Camera Work Online

Camera Work ist eine amerikanische Fotografie- und Kunstzeitschrift, die zwischen 1903 und 1917 von Alfred Stieglitz in New York herausgegeben wurde. In insgesamt fünfzig Ausgaben und drei Sondernummern erschien die Zeitschrift vierteljährlich in einer Auflage von 1000 Exemplaren und wurde mit unterschiedlich großen Abonnentenkreisen veröffentlicht. Camera Work nimmt in der Geschichte der Fotografie, aber auch im weiten Feld künstlerischer Bewegungen, den Stellenwert einer modernen Ikone ein. Dennoch ist die Zeitschrift in der Forschung lange auf ihre Rolle als Repräsentantin des amerikanischen Piktorialismus – als ein vermeintlich veralteter Ismus der Fotografiegeschichte – reduziert worden. Die innovative methodische und technische Erforschung von Camera Work als einem intermedialen Gesamtkunstwerk steht bisher noch aus.
Das Forschungsprojekt „Camera Work – Inside/Out: Geschichte, Gegenwart und Zukunft eines internationalen Mediums der Kunst und Fotografiegeschichte“ am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich begegnet diesem Desiderat. Das Projekt beansprucht, einen pionierhaften und zugleich modellartigen Beitrag für die Anwendung der Digital Humanities bei der kunsthistorischen und interdisziplinären Erforschung von Camera Work zu leisten. Nur so kann die internationale Ausstrahlung und Vernetzung der Zeitschrift zukunftsweisend untersucht werden.
Ziel des Projekts ist die Entwicklung technischer und strukturell avancierter Arbeits- und Publikationsinstrumente zur Erschließung des umfangreichen Forschungsmaterials. Die digitale Aufbereitung der Zeitschrift wird seit 2016 von einem Forschungsteam in Zürich in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Heidelberg umgesetzt. Ergänzend zum digitalen Faksimile wird angestrebt, ein virtuelles Labor einzurichten, um die Forschungsergebnisse zu Camera Work in verschiedenen Displays zu präsentieren.
Derzeit trägt das Team die Quantifizierung und Strukturierung aller Ausgaben von Camera Work in einer dynamischen Datenbank zusammen. Der komplette Inhalt der Zeitschrift – Abbildungen, Texte und Werbeanzeigen – wird in diesem Zusammenhang systematisch katalogisiert, um die internationale Verankerung, Vernetzung, Distribution und Rezeption von Personen, Texten und Bildern, die für das Unternehmen Camera Work zentral waren, fundiert erforschen zu können. Alle publizierten Textformen – Aufsätze, Ausstellungsrezensionen und Gedichte – werden zudem erstmals als individuelle bibliografische Einträge im internationalen Bibliotheksverbund erfasst. Die Digitalisierung der Zeitschrift soll schließlich auch die Qualität der auf Japanpapier aufgezogenen Photogravüren repräsentieren, um die „Patina“ des Originals mit den Eigenheiten der Papiersorten, den spezifischen Farbtönen und Schattierungen visuell nachvollziehbar zu machen.
Die digitale Aufbereitung der Zeitschrift liefert die Basis für die Untersuchung der globalen Funktion von Camera Work als Schaltstelle der Fotografie und Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Zentrale Fragestellungen richten sich dabei an das Material, die Gestaltung und Drucktechniken sowie die Positionierung der Zeitschrift im Kontext einer global vernetzen Kunst- und Fotografieszene. Für die Diskussion dieser und anderer Forschungsfragen rund um Camera Work wurde im Jahr 2016 das Camera Work Colloquium (CWC) gegründet. Mit öffentlichen Vorträgen, Workshops, Podiumsdiskussionen, Buchpräsentationen und weiteren Veranstaltungen nimmt das CWC an internationalen Debatten zur Erforschung von Kunst, Fotografie und der Vernetzung unterschiedlicher Medien, Personen und Kunsttheorien in einem globalen Kontext teil.

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