Rezension

Damien Carraz / Esther Dehoux: Images et ornements autour des ordres militaires au Moyen Âge. Culture visuelle et culte des saints (France, Espagne du Nord, Italie), Toulouse: Presses universitaires du Midi 2016, 284 S., ISBN 978-2-8107-0447-7, 25.00 EUR
Buchcover von Images et ornements autour des ordres militaires au Moyen Âge
rezensiert von Klaus Militzer, Ruhr-Universität Bochum

Das Projekt zur Erforschung des Selbstverständnisses der Ritterorden in deren Kirchen und Räumen ist in zwei Tagungen an zwei Orten, nämlich in Paris und Clermont.-Ferrand, verwirklicht, aber in einem Band zusammengefasst worden. Nach einem Vorwort und einer Einleitung von Damien Carraz und Esther Dehoux folgen die Aufsätze zu einzelnen Themen. Besonders hervorzuheben ist der Beitrag von Damien Carraz, der ganz Frankreich behandelt und unterstreicht, dass Templer und Johanniter nicht imstande gewesen seien, eine ausschließlich ihnen zustehende Dekoration ihrer Kapellen zu schaffen, und dass es schwer sei, eine Verbindung zwischen Orient (insbesondere Byzanz) und Okzident, also der Heimat der Ritterorden in Frankreich, zu ziehen (34 f.). Damien Carraz hebt auch hervor, dass Templer wie Johanniter in Frankreich nur das Kreuz, Christus und die Hll. Michael und Georg ausgesucht hätten.

Ebenso versieht Christian Davy seinen Beitrag, der um die Frage kreist, ob die Ritterorden eine eigene Auswahl an Heiligen vorgenommen hätten, mit einem Fragezeichen. Sicher ist, dass die Ritterorden keine eigenen Heiligen hervorgebracht haben. Damien Carraz und Yoan Mattalia stellen fest, dass man für die Fresken des Midi meist schriftliche Quellen benötige, um sie zu deuten (48). Sie bescheinigen den Ritterorden auch einen aristokratischen Zug, der vor allem in ihrer Nähe zu adligen Wohltätern, aber auch in der Abstammung ihrer Mitglieder gründe. Daneben sei die Verehrung von Heiligen und heiligen Gegenständen eher konventionell gewesen. Das Kreuz Christi, Maria, die Mutter Jesu, und der Hl. Georg seien, wie schon angedeutet, die Leitmotive gewesen, an denen sich Templer und Johanniter ausgerichtet hätten. Denselben Eindruck vermittelt auch Arnaud Baudin, der die Siegel der Ritterordensfunktionäre untersucht. Er hat auch den Deutschen Orden einbezogen, sich dabei allerdings auf die Veröffentlichungen von Udo Arnold berufen. Tatsächlich stammen die Beschreibungen der Siegel von Rainer Kahsnitz (368-405).

Es folgen mehrere Abhandlungen zu den Darstellungen in einzelnen Kommenden der Templer und Johanniter von Cécile Voyer, Marie Charbonnel, Virginie Czerniak und Laurent Macé (85-141). Beiträge von Gaetano Curzi (146-154) auf Italienisch über Wandmalereien in Mittelitalien und von Joan Fuguet y Carme Plaza auf Spanisch (155-168) über solche im Nordosten Spaniens schließen sich an. Neben dem auch sonst Bezeugten spielte der Mohrentöter Jakob der Ältere eine größere Rolle, allerdings weniger in den bereits bekannten als den typisch spanischen Ritterorden. Daneben kann er auch auf Schlachtenszenen verweisen, die sonst wenig in Erscheinung getreten sind. Sebastián Salvadó stellt in seinem englischen Beitrag die Frage nach den byzantinischen Einflüssen auf die Malereien in eben diesem Bereich. Er erkennt mehrere Analogien, die er durch Texte zu untermauern sucht. Mehrere Autoren sehen in den Ungeheuern, die in Wandmalereien dargestellt worden sind, den Islam als Werk des Teufels - unter denen sich auch der Drachen befindet, den der Hl. Georg tötete, so der Beitrag von Esther Dehoux (181-192). In der Bekämpfung des Islam lag schließlich eine der Hauptaufgaben aller Ritterorden.

Dankenswerterweise haben die Herausgeber auch eine 54 Illustrationen umfassende, in Farbe gehaltene Beilage zum Text angefügt. Die Beilage ist auf gesondertem Papier gedruckt worden. Jedoch sind einige Bilder oder Illustrationen so klein geraten, dass sie dem Betrachter keinen rechten Eindruck von der Vorlage verschaffen können.

Stellungnahmen des Historikers Philippe Josserand und der Kunsthistorikerin Claude Andrault-Schmitt sind beigefügt. Josserand weist nochmals darauf hin, wie schwer es sei, typische Elemente der Templer und Johanniter zu ermitteln. Die Kunsthistorikerin Claude Andrault-Schmitt spricht ebenfalls davon, dass typische Bilder für beide Ritterorden kaum auszumachen seien, und warnt davor, dass man eigentlich unbedeutende Kapellen und Kirchen für eine Gesamtheit nehme und verallgemeinere. Beide heben aber hervor, dass ein Anfang gemacht und auf dem Weg weiter voranzuschreiten sei. Es bleibt trotz der umfänglichen Arbeit noch viel zu tun, zumal die Entwicklungen in England und im ehemaligen Deutschen Reich, in Preußen und in Livland weitgehend ausgeblendet wurden. Eine umfängliche Bibliographie, ein Index, eine Vorstellung der vortragenden Personen mit einem Resumé der Beiträge beschließen den insgesamt wichtigen Band.

In vorliegendem Werk wird die Diskussion um das sogenannte Selbstverständnis in den Ritterorden weitergeführt und vor allem durch eine Sammlung von Malereien und gegenständlichen Überresten aufgenommen. Es geht dabei vorwiegend um Heilige und die Ausmalung der Kapellen und Räume der Kommenden. Abgesehen von Schlachtszenen, die hin und wieder einmal vorkommen, sind keine Besonderheiten der Ritterorden gegenüber anderen Ordensgemeinschaften festzustellen. Es ist dabei von Bedeutung, dass die Sammlung sich vorwiegend auf den Südteil, also Südfrankreich, Mittelitalien und einen Teil Spaniens, bezieht und somit nur einen Teil der Ritterorden miteinbezieht. Es wäre daher zu begrüßen, wenn eine solche Sammlung und Interpretation auch für die übrigen Gegenden, nämlich Nordfrankreich, England und das Deutsche Reich wie auch Preußen und Livland einschließen würde. Erst dann könnte man ein abschließendes Urteil fällen, ob die Ritterorden, darunter auch der Deutsche Orden, ein eigenständiges Bewusstsein und dementsprechend überhaupt ein besonderes Verhältnis zur Malerei und Fresken in ihren Kapellen und Aufenthaltsräumen gehabt haben. Denn bislang hat sowohl die deutsch- wie auch die fremdsprachige Mediävistik die Fresken in den Kapellen, Kirchen oder Räumen der Kommenden nur selten in die wissenschaftliche Diskussion mit aufgenommen.


Klaus Militzer

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Klaus Militzer: Rezension von: Damien Carraz / Esther Dehoux: Images et ornements autour des ordres militaires au Moyen Âge. Culture visuelle et culte des saints (France, Espagne du Nord, Italie), Toulouse: Presses universitaires du Midi 2016
in KUNSTFORM 18 (2017), Nr. 4,

Rezension von:

Klaus Militzer
Ruhr-Universität Bochum

Redaktionelle Betreuung:

Ralf Lützelschwab