Zur drohenden Zerschlagung der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln

Vorerst gerettet?

Die Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln ist durch das Engagement der Leser- und Leserinnen sowie der Freunde dieser renommierten und international bekannten Institution nicht geschlossen worden. In der Ratssitzung vom 29.07.2003 zur Haushaltskonsolidierung 2003/2004 entschied
man sich für den Erhalt der KMB als zentrale Einrichtung. Damit hat die Politik, allen voran die beiden Koalitionspartner CDU und Bündnis 90 / Die Grünen, für diese Bibliothek gestimmt und ihr Fortbestehen vorerst gesichert. Für die Zukunft gilt jedoch weiterhin, dass die Stadtverwaltung innerhalb des Kulturbetriebes Einsparungen vornehmen wird. Diese liegen vor allem im Bereich des Personals. Dabei müssen jetzt schon Arbeiten, die zu den Regelaufgaben des Hauses gehören, von Ehrenamtlichen Helfern durchgeführt werden. Man darf gespannt sein, in welcher Art und Weise man weiterhin an den Fundamenten dieser Institution rüttelt (Leserinitiative der KMB)

Kontakt: Leserinitiative der Kunst- und Museumsbibliothek c/o Katja Lambert.

Einladung zur Pressekonferenz "Gegen die Zerschlagung der Kunst- und Museumsbibliothek" am 20. Mai 2003 sowie " Argumente gegen die Schließung der Kunst- und Museumsbibliothek (KMB) der Stadt Köln"

Online-Unterschriftenliste "Art Library Society of Flanders/Belgium (OKBV)" gege die Zerschlagung der Kunst- und Museumsbibliothek Köln

Übergabe der Unterschriftenlisten und Solidaritätsbriefe zum Erhalt der Kunst- und Museumsbibliothek Köln (KMB) an Herrn H. Winkelhog (Stadtdirektor) (20.05.2003)

"Renommierter kultureller Schatz", Kölnische Rundschau, 21.05.2003

Zur Koordination weiterer AKMB-Aktivitäten bitten wir darum, Stellungnahmen oder auch Aktionsvorschläge einzelner AKMB-Bibliotheken an den Vorstand zu schicken. Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Kölner Kollegen.
(Kontakt: Dr. Maria Effinger)


Leserinitiative Kunst- und Museumsbibliothek · Köln
Zur Information der Presse 24.1.2003


Der Kölner Kunst- und Museumsbibliothek (KMB), eine der größten Kunstbibliotheken im deutschen Raum, droht der Untergang. Die katastrophale Haushaltslage der Stadt Köln hat im Dezember vergangenen Jahres zu dem Verwaltungsbeschluss geführt, die Kunst- und Museumsbibliothek aufzulösen, was umgesetzt wird, falls der Rat der Stadt im April 2003 diesem Beschluss
mehrheitlich zustimmt.


Die Kölner Bibliothek ist eine von sieben deutschen Kunstbibliotheken (in Berlin,
Nürnberg, München, Florenz, zweimal Rom und eben Köln), die von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft als sogenannte Spezialbibliotheken
gefördert werden und in ihrer Gesamtheit nach planmäßiger
Schwerpunktverteilung das ganze Spektrum der Kunst bzw.Kunstliteratur
abdecken. Die Kölner Schwerpunkte sind die Kunst des 20. und des 21.
Jahrhunderts, Photographie und die Kunst der Benelux-Länder. Zusammen
bilden die sieben Bibliotheken eine deutsche Nationalbibliothek der
Kunstwissenschaft. Sie beraten in diesen Tagen den gemeinsamen Aufbau
einer „Virtuellen Fachbibliothek Kunstgeschichte“.

In den vergangenen dreißig Jahren floss seitens der Deutschen
Forschungsgemeinschaft eine Fördersumme in Millionenhöhe in unsere
Bibliothek, deren Bestand auf über 350 000 Bände angewachsen ist. Sie besitzt
eine wissenschaftliche Leitung im Rang einer eigenständigen Institutsdirektion
und beschäftigt zur Zeit mehr als zwanzig Personen. Die Zentrale ist
arbeitsteilig straff organisiert und verfügt über alle bibliothekarischen Hilfsmittel
einer großen Bibliothek. Die Kunst- und Museumsbibliothek ist die einzige große
deutsche Kunstbibliothek mit praktisch vollständiger EDV-Erfassung ihrer
Bestände. Der Katalog ist seit September 2000 im Internet abrufbar.

Für uns unverständlich und schmerzlich, hat es bereits in der Vergangenheit
Vorschläge zur Abschaffung der Kunst- und Museumsbibliothek gegeben,
zuletzt 1997/98, als eine Untersuchung des Unternehmensberaters McKinsey
ihre Auflösung empfahl. Die Diskussion des Jahres 1998 führte zu einer klaren
Zurückweisung dieser Empfehlung durch die Kölner Kulturpolitiker.

Eine Auflösung würde bedeuten, dass die Bestände der Kunst- und
Museumsbibliothek auf drei Museen, das Wallraf-Richartz-Museum, das Museum
für Angewandte Kunst und das Museum Ludwig zu verteilen wären.

