928 zur Versteigerung Stroganoff
Brendicke 1895, S. 46-48
Enderlein 2006, S. 31f., 123
Gafifullin 2001, S. 73
Heuß 1998a, S. 54
Schwarz 1962, S. 126
Solomacha 2001, S. 52 zu Auktionen mit Kunst aus der Eremitage
Wilhelm 1990, S. 128-141
Weltkunst mit Preisberichten
Q.: LAB Auktionsniederschriften

 

Versteigerer Rudolf Harms

Pestalozzistr. 52

1937 erschien ein illustrierter Auktionskatalog mit einer Wohnungseinrichtung. Nach den Akten des LAB, in denen jedoch nicht präzise zwischen Gerhard und Rudolf Harms unterschieden wird, führte Rudolf Harms vermutlich bedeutend mehr Auktionen, sowohl in seinem Auktionshaus als auch direkt als Hausversteigerer, durch. 1942 übernahm er das Auktionshaus Gerhard Harms, s. dort.

Lit.:
Enderlein 2006, S. 115, 142
Q.: LAB Auktionsniederschriften