Bekanntlich besitzt die KMB noch immer kein eigenes Haus, so dass ihre
Bücher, Kataloge und Zeitschriften gegenwärtig schon auf mehrere Gebäude
verteilt sind. Die Leserinitiative hat sich in der Vergangenheit mit
Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft entschieden und
erfolgreich dagegen gewehrt, dass im neuen Gebäude des
Wallraf-Richartz-Museums durch Abspaltung eine eigene Bibliothek entsteht.
Die jetzt drohende Umwandlung der KMB in hauseigene Museumsbibliotheken
würde diese Bemühungen zunichte machen und eine totale Zersplitterung der
Bibliothek legitimieren. Zu fürchten wäre, dass ganze Bücher-und
Zeitschriftenbestände, durch ihre Universalität eigentlich unteilbar,
auseinandergerissen würden. Das notorische, durch die räumliche Streuung der
Bücher bedingte Erschwernis für die Leser, in der KMB gattungs- und
epochenübergreifend zu arbeiten, würde zur Unerträglichkeit gesteigert. Zu
allem Überfluss ist eine Halbierung der Öffnungszeiten scheinbar beschlossene
Sache. Das um weit mehr als die Hälfte reduzierte Bibliothekspersonal wäre von
den notwendigen Dienstleistungen – Magazingänge, Beratung, EDV-Recherche,
Fotokopieren - völlig überfordert.

Es kann keine Rede davon sein, dass die Auflösung der zentralen Struktur der
Bibliothek die Kosten-Nutzen-Bilanz verbessern würde. Der Nutzen oder die
Leistung der KMB besteht darin, den Wissenschaftlern innerhalb und außerhalb
der Museen, dem akademischen Nachwuchs, den kunstinteressierten Bürgern
der Stadt und nicht zuletzt dem Kölner Kunsthandel hoch spezialisierte,
vollständige oder sorgfältig ausgewählte Kunstliteratur zur Verfügung zu
stellen. Durch eine Auflösung der Kunst- und Museumsbibliothek aber fielen
unverzüglich die Fördergelder der Deutschen Forschungsgemeinschaft weg und
damit die Hälfte des Etats für den Bucherwerb. Der sogenannte
Schriftentausch, die gegenseitige kostenlose Belieferung der Kunstinstitute mit
ihren neuesten Publikationen – für die KMB eine kaum zu überschätzende
Ressource –, würde mangels Arbeitskräften erheblich an Effizienz einbüßen.
Durch den eklatanten Rückgang der Neuzugänge müsste die Bibliothek rasch
veralten. Zudem würde der Wegfall einer zentralen Steuerung des Bücherkaufs
in Kürze zu klaffenden Bestandslücken führen. Veralterung und Lückenhaftigkeit
aber sind der Tod einer Bibliothek. In wenigen Jahren würde zur
Bedeutungslosigkeit herabsinken, was in Jahrzehnten aufgebaut worden ist.

Die Auflösung der Kunst-und Museumsbibliothek würde aus einem
arbeitsteiligen System der Literaturversorgung ein wichtiges Glied
herausbrechen und damit ein nationales Projekt in Frage stellen, das bis zum
gegenwärtigen Zeitpunkt Synergieffekte genutzt hat, um eine umfassende
deutsche Bibliothek der Kunstwissenschaft zu schaffen. Die Stadt Köln müsste
die Verantwortung für das Scheitern der gesamtkulturellen Konzeption
übernehmen.

Die Leserinitiative Kunst- und Museumsbibliothek geht bei aller Anerkennung
der Notwendigkeit des Sparens nicht ernstlich davon aus, dass die Politiker
Kölns sehenden Auges die irreversible Zerstörung einer lokal wie national
bedeutenden Institution zulassen werden. Die Kunst-und Museumsbibliothek ist
als wichtiger Beitrag zur Identität der Kunststadt Köln zu würdigen, gerade
auch im Hinblick auf eine mögliche Bewerbung um den Status einer
europäischen Kulturhauptstadt.

Wir fordern mit allem Nachdruck dazu auf, statt die Auflösung der Kunst- und
Museumsbibliothek zu planen, vielmehr an Perspektiven festzuhalten, die auch
innerhalb der Verwaltung schon längst befürwortet worden sind. Wir meinen
den Vorschlag, für die Kunst- und Museumsbibliothek eigene Räume auf dem
Areal des ehemaligen Kaufhauses Kutz zu schaffen. So wenig auch bei der
gegenwärtigen Haushaltslage an investive Kosten gedacht werden mag, das
Grundstück im historischen Zentrum der Stadt kann längerfristig nicht
unbebaut bleiben, und für eine kulturelle Nutzung ist es erworben worden.

Leserinitiative Kunst- und Museumsbibliothek ? Köln

(c/o Manfred Brunner, Classen-Kappelmann-Str.26, 50931 Köln,
Tel. (0221)9404104, E-Mail: mhbrunner@aol.com